«Miles Davis krächzte mit seiner heiseren Stimme nur zwei Worte: ‹Take it!›»

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Peter «Basi» Basler vor dem Miles-Davis-Plakat, das ihm der Meister persönlich 1991 in Paris geschenkt hat. Bilder: schwe
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Halb Büro, halb Galerie: Die «Basitours»-Zentrale in der Zofinger Altstadt.

Es sei wahrscheinlich von Vorteil, ich würde vorbeikommen, sagt Peter Basler am Telefon, als ich ihn für ein Interview anfrage. Die 40 Jahre, die er im Musikbusiness als Booking-Agent tätig sei, liessen sich am besten verstehen, wenn man sich in seinem Büro «ein wenig umsehe». Gesagt, getan. Das «Büro» entpuppt sich als mehrstöckiges, schmales Häuschen in der Zofinger Altstadt. Beim Betreten wird mir sofort klar, warum Peter Basler, den man in Zofingen besser als «Basi» kennt, auf einem Besuch bestanden hat. Die Wände des Häuschens sind über und über mit Konzertplakaten und Fotos aus vielen Jahrzehnten behängt. Darauf erkennt sogar ein Laie Legenden der Musikwelt, für die Basi teils viele Jahre lang internationale Konzert-Tourneen organisierte bzw. heute noch organisiert: Billy Cobham, Maceo Parker, Joe Cocker, Miles Davis, Bootsy Collins, die Blues Brothers Band – die Liste liesse sich beliebig erweitern.

Organisieren statt musizieren

Wie kommt man mit solchen Grössen ins Geschäft? «Fangen wir lieber vorne an», sagt Basi und rollt sich ein Zigarettchen, das er die nächste halbe Stunde in der Hand halten wird, weil er vor lauter Musikbegeisterung das Rauchen meist vergisst. 1955 wurde Peter Basler in Zofingen geboren, wo er auch aufwuchs. Die Begeisterung für Musik war bereits als Jugendlicher so gross, dass er Mitte der Siebzigerjahre die Jazzschule in Bern absolvierte. «Ich merkte aber schnell, dass mir das Organisieren noch mehr Spass macht als das Musizieren», erinnert sich Basi. Die ersten Versuche als Konzertveranstalter «Basitours» folgten Anfang Achtzigerjahre im Raum Aargau Solothurn. Interessant: Eine der Bands, mit denen Basi schon sehr früh zusammenarbeitete, war Donkey Kong Multiscream, in der Dieter Ammann, heute international gefeierter Komponist für Neue Musik, mitwirkte. Bereits 1983 konnte Basler im Stadtsaal ein Konzert des Ausnahmedrummers Billy Cobham organisieren. Auftritte von Joe Cocker, Weather Report und Konstantin Wecker folgten. Beim Stichwort Wecker beginnt Basi zu lachen. «KleineAnekdote: Nach dem Gig von Wecker 1987 im Stadtsaal fragte mich ZT-Reporter Pletscher, ob ich eine kulturelle Vision für Zofingen hätte. Ich: Ja, ein Open Air auf dem Heitern, am liebsten mit John McLaughlin.»

Wenige Jahre später, 1991, wurde die Zusammenarbeit mit Cobham richtig offiziell. Basi: «Von 91 bis 2004 war ich exklusiv zuständig für die Europa-Tourneen von Cobham.» Lustig sei vor allem die Art und Weise gewesen, wie der Kontakt entstanden sei: «Jemand hatte mir gesagt, Cobham wohne in Horgen. Also nahm ich das Telefonbuch und tatsächlich: da stand ein gewisser Prof. Dr. William Cobham drin. Die Abkürzung ‹Prof. Dr.›, das war mir sofort klar, hiess in seinem Fall Professional Drummer (lacht). Ich rief an, er nahm ab, der Rest ist Geschichte!»

Quer durch Europa und zurück

1987 verliess Peter Basler Zofingen Richtung Österreich: «In Innsbruck war ich bei der Organisation des grossartigen Bergisel-Festivals bei der Sprungschanze dabei, an dem neben vielen anderen Superstars auch Miles Davis auftrat.» In den folgenden 20 Jahren organisierte Basi nicht nur exklusiv Europa-Tourneen für Musik-Grössen wie Dave Brubeck, Joe Zawinul, Victor Bailey oder den «Tango-König» Astor Piazzolla, sondern befand sich selber am Anfang einer Art Europa-Tour, was seine Wohnorte anbelangt: «Nach Innsbruck zog ich ins Tessin, nach Lugano, da wollte ich immer schon wohnen. Super Klima.» Keine zwei Jahre später wurde Amsterdam vorübergehend seine Heimat, «Grund dafür war ein Joint Venture mit der bekannten Agentur V.I.P. Productions.»

