FC Aarau: Ein anderes Ziel als der Aufstieg wäre Selbstbetrug

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Jubelt der FC Aarau am Ende der Saison? (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Höher kann die Messlatte nicht liegen: Rang 1 oder Rang 2 soll es am Ende der bevorstehenden Saison sein. Das heisst im Umkehrschluss: Alles andere als der Aufstieg würde in Enttäuschung und im Resümee «Ziel verfehlt» münden – denn wer gibt sich schon zufrieden mit einer verlorenen Barrage, für die sich der Zweitplatzierte der Challenge League qualifiziert? Ungeachtet dessen, mit welchen Kadern die Konkurrenz in den ersten Spieltag gehen werden, rief die Führung des FC Aarau das Maximalziel bereits beim Trainingsstart am 21. Juni aus. Und das, nachdem in der vergangenen Saison mit Rang 5 das ausgegebene Ziel (obere Tabellenhälfte) gerade so erreicht wurde. Grössenwahn? Oder die logische Folge? Klar ist: Wird der Aufstieg mehr oder weniger deutlich verpasst, wird das zu Kritik und Spott als Antwort auf die vollmundigen Parolen führen. Andererseits: Es gibt gute Gründe für die Super-League-Rückkehr im zweiten Jahr nach dem Führungs – und Strategieumbruch:

1. Auch wenn es heisst, die Tabelle lüge nie: Der FC Aarau war in der vergangenen Saison spielerisch nicht die fünftbeste, sondern die beste Equipe und erzielte die meisten Tore. Das Problem: Sie starb zu oft in Schönheit und kassierte viel zu viele Gegentore. Für einen selbsternannten Aufstiegsaspiranten indes sind Resultate die einzige Währung, in den entscheidenden Momenten braucht es Killerinstinkt, den sich die jungen FCA-Spieler in der letzten Saison hoffentlich angeeignet haben. Leidenschaftliches Verteidigen und attraktiver Offensivfussball funktionieren Hand in Hand, das hat Italien an der Europameisterschaft gezeigt. Immerhin: Die Aarauer Abwehrleistungen in den Testspielen gegen die Super-League- Sturmreihen des FCZ (1:0) und Basel (3:3) liessen defensive Besserung erahnen.

2. Mit Allen Njie, in dem viele die Neuausgabe des langjährigen Sion- und Basel- Antreiber Serey Dié sehen, hat die Mannschaft das gesuchte Gegenstück zu Mittelfeldstratege Olivier Jäckle erhalten. Der Rest war bereits vergangene Saison da und ist eingespielt. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil in einer sportlich ausgeglichen Liga, in der – wie an der EM – am Ende das beste Teamgefüge und nicht die besten Einzelspieler vorne stehen wird. Für die ersten zwei, drei Spiele ist das FCA-Kader nicht nur gut, sondern auch breit genug, mittel- und langfristig indes ist die Personaldecke zu dünn. Die Qualität mag gestiegen sein, die Quantität hingegen nicht – und genau das hat Trainer Keller in der Rückschau auf letzte Saison als weiteren Schwachpunkt ausgemacht. Es braucht neben einer Ergänzung fürs zentrale Mittelfeld dringend einen Stürmer mit Torgarantie, als Reaktion auf den Abgang des 16-fachen Saisontorschützen Filip Stojilkovic und in der Annahme, dass der mittlerweile 33-jährige Körper von Shkelzen Gashi Pausen einfordern wird. Die Hoffnung ist immer noch gross, dass Stojilkovic sich gleich selber ersetzt, sprich ein weiteres Jahr vom FC Sion ausgeliehen wird. Falls nicht, muss Mister X sofort funktionieren. Das hat in der Regel seinen Preis – doch wer grosse Ziele ausgibt, der muss auch monetär Taten folgen lassen.

3. FC Zürich, Xamax, Servette, Lausanne, GC – in den ­vergangenen Jahren stand  der Aufsteiger kraft seiner finanziellen Möglichkeiten gefühlt schon vor dem ersten Spieltag fest. Heuer ist das anders: Aarau, Winterthur, Vaduz, Thun und Xamax dürften sich punkto Lohnkosten auf Augenhöhe begegnen – so genau weiss man das ja nie in einer Liga, in der bei mehreren Klubs die Gehälter teilweise von der Arbeitslosenkasse bezahlt werden. Abgesehen davon: Wenn es für einmal schon keinen logischen Favoriten gibt, hat Aarau keine andere Wahl, als den Aufstieg zum Ziel auszurufen. Die Etablierung in der Super League ist der Anspruch von Klubführung, Sponsoren, Gönnern und Fans – wann, wenn nicht jetzt? Soll sich der FCA hinter Winterthur, Thun oder Vaduz verstecken? Nein, das wäre Selbstbetrug. Wichtig ist in diesem Kontext auch, dass sich die neue Führung um Präsident Philipp Bonorand beim Bestimmen der sportlichen Ziele von der Stadionfrage lösen konnte: a) wird es noch mindestens sechs, eher acht Jahre dauern, bis im Torfeld Süd der Ball rollt – eine viel zu lange Zeitspanne zum Rumdümpeln in der zweithöchsten Liga und gleichzeitig die Geldgeber bei Laune zu halten. Und b) wird dank einer neuen Lizenzregelung Profifussball im Brügglifeld erlaubt sein, solange das Neubauprojekt lebt.

Noch einmal der Blick auf die Europameisterschaft und Sieger Italien: Die «Azzurri» lagen am Boden, ehe Roberto Mancini als Trainer übernahm und eine Gruppe mit ­überragendem Teamgeist zusammenstellte und ihr fussballerisch eine «bella figura» ­verpasste. Beim FC Aarau war charakterlich und qualitativ im Sommer 2020 ebenfalls vieles im Argen, seit dem Neuanfang geht es auf und neben dem Platz steil nach oben. Auf mindestens 20 Prozent schätzt Trainer ­Stephan Keller das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial. Spielt er in der neuen Saison tatsächlich 20 Prozent besser, wird der FC Aarau aufsteigen.

Einlass ins Brügglifeld nur mit Zertifikat

«Eine gewisse Normalität kehrt zurück», freut sich FCA-Präsident Philipp Bonorand. Aufgrund der erlassenen Lockerungen des Bundesrates dürfen in der neuen Saison wieder uneingeschränkt Zuschauerinnen und Zuschauer in die Stadien – auch im Brügglifeld. Beim Matchbesuch gibt es aber einige Punkte zu beachten. Die wohl wichtigste Bedingung betrifft das Covid-Zertifikat. Für den Einlass ist zwingend ein gültiges Zertifikat vorzuweisen, welches von geimpften, genesen oder getesteten Personen (3G-Regel) beim jeweiligen Wohnkanton angefordert werden kann. Allen Personen, die das Covid-Zertifikat nicht vorweisen können, wird der Zutritt ins Brügglifeld verweigert. Ausgenommen von der Zertifikats-Pflicht sind Besucher unter 16 Jahren. Impfbestätigungen, Impfbüchlein oder sonstige Bescheinigung sind ungültig.

Die Auflage sorgt bei einigen FCA-Fans für Unmut. So hat die «Szene Aarau» diese Woche in einer «gemeinsamen Stellungnahme der Fanszenen zum Saisonstart» geschrieben, dass man noch nicht entschieden habe, ob man unter den neuen Bestimmungen auf die Stehrampe zurückkehren werde. Die Trennung von Covid- und Sicherheitskontrolle sei zu unklar, Ausweiskontrollen und die damit verbundene «Deanonymisierung» seien Teil «repressiver Massnahmen» vor dem Hintergrund der Corona-Kontrollen.

Bonorand sieht diesbezüglich keine Gefahr. «Wir sammeln bei der Kontrolle des Covid-Zertifikats weder die Daten eines Fans, noch können wir sie in Zusammenhang mit der Saisonkarte bringen.» Auch die in der Stellungnahme geforderte «räumliche und personelle Trennung von Sicherheits- und Zertifikatskontrollen» werde erfüllt: «Als Zuschauer kommst du ins Brügglifeld, wo mit einer App dein Zertifikat geprüft und mit deiner Identitätskarte abgeglichen wird.» Erst danach gehe es weiter an die Sicherheitskontrolle. Es ist davon auszugehen, dass sich eine Mehrheit der Zuschauer beim Stadionbesuch davon nicht aufhalten lassen wird.

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