Das Dorfmuseum: Wo Erinnerung wachgehalten wird

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Heiri Häfliger vor einer Wand mit sakralen Gegenständen aus der Langnauer Marienkapelle und Privathaushalten. Bilder: Marc Benedetti
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Hölzerne Wasserleitung (Dünkel) aus der Oberdorfstrasse Reiden.
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Heute rettet man die Frösche, früher fing man sie ein.

Das ganze Jahr 2020 über war das Dorfmuseum Langnau-Mehlsecken-Reiden geschlossen. Auch dieses Jahr öffnete Gründer Heiri Häfliger bisher nur ein paar Einzelpersonen und Gruppen die Türen seines kleinen Reiches. Der Grund sind die engen Platzverhältnisse und seine Gesundheit. Das Dorfmuseum besteht aus einem Raum im Untergeschoss des alten Schulhauses Mehlsecken.

«Wir können nicht verantworten, dass hier viele Leute reinkommen», sagt Heiri Häfliger, «auch nicht mit Gesichtsmaske.» Er möchte deshalb mit der Wiedereröffnung warten, bis die Maskenpflicht definitiv fällt. Im September wird aber eine Auswahl an Objekten an einer Ausstellung in der Kommende gezeigt (siehe Kasten).

Ursprünglich Erinnerung an Langnau als Ziel

Das Dorfmuseum umfasst mittlerweile Sammelstücke aus allen Ortsteilen der heutigen Gemeinde Reiden. Eröffnet wurde es am 29. Dezember 2005, wenige Tage vor der Fusion der Dörfer Langnau und Richenthal mit Reiden (2006). Es sollte ursprünglich das Andenken an die früher eigenständige Gemeinde Langnau und ihren Weiler Mehlsecken zumindest im Museum bewahren.

Zur Entstehung ist zu sagen: Der mittlerweile 81-jährige Langnauer Heiri Häfliger war seit Kindesbeinen ein Sammler. Zuerst galt seine Leidenschaft den Briefmarken, später kamen Ansichtskarten und vieles mehr dazu. «Eines Tages fragte mich der damalige Langnauer Gemeindeschreiber Kurt Steiger, ob ich nicht ein Museum eröffnen will», erzählt er. Den Raum gebe man ihm gratis ab, aber Häfliger solle doch seine Sammlung der Gemeinde schenken.

Es kam anders. Heute gehört das Dorfmuseum einem Verein. Die Institution wird von der Gemeinde Reiden mit einem jährlichen Beitrag unterstützt und hat Gönner und Sponsoren. Heiri Häfliger führte das Museum seit Anbeginn mit dem mittlerweile pensionierten Lehrer Emil Stöckli und dem ebenfalls aus Langnau stammenden Max Huber. Später kam Hermann Keist-Schürch und die aus Langnau stammende Historikerin Jutta Kunz Schürch dazu, welche beide in Reiden wohnen.

Heiri Häfliger arbeitete als eidgenössisch diplomierter Vermessungstechniker, von 1976 bis 1995 war er ausserdem Gemeindeammann von Langnau. «Meinen Doppelverdienst habe ich oft in weitere Sammelstücke investiert», erklärt er. So kaufte der Verein einer Familie ein Ölbild der alten Marienkapelle Langnau ab, welches diese auf einem Estrich aufbewahrte, und erwarb Urkunden, Plakate, historische Landkarten. Es gibt eine Sammlung von Sonderbriefen zu besonderen Ereignissen.

Unter den ausgestellten Objekten findet sich das Aushängeschild des abgebrannten ehemaligen Gasthauses Kreuz in Langnau. Ebenso ein Messkelch und ein Messgewand aus der 1975 abgerissenen Langnauer Marienkapelle: Es sind Dauerleihgaben, welche der damalige Kirchenrat dem Museum überliess. Aus dem Elternhaus, der ehemaligen Dorfbäckerei von Langnau, rettete Häfliger ausserdem zwei Reliquien. Ein Holzgehäuse aus dem 18. Jahrhundert zeigt Leinstoffstücke, die von Heiligen berührt oder getragen worden sind.