Aber auch in Amsterdam wurde Basi nicht sesshaft, wie er lachend berichtet: «Ich hörte 1996, dass Budapest einen Agenten sucht, um ein riesiges Fest zum 1100-jährigen Jubiläum zu managen. Das wollte ich unbedingt machen!» Nach Budapest war wieder Österreich dran: «Das Festspielhaus St. Pölten suchte 1997 einen Projektleiter – genau der richtige Job für mich.» Peter Basler legt die Stirn in die Hand und denkt nach. Dann blättert er in einem grossen Album, in dem sein Wirken minutiös aufgelistet ist, und überlegt, in welchem Zeitraum er in diesem wunderbaren Haus im Bregenzer Wald gewohnt hat. «Das muss 1999 bis 2005 gewesen sein. Das Haus war fantastisch, hatte einen schönen Garten und hat sagenhafte 350 Euro Miete gekostet.» In dieser Zeit war Basi mit einem georgischen Partner massgeblich am Aufbau des bis heute existierenden Batumi Black Sea Festivals beteiligt, wo er zum Beispiel mit Chris de Burgh, The Prodigy und Lisa Stansfield arbeitete. Georgien wurde dann von 2005 bis 2007 die zweitletzte Station des mittlerweile zum Zügel-Profi avancierten Basler. «Wenn man bedenkt, wie oft ich mein Hab und Gut in andere Länder transportiert habe, dann ist es schon fast unglaublich, dass ich all die Erinnerungsstücke, die man hier sieht, nicht verloren habe.» Geschäftlich war Georgien für Basi eine lukrative Zeit. «Der Toto-Cutugno-Gig in Tiflis war das Grösste, was ich je gemacht habe: 70 000 Zuschauer, der schiere Wahnsinn!» Auch privat markierte Georgien eine Wende in Baslers Leben. Er lernte seine zukünftige Frau Nino kennen, mit der er bald nach Antalya in der Türkei zog. «In Antalya hatte ich dann irgendwann genug, die Schikaniererei durch die Behörden ging mir auf die Nerven. Deshalb beschlossen wir 2009, in die Schweiz und nach Zofingen zurückzukehren.»

Ein gutes Netzwerk ist das A und O

Seine Arbeit kann Basi grundsätzlich überall auf der Welt erledigen, ausser Computer, Internet, Telefon und einen Stapel Post-its braucht er nicht viel. Dank seines riesigen Netzwerks muss er sich längst nicht mehr die Finger wund wählen: «Ich verschicke einen Newsletter mit den Bands, für die ich gerade Tourneen buche, an gut 6000 Menschen, grösstenteils Veranstalter, mit denen ich bekannt bin. (Beugt sich zu seinem iMac) Hier ist grad wieder eine Zusage reingekommen für die Euro-Tour von The Next Movement. Eine grossartige Schweizer Band mit J.J. Flück am Schlagzeug. Alles Multi-Instrumentalisten, die kann ich allen wärmstens empfehlen, von denen wird man bestimmt noch hören.»

Basi ist froh, dass es nach eineinhalb Jahren Corona langsam wieder losgeht mit Konzerten. Langweilig sei ihm zwar nicht gewesen, weil er an einem Buch über seine Erlebnisse in vier Jahrzehnten Musikbusiness arbeite, aber finanziell spüre er Corona schon. «Es ist kein gutes Gefühl, wenn man langsam sein Erspartes aufbraucht. Wenn es noch länger so weitergegangen wäre, hätte ich am Ende dieses Plakat (deutet auf ein riesiges Miles-Davis-Konzertplakat hinter sich aus dem Jahr 1991) doch noch verkaufen müssen.» Das Plakat, von dem nur ein paar wenige existieren, hat ihm Miles Davis übrigens höchstpersönlich überlassen. «Ich sah Davis in seiner Garderobe sitzen, hinter ihm dieses Plakat. Ich fragte ihn, ob ich es haben dürfte. Davis klopfte mir auf die Schulter und krächzte mit seiner heiseren Stimme nur: ‹Take it!›. In den dreissig Jahren, in denen ich es besitze, habe ich schon etliche, wirklich verlockende Angebote dafür gekriegt.» Nun, das Plakat wird hängen bleiben, wo es ist. Peter Basler sieht optimistisch in die Zukunft, er stellt bereits wieder Tourneen für verschiedene Künstler zusammen, darunter auch Maceo Parker. Ein Mandat am Jazz Ascona Festival hat er ebenfalls. Das Buch will beendet werden. Die Arbeit geht Basler nicht aus und den Spass daran hat er auch nach 40 Jahren nicht verloren. Auch wenn er natürlich nie bei allen Konzerten, die er bucht, vor Ort sein kann, so ist für ihn stets der Moment, in dem ein Konzert losgeht, der schönste. Manchmal muss er sogar selber dafür sorgen, dass ein Konzert beginnen kann: «Wenn Joe Zawinul beispielsweise sein Käppi nicht findet, ohne das er niemals auftreten würde, dann such ich halt sein Käppi, während 15 000 Menschen auf den Konzertbeginn warten.»

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Alles gesammelt und fein säuberlich geordnet: Peter Basler stöbert ein wenig in den letzten 40 Jahren seines Lebens.
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Grosse Namen am Berisel Festival in Innsbruck 1987 (Facebook/Basitours)
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