Lärm und Staub direkt vor dem Schlafzimmer - Anwohner wehren sich gegen Suva-Grossbaustelle

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Leiden unter dem Lärm: Michael Schürmann, Felix Schwegler, Lisbeth Wey, Annakutty und Mathew Kampadathil. Bilder: Lilly-Anne Brugger
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Hier entstehen 120 neue Wohnungen.
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So soll die fertige Überbauung 2023 aussehen (zvg)

Auf dem Färbiareal in Zofingen wird gebaut. 120 weitere Wohnungen entstehen in fünf unterschiedlich grossen, bis zu fünf Stockwerken hohen Gebäuden. Die Baustelle ist in nächster Nachbarschaft zu den bestehenden Wohnungen. Bauherrin ist die Suva, die gleichzeitig auch Eigentümerin der seit 1998 bestehenden 169 Wohnungen, 10 Büros und 20 Gewerbeobjekten an der Junkerbifangstrasse ist. Anfang Jahr noch haben die Anwohner, wenn sie aus dem Fenster geschaut haben oder auf dem Balkon sassen, auf eine grüne Wiese mit Kinderspielplatz geschaut. Seit dem Frühling ist dort der Installationsplatz der Baustelle. In der danebenliegenden Baugrube ragen die Überbleibsel des Fundaments der ehemaligen Färbi aus dem Boden. Diese müssen erst zerkleinert werden, bevor sie entsorgt werden können. «Es ist lärmig und es ist staubig – und das direkt vor meinem Schlafzimmer», sagen einige Anwohner aus den Hausnummern 16 und 18. In diesem Moment beginnt in der Baugrube ein Bagger eine Mauer zu zertrümmern. Eine Staubwolke entsteht und der Lärm schluckt die Wörter.

Messungen zeigten bis zu 92 Dezibel

Als es wieder ruhiger wird, erzählen die Anwohner vom Garagentor, das demontiert wurde, von Besucherparkplätzen, die es nicht mehr gibt, und von der gesperrten Junkerbifangstrasse, die laut Baubewilligung aber nicht gesperrt sein dürfte. Und immer wieder erwähnen sie den Lärm. «Wäre nicht Corona, wir wären schon längst weg», sagt das Ehepaar Kampadathil, das seit 17 Jahren ganz am Ende der Überbauung wohnt und daher dem Baustellenlärm besonders ausgesetzt ist. Alle nicken. «Wenn ich telefoniere, verstehe ich manchmal nichts mehr», sagt Alexandra Fabyan, die in einem Büro in Haus Nummer 16 arbeitet. Andere Anwohner erzählen, dass sie tatsächlich schon auf der Suche nach neuen Wohnungen seien. Dieser Lärm sei einfach nicht mit dem Home-Office zu vereinbaren, das während der zweitenCorona-Welle vorgeschrieben war.

Den Anwohnern des Färbi­areals ist klar, dass eine Baustelle Lärm mit sich bringt. Als angekündigt wurde, dass es eine neue Überbauung gebe, rechneten sie mit normalem Baulärm. Nicht aber mit dem Lärm, der nun beim Rückbau der alten Färbi-Mauern entsteht. Wenn die Sortieranlage läuft, werde es laut, sagen die Anwohner. Dann sei der Lärm bis zum Hirzenberg zu hören. Michael Schürmann aus Haus Nummer 18 hat den Lärm gemessen. Zwischen 60 und 92 Dezibel hat das Gerät angezeigt, je nachdem, ob die Fenster offen oder geschlossen waren. Ab 60 Dezibel sind nach einer längeren Einwirkung Hörschäden möglich. Bis voraussichtlich Ende Juli dauern die Aushubarbeiten für die Häuser 1 und 2. Dort rechnen die Bauherren mit mehr Grundmauern, die abgebrochen werden müssen, als bei Aushub für die Häuser 3 bis 5, der bis Oktober dauern wird. «Und dann geht es mit dem normalen Baulärm weiter», sagt ein Anwohner. Die anderen nicken.

Die Suva hält fest, dass sie sich an die gesetzlichen Vorgaben und die erhaltene Baubewilligung hält. Das bedeutet, dass lärmintensive Arbeiten bis 17 Uhr erfolgen dürfen, lärmige Arbeiten in Ausnahmefällen gar bis 19 Uhr. «Die Suva schützt die Anwohner und Mieter, indem lärmintensive Arbeiten möglichst erst um 8 Uhr statt schon um 7 Uhr beginnen», sagt Arabelle Frey von der Unternehmenskommunikation der Suva. Lärmige Arbeiten, die etwas ruhiger sind, fallen nicht in diese Kategorie. «Weitere Einschränkungen würden zu Terminverzögerungen führen – und das ist weder im Sinne der Suva noch kann es unseres Erachtens im Sinne der Anwohner sein», so Frey.