Froschschenkel für die Zofinger Restaurants

Ebenso interessant sind Fundstücke hölzerner Wasserleitungen, sogenannte Dünkel, die man bei der Sanierung der Oberdorfstrasse in Reiden fand. Häfliger: «Wir haben auch einen beliebten Film dazu, welcher die Herstellung der Dünkel zeigt.» Zu sehen sind auch äusserst kuriose Gegenstände wie die «Fröschenfalle» – und eine Schere dazu. Schnipp schnapp schnitt man den Fröschen damit die Beine ab. «Die Besucher glauben es jeweils kaum», sagt der Museumshüter. «Aber die Froschschenkel wurden früher in die Restaurants von Zofingen geliefert.» Im Dorfmuseum können Besucher aber auch alte Schulbücher betrachten, den Luzerner Hauskalender mit Alltagsgeschichten (Jahrgang 1863 bis 1940) oder ein Archiv der Wochenzeitung «Luzerner Nachrichten – Liberales Volksblatt» von den Jahren 1915 bis 1985.

Interessant ist auch die Fotosammlung «Langnau gestern und heute» mit 1700 Aufnahmen Heiri Häfligers, welche Personen und das Dorfleben Langnaus vor 21 Jahren zeigt. Oder die Fotosammlung von historischen Aufnahmen Reidens von Wilhelm Elmiger um 1900.  Skizzen und Zeichnungen von Paul Oetterli, einem verstorbenen Künstler aus Reiden, ergänzen den Fundus sowie Ölbilder von Dick Ortelli. Sehenswert und neu wäre auch die Sonderausstellung der 33-jährigen Künstlerin Nicole Fontana aus Luzern. Ihr Grossvater Josef «Sepp» Zwinggi ging in Langnau zur Schule.

Ein Lob vom Archivar, der im Trägerverein mitwirkt

Max Huber, der beruflich als wissenschaftlicher Archivar im Luzerner Staatsarchiv arbeitet, hat in den 1990er-Jahren die Ortsgeschichte von Langnau verfasst. Das Dorfmuseum sei ein Erinnerungsort und eine Zuflucht für gefährdete Kulturgüter, sagt er. «Dazu gehörten etwa die sakralen Gegenstände aus der früheren Kirche von Langnau», so Huber. Einmalig sei auch die Sammlung von Ansichtskarten. «Zu Langnau hat Heiri Häfliger ziemlich alles, was je produziert wurde.»

Für die Zukunft würde sich Huber einen zweiten Raum als Depot wünschen, weil das Museum durch die Vielzahl der Objekte etwas überladen sei. Das kleine Museum hat sich seit der Eröffnung auf einige Vitrinen im Eingangsbereich des alten Schulhauses ausgedehnt. Dort kann man die Geschichte des Telefons anhand von Modellen unterschiedlicher Epochen nachverfolgen. Pittoresk ist auch der ehemalige Postschalter, wo früher der Lehrer von Mehlsecken auch gleich die Postgeschäfte erledigte.

Einzelnen Personen zeigt Heiri Häfliger das Museum gerne. Er ist auf den beiden Telefonnummern 062 758 17 89 und 079 284 03 88 erreichbar. Bei Verhinderung kann ein anderes Vereinsmitglied die Führung übernehmen.

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Messkelch aus der abgerissenen Marienkapelle in Langnau.
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Berühmter Reider Zeitgenosse: Kardinal Benno Gut (1897-1970).
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Der ehemalige Postschalter im Eingangsbereich vom alten Schulhaus Mehlsecken.
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Das alte Schulhaus Mehlsecken.

Reiden hat viel Kultur zu bieten

Drei Museen und drei Kunstsammlungen aus Reiden auf einen Blick: Das verspricht die Veranstaltung «SAMMLEREIDEN», welche vom 15. bis 22. September 2021 geplant ist. Ursprünglich sollte sie im Frühjahr im Pestalozzi-Schulhaus stattfinden. Wegen der unsicheren Situation musste sie jedoch verschoben werden. Neuer Veranstaltungsort ist die Kommende. Dort werden im September folgende Sammlungen und Institutionen aus Reiden der Bevölkerung eine Auswahl ihrer Objekte zeigen: Sammlung Robert Spreng, Sammlung Egli-Arnold, Sammlung Gottlieb Soland Stiftung Kunst im Feldheim, Dorfmuseum Langnau-Mehlsecken-Reiden, Aecherli Technik Museum und Musée 34. Das Patronat der Ausstellung hat die Katholische Kirchgemeinde Reiden, unterstützt wird die Veranstaltung von lokalen Unternehmen und der Gemeinde Reiden. (ben)

www.sammlereiden.ch

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