Die WG Fluematt in Dagmersellen sucht Freiwillige für Taxidienste

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Cyrill Guyer (links), Karin Bieri, Achim Kunz und Annelies Bättig-Leuenberger auf dem Sitzplatz der Fluematt. Bild: mma

«Mein Elternhaus in Gerolfingen steht im Grünen», sagt Cyrill Guyer, der sich auf seine zehntägigen Sommerferien vorbereitet. «Es ist schön dort.» Früher, «als Fussgänger», sei er oft auf Reisen gewesen. Häufig auch im Ausland, erzählt er. Doch seit einem Motorradunfall im Jahre 2007 ist Guyer eingeschränkt – er ist gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Er lebt in der WG Fluematt in Dagmersellen – mit 18 anderen Menschen zusammen, die ebenfalls körperlich beeinträchtigt sind.

Irgendwann möchte er schon wieder Ferien im Ausland machen, sagt Cyrill Guyer, der schon über Thailand als Reiseziel nachgedacht hat. «Aber das müsste in einem total anderen Rahmen als früher geschehen und ist mit einem enormen Aufwand verbunden.» Heuer indes sind bei ihm, wie bei allen Fluematt-Bewohnerinnen und -Bewohnern, Ferien bei den Angehörigen angesagt.

«Das hat natürlich auch mit der Corona-Pandemie zu tun», sagt Karin Bieri, die den Bereich Sozialpädagogik in der WG Fluemattt leitet. Sonst gäbe es vereinzelt Möglichkeiten, begleitete Ferien für MS-Kranke zu machen. Auch das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil bietet begleitete Ferien an.

«Wir folgen hier dem Normalitätsprinzip», sagt Annelies Bättig-Leuenberger, welche die Fluematt leitet. Die Bewohner lebten das ganze Jahr zusammen, daher sollten sie wenigstens ihre Ferien individuell machen. Die Planung ist ihnen selbst überlassen, soweit sie dies können. Eingeschränkt sind die Wenigsten im kognitiven Bereich. Jedoch brauchen sie Unterstützung beim Beschaffen von Sachen, beim Organisieren des Gepäcks und des Transports. Tetraplegiker können nicht selber den Koffer packen oder Auto fahren.

Die Tiere bieten eine Abwechslung im Alltag

Neben der Arbeit bieten den Bewohnern die Tiere in der Fluematt ein wenig Abwechslung. Ein Mitbewohner von Cyrill Guyer hat die Katze des Hauses mit einem GPS-Sender ausgestattet, um sie jederzeit orten zu können – denn sie geht gern auf die «Leutsch» in benachbarte Dörfer. Auch Cyrill Guyer nutzt mit erstaunlichem Geschick die Möglichkeiten von Computer und digitalen Geräten, um sich im Alltag zu behelfen. «Die technische Entwicklung in den letzten beiden Jahrzehnten hat sicher die Selbständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner erhöht», sagt Annelies Bättig- Leuenberger.

Die WG Fluematt organisiert im Jahr mehrere Exkursionen für die WG-Bewohner. Zusätzliche Anlässe müssen sie selber organisieren. Guyer etwa möchte ab und zu ins Kino gehen. Jüngst hatte er auch die Idee, das Streetfood-Festival in Olten zu besuchen, das jedoch abgesagt ist (wir berichteten). Das Problem sind dabei oftmals die Taxidienste, welche je nach Ziel sehr kostspielig sein können. «Wir sind daher immer daran interessiert Freiwillige zu finden, welche Transporte übernehmen können», sagt Annelies Bättig-Leuenberger. «Die Fahrzeuge dafür sind vorhanden.»

Serie

In einer Serie stellen wir in loser Folge soziale Institutionen im Luzerner Wiggertal, im Hürntal und Umgebung vor. Ihre Namen hat wohl jeder und jede schon gehört. Wir zeigen, wer dort lebt, arbeitet, berichten über besondere Schicksale und Herausforderungen. Als Erstes besuchte Markus Mathis die WG Fluematt.

65 Mitarbeitende zählt die WG

Die Idee zur WG (Wohngemeinschaft) Fluematt hatten 1993 vier Mitarbeitende des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil. Bei der Realisierung im Jahr 2000 hat die Albert Koechlin Stiftung eine wichtige Rolle gespielt. Sie war neben der Gemeinde Dagmersellen, der Suva und der Schweizer Paraplegiker Stiftung Gründungsmitglied bei der Stiftung zur Förderung der Lebensqualität Schwerstbehinderter, welche die WG Fluematt betreibt.

Die körperliche Eingeschränktheit der Bewohnerinnen und Bewohner erklärt, warum sich 65 Mitarbeitende in 38 Vollzeitstellen um die 19 Menschen kümmern, die in der WG Fluematt wohnen. Neben Verwaltung, Pflege, Hauswirtschaft und Fahrdienst gibt es Arbeit in der Betreuung und im Atelier. In der Werkstatt stellen die Bewohner Produkte auf Auftrag her, etwa Textilsäcke für Öko-Bauernhöfe. Daneben Geschenk- und Dekorationsartikel, die «ziemlich grossen Anklang im Verkauf finden», wie Karin Bieri sagt, die den Bereich Sozialpädagogik leitet.

Gäste zieht auch das Café im Grünen an, welches gerne von Spaziergängern, Velofahrern und wegen des grossen Spielplatzes von Familien mit Kindern besucht wird. Auch sonst versteht sich die Fluematt als offenes Haus, das selbst während der Pandemie Besuche von Angehörigen ermöglichte. (mma)

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