Lärm ist für die Bewohner der Häuser 13, 16 und 18 der Junkerbifangstrasse nichts Ungewöhnliches. Auf der Rückseite der Überbauung führen in nächster Nähe die Bahngeleise vorbei. «An den Zug habe ich mich gewöhnt. Aber der dauernde Lärm der Baustelle, das ist sehr mühsam», sagt Lisbeth Wey, die zu den ersten Mieterinnen der Überbauung gehörte. Auf ihrem Balkon versammeln sich die Anwohner fürs Schlussbild. Beim Wegräumen der Sonnenschirme sagt sie, sie habe dieses Jahr neue kaufen wollen. «Mit all dem Staub lohnt sich das aber nicht. Das muss noch warten.» Der Staub, der beim Entfernen der Färbi-Fundamente entsteht, legt sich überall ab. Auf dem Balkon, in derWohnung, wenn die Fenster offenstehen, und auch in der Tiefgarage, deren Tor wegen der neuen Einfahrt nicht mehr geschlossen werden kann und darum entfernt worden ist. Eine defekte Lichtschranke sei schuld gewesen, dass das Tor nicht mehr funktioniert habe, heisst es von Seiten der Suva. Diese sei nun aber bestellt und werde nächstens geliefert. Und dann soll es nach mehr als zwei Monaten wieder ein Tor bei der Tiefgarage geben.

Suva will Mietzinsreduktion prüfen

Die Bewohnergruppe der Überbauung im Färbiareal macht nicht die Faust im Sack. Sie wünschen sich eine Mietzinsreduktion. Damit – und mit weiteren Forderungen – haben sie die Suva konfrontiert. Wie bei der Suva üblich sind sie an die Verwaltung weitergeleitet worden. Der Austausch finde grundsätzlich über die Immobiliendienstleisterin statt, heisst es bei der Suva. «Die Verwaltung hat mitgeteilt, dass eine Mietzinsreduktion frühestens spruchreif wird, wenn die neue Überbauung fertiggestellt ist», erzählt Felix Schwegler, der seine Nachbarn motiviert hat, sich gegen den Baulärm und die ganze Situation zu wehren. «Es ist Usanz, dass Mietzinsreduktionen jeweils nach Bauvollendung erfolgen», sagt Arabelle Frey von der Unternehmenskommunikation der Suva. Bauvollendung istvoraussichtlich Anfang 2023. Für die Anwohner ist dies so nicht hinnehmbar. Sie haben bei Verwaltung und Vermieterin weiter insistiert und nun auch Erfolg gehabt – teilweise zumindest. «Wir nehmen die Anliegen unserer Mieter bei Bau-Immissionen ernst», sagt Frey. Deshalb habe sich der LeiterImmobilien der Suva und die Projektleitung vor Ort ein Bild gemacht und sich mit einzelnen Mietern persönlich getroffen. Resultat des Gesprächs: «Wir haben entschieden, nach den Aushubarbeiten, die voraussichtlich Ende Oktober/Anfang November beendet sind, eine Mietreduktion zu prüfen.» Die betroffenen Mieterinnen und Mieter würden bis Ende 2021 eine verbindliche Rückmeldung erhalten. «Ob es tatsächlich eine Mitreduktion für die ersten Monate geben wird und wie hoch sie sein wird, ist damit aber noch offen», halten die Betroffenen fest. Und betonen, dass Ende 2021 die Bauarbeiten noch mindestens ein Jahr andauern werden.

Trotz ersten Zugeständnissen, die von Seiten Vermieterin in Aussicht gestellt werden, sei die Lärmsituation sowie die Verkehrssituation rund um die Grossbaustelle nach wie vor unverändert, betonen die Anwohner. Diese und andere Missstände hat Felix Schwegler in mehreren Briefen an die Stadt zum Ausdruck gebracht, die er im Namen von rund einem Dutzend Nachbarn geschrieben hat. Zu diesen Missständen gehört, dass die Junkerbifangstrasse wegen der Bauarbeiten nun eine Sackgasse ist. Bisher war sie eine Durchgangsstrasse für Velos sowie eine Strasse mit Zubringerdienst für Autos. Für Velofahrer und Fussgänger besteht nun eine sehr enge Umleitung um die Baustelle herum. Auch den Lärm hat Schwegler gegenüber der Stadt angesprochen. Und die Tatsache, dass mit dem Baubeginn von heute auf morgen zwölf Besucherparkplätze verschwunden sind.

Die Stadt führte eine Begehung mit der Bauherrschaft, also der Suva, durch – Schwegler durfte nicht daran teilnehmen. Insbesondere wegen des Lärmproblems verwies die Stadt Schwegler an die Suva. Aber eben, dort biss er vorerst auf Granit mit seinen Anliegen und dem Wunsch nach einer Mietzinsreduktion aufgrund des Lärms. «Wir möchten uns eigentlich gütlich einigen», sagt Schwegler im Namen derMieter. Schliesslich sei die Überbauung zu ihrem Zuhause geworden. Doch im Moment bleibe ihnen nichts anderes übrig, als hartnäckig zu bleiben. Etwas ist für Schwegler in dieser ganzen Angelegenheit besonders störend: «Die Suva achtet bei den bei ihr versicherten Arbeitnehmern darauf, dass sie keine Schäden aufgrund des Lärms davontragen. Für vorbildliche Lärmschutzmassnahmen, die gesetzliche Vorgaben übersteigen würden und den eigenen Mietern so nahe an einer Baustelle der Suva zugutekommen, hat diese aber kaum Gehör.»

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