Italien ist Europameister - das Wunder der Auferstehung

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Italiens Goalie Gianluigi Donnarumma ist der Held des EM-Finals. (Bild: keystone)

Trainer Roberto Mancini sprach im Vorfeld nicht vom Finaleinzug oder Titelgewinn. Nein, seine Squadra soll nur dieses eine Ziel erreichen: Den Italienerinnen und Italienern nach vielen Monaten des Leidens, der Entbehrungen, der scheinbaren Ausweglosigkeit wieder Hoffnung und Lebensfreude zu vermitteln.

Man kann es eine Mission nennen, was Mancini da angestossen hat. Oder einfach nur eine Idee. Die Idee, wie man sich als Gruppe präsentiert, wie man sich in der Gruppe verhält und vor allem wie die Gruppe spielt: Diszipliniert, abenteuerlustig, unermüdlich, furchtlos. Es ist die Idee des Triumphs.

Italien hat nicht diesen einen aufregenden Starspieler. Da ist kein Mbappé, kein De Bruyne. Da spielten sich Akteure in den Fokus, die man zuvor bestenfalls vom Hörensagen kannte. Aber Italien hat das beste Team und Italien hatte die beste Idee, wie man dieses Turnier bestreiten muss. Nämlich die Idee, Inspiration aus der Krise zu ziehen und jenen Menschen, von denen sie selbst in den schlimmsten Momenten so viel Liebe erfahren, die wegen der Pandemie so sehr gelitten haben, etwas zurückzugeben.

Kein Land in Europa war von Corona schlimmer betroffen. Es gibt Regionen, denen das Virus jene Generation genommen hat, die nach dem Krieg für den Wiederaufbau gesorgt hat. Und es ist ausgerechnet beim Fussball passiert. Am 19. Februar 2020. Beim Champions-League-Spiel Bergamo – Valencia in Mailand, bei dem sich Tausende Bergamasker ansteckten.

Die Bilder danach mit den Militärlastwagen voller Corona-Opfer, mit Krankenhäusern und ihren Mitarbeiterinnen unmittelbar vor dem Kollaps: Sie sind den Fussballern nicht verborgen geblieben. Und so, wie im Gesundheitswesen ein Sondereffort nach dem andern geleistet wurde, haben sich auch die Kicker darauf geeinigt, in jedem Spiel und gegen jeden Gegner mehr zu leisten als ihre Kontrahenten.

Macinis Squadra hat sich nie geschont. Sie ist stets bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus gegangen. Ja, sie hat sich zu einem Symbol der Erneuerung gespielt und geschuftet. Aber es ist ein Muster der italienischen Fussball-Feste, dass der Kater danach zu lange anhält, man genügsam wird. Nur kann sich Italien das momentan nicht leisten. Und der italienische Fussball auch nicht. 

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