Fabienne Kocher verliert Halbfinal und den Kampf um Bronze

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Fabienne Kocher verpasst die Medaillen bei den Olympischen Spielen. (Bild: Jeon Heon-Kyun/EPA)

Lerne aus der Vergangenheit, lebe in der Gegenwart, arbeite für die Zukunft. Es ist der Leitspruch, der die Judoka Fabienne Kocher durch ihr Leben begleitet. Die Gegenwart heisst: Platz 5 bei den Olympischen Spielen in Tokio in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm, in Japan, im Mutterland des Judo. Mit drei überzeugenden Siegen – unter anderem in der ersten Runde gegen die amtierende Vize-Weltmeisterin Ana Perez Box – war die 28-Jährige in die Halbfinals vorgestossen