Miss Kryptonite oder die Härte im Weichen

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Désirée Graber spielt mit ihren Möglichkeiten, mimt die aufmüpfige Rockerin auf der Bühne mit Genuss. Bilder: mif/zvg

«‹Was, diese Sängerin und Gitarristin auf der Bühne, das warst du?› Das wurde ich schon öfter gefragt», sagt Désirée – kurz Dési – Graber schmunzelnd. Ihre verspielte Haarmähne und ihr Lächeln vermögen nur auf den ersten Blick über ihr Naturell hinwegzutäuschen. Die wandelbare Musikerin verleiht ihrer Stimme auch im Gespräch gerne mal ein dunkleres Timbre. Sie spielt mit ihren Möglichkeiten, mimt die aufmüpfige Rockerin mit Genuss – vor allem auf der Bühne. Charismatisch treibt sie mit ihrem druckvollen Gesang die Songs ihrer Band «Miss Kryptonite» an. Melodisch weich bis röhrend füllt sie die Klangräume aus. Den Sinn für die fein ziselierten Zwischentöne hat sie im Gitarrenstudium an der Jazzschule Bern entwickelt. Aber eben: «Der Jazz war nicht so meins.»

Alltag zwischen Zupfen und Zapfen

Samstags zapft die Brittnauerin nebenbei im Zofinger «Ochsen» Bier für durstige Kehlen. Wochentags zupft sie Saiten auf ihrer E-Gitarre und leitet im Unterricht andere dazu an. Kalt erwischt hat sie der erste coronabedingte Lockdown im Frühjahr 2020. «Kurzzeitig musste ich Ergänzungsleistungen beantragen, bekam diese aber sofort. Irgendwie komme ich immer über die Runden», weiss sie. Als ausgebildete Musikpädagogin, die der Organisation «Instrumentor» angeschlossen ist, bekam sie bald Anfragen für Onlineunterricht für E-Gitarre, Akustische Gitarre und Songwriting. Die Zwangspause nutzten viele Leute, um ihren lang gehegten Traum vom Gitarrenspielen in die Tat umzusetzen. «Davon konnte ich profitieren. Mit dem Onlineunterricht komme ich gut zurecht. Aber der Direktkontakt lässt sich nicht ersetzen und bringt den Schülerinnen und Schülern am meisten.»  Ihre Klientel ist inzwischen nicht nur bezüglich Alter und Geschlecht durchmischt, sondern auch geografisch: Manche kommen aus Luzern oder Bern, jemand sogar aus Zürich.

Auf der Startrampe zum Durchbruch

Nicht nur ihre unbekümmerte Lebensart hilft Graber über schwierigere Zeiten hinweg. Auch ihre Kreativität und ihre Neugier treiben sie stets aufs Neue an. Ihre 2017 gegründete Band «Miss Kryptonite» hat zwar schon ein Album veröffentlicht und viele Konzertauftritte hinter sich (unter anderem konnte sie nationale Acts wie «Delilahs», «Rams» oder «Annie Taylor» supporten). Doch lässt der Durchbruch noch auf sich warten. Die coronabedingte Pause könnte der Band diesen jetzt aber bescheren. «Auf die Songs, die wir in unserem Raum in Moosleerau aufgenommen und bei Powerplay on Maur in Produktion gegeben haben, sind wir stolz. Da ist noch mehr ‹Miss Kryptonite› drin.» Woher kommt er eigentlich, der Name für diese Alternative-Rock-Band mit Dési Graber (Gesang, Gitarre), Andres Pfister (Gitarre), Mischa Castiglione (Bass) und Tobias Zbinden (Drums)?

«Unser Schlagzeuger Toby sagte mal auf ein SMS hin: ‹Da isch es, mys Kryptonit›», gibt die Musikerin preis. Er habe sich da mit einer Frau kurzzeitig nicht so gut verstanden. Jede Nachricht von ihr habe er als schwächend empfunden, so eben wie Superman, wenn er mit Kryptonit konfrontiert sei. «Warum nicht ‹Miss Kryptonite?›, habe ich dann als Bandname vorgeschlagen», sagt sie und lacht. Mit der Namenspatin sei übrigens alles wieder im Reinen. Vielleicht kann dieses frauliche Kryptonit endlich ein Label zur Zusammenarbeit erweichen.

«Powder Train», der stärkste online vorzufindende Song der Band, ist beredtes Zeugnis der hypnotischen, an Klangfarben reichen Stimme der, pardon, Bandleaderin? «Wir sind eine demokratische Band», lässt Graber durchblicken, verrät aber auch: «Ich bringe schon die meisten Ideen ein. So etwa Stories für neue Songs, die wir dann bei unserem Lyriker in Auftrag geben. Und ich arbeite gerne die Harmonien und Melodien aus.»

Gestählt für den ­Musikvideo-Release

Die beherzte Frontfrau ist für die nächste Etappe der Band gut gerüstet. Dank einer guten Mischung aus Härte und Spass. Zum einen hat sie mit Kung-Fu begonnen. «Mein Trainingspartner und ich haben fleissig im Saal des ‹Ochsen› trainiert», versichert sie. Zudem ist ihr ein Songtext in den Sinn gekommen, der sie nächtens nicht in Ruhe gelassen hat. Bis sie sich eben entschlossen hat, einen Hip-Hop-Song daraus zu basteln. «Trash», sagt sie heiter mit einer Wegwerfgeste, «Spass hat es trotzdem gemacht.»

Nun, Spass machen könnte auch der Release des neuen Musikvideos, das die Band derzeit mit Filmer Andi Hofmann aufnimmt. Von seinem Gespür und der Professionalität seiner Handschrift zeugen zahlreiche Arbeiten. Unter anderem eben jenes Musikvideo zu «Powder Train». Das macht Laune auf mehr. Das Release-Datum mitsamt Konzert, das mit neuen Stücken voll bepackt ist, ist auf den 12. November angesetzt. Kann Mann und Frau sich schon mal dick anstreichen im Kalender.

Serie

Wie geht es den Künstlerinnen und Künstlern aus der Region in Zeiten von Corona? Das Zofinger Tagblatt hat sich mit sechs von ihnen getroffen. So sehr, wie sie sich voneinander unterscheiden, tun es auch ihre Geschichten.

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