Die Badis platzen wieder aus allen Nähten – doch beim Flussschwimmen ist noch lange Zurückhaltung geboten

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Derzeit nicht möglich: Ein Aareschwimmer geniesst 2019 in Erlinsbach den Sprung in das abkühlende Wasser. Chris Iseli

War das Wasser in den letzten Tagen primär eine Bedrohung, so lassen die aktuell hohen Temperaturen die Lust am kühlen Nass schnell wieder aufflammen. Im Strandbad in Beinwil am See etwa reiht sich Badetuch an Badetuch, tummeln sich Profis und Anfänger gleichermassen. Doch während hier ein Stück Normalität zurückkehrt, sieht das bei fliessenden Gewässern anders aus. Bereits am Sonntag warnte die Kantonspolizei Aargau auf Facebook: «Der Wasserspiegel ist trotz des schönen Wetters noch immer hoch. Bitte haltet euch fern von Gewässern. Es kann sehr gefährlich sein.»

Ähnlich klingt es auch von Seiten der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). Dass nicht die Zeit für Touren durch Aare, Limmat oder Reuss ist, bestätigt Eduard Brunner, Präsident der Sektion Aarau. «Ich bin ein Fan des Flussschwimmens. Doch momentan würde ich mich nicht einmal in voller Ausrüstung reinwagen», sagt er.

Damals noch keine Spur von Hochwasser: Die Konzertreihe «Flussaufwärts» fand 2009, 2011, 2013 und 2019 auf der Aare statt.

Damals noch keine Spur von Hochwasser: Die Konzertreihe «Flussaufwärts» fand 2009, 2011, 2013 und 2019 auf der Aare statt.

zvg

Nebst der Verletzungsgefahr durch Schwemmholz sei vor allem die Strömungsgeschwindigkeit ein Problem. Normalerweise ist es wichtig, im Bereich von Still- oder Kehrwasser auszusteigen. Dies sei derzeit kaum möglich. «Jetzt geht es mit vollem Tempo das Loch runter», sagt Brunner. Somit herrscht nach wie vor praktisch ein Bade- und «Böötle»-Verbot. Wann sich die Lage beruhige, sei schwierig zu sagen. Dies werde wohl noch ein oder zwei Wochen dauern.

So informierte auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Samstag, dass regulierte Seen durch höchstmögliche Ausflüsse entlastet werden. Dieser Prozess würde mehrere Tage bis Wochen andauern. «Deshalb werden in dieser Zeit die Abflüsse insbesondere an Aare, Limmat, Reuss und Rhein erhöht bleiben», wie es in einer gestern verschickten Mitteilung des Aargauer Regierungsrates heisst. Die vorherrschende Situation steht dabei im krassen Gegensatz zu den letzten Jahren: «Damals war viel zu wenig Wasser vorhanden», sagt Brunner. Damit nun eine Verbesserung eintritt und Schwimmen wieder möglich wird, «muss der Wasserstand noch massiv sinken», so Brunner.

Das verdreckte Wasser wird zum Sicherheitsrisiko

Dass Vorsicht angebracht ist, zeigt auch der Blick auf die Website hydrodaten.admin.ch. Auf dieser werden Warnungsmeldungen rund um die Schweizer Gewässer publiziert. Im Vordergrund steht dabei die Gefährdung der Infrastruktur. Trotzdem lassen sich Einschätzungen der Situation für Mensch und Tier ableiten.

Während der Bielersee etwa mit der höchsten Gefahrenstufe gekennzeichnet ist, geht von der daraus fliessenden Aare «eine erhebliche» und ab Lauterbach SO eine «mässige Gefahr» aus. Dazu kommt laut Brunner, dass aus dem verdreckten Bielersee momentan kein sauberes Wasser fliesst, was einerseits der Gesundheit schadet und andererseits aufgrund der fehlenden Sicht zum Sicherheitsrisiko wird.

Meteorologen geben keine Entwarnung

Während unter der Woche hohe Temperaturen herrschen, soll laut Meteorologen am Wochenende bereits der nächste Dämpfer folgen. Ab Samstagabend ist so erneut Regen angesagt. Dieser hält laut Prognosen bis mindestens Dienstag an.

Doch wie erkennen Laien, wann ein Schwumm im oder eine Fahrt auf dem Fluss möglich ist? «Ein Fluss ist dann sauber genug, wenn er flaschengrün ist», sagt Brunner. Wenn er deutlich braun und kaum durchscheinend ist, sei die Wasserqualität nicht optimal. Gleichzeitig gelte es, die Lage auszukundschaften, also Fliessgeschwindigkeit und Strömungen zu erkennen und Ausstiegsstellen im Vorhinein zu suchen. «Dies machen die meisten Menschen nicht. Viele springen einfach in den Fluss und rechnen damit, irgendwo schon wieder rauszukommen», sagt Brunner.

Vor wenigen Tagen mussten drei Böötler gerettet werden

Sollte derzeit trotz aller Warnungen jemand in den Fluss gehen, so sei es wichtig, sich als Aussenstehender nicht auch zu gefährden. «Ist die Person bereits in Schwierigkeiten, sollte die Polizei alarmiert werden. Diese hat an verschiedenen Stellen die Möglichkeit, per Boot zu intervenieren», sagt Eduard Brunner. Wer wiederum ins Wasser fällt, der solle in kräfteschonendem Tempo Richtung Ufer schwimmen.

Bei über 36 Grad erfrischen sich diese Schwimmerinnen beim Entennest in Erlinsbach am Hitzetag am 24. Juli 2019.

Bei über 36 Grad erfrischen sich diese Schwimmerinnen beim Entennest in Erlinsbach am Hitzetag am 24. Juli 2019.

Chris Iseli

Der grösste Fehler sei nämlich, dass viele sich überschätzen. «Die Menschen gehen extrem hohe Risiken ein», sagt Brunner. So gerieten am vorletzten Sonntag drei Böötler auf der Limmat in Lebensgefahr. Alle drei konnten gerettet werden. Doch: «Nur weil es zuvor gut ausgegangen ist, sollte man nicht denken, dass man alles im Griff hat.»

Sobald Flussschwimmen wieder möglich ist, empfehlen sich gemäss Brunner Kurse. So könne man die Situation besser beurteilen. Sowieso gibt es Alternativen: «Im Moment kann man durchaus baden. Etwa im Schwimmbad oder kleineren Seen. Man muss nicht den gefährlichen und dreckigen Fluss wählen.»

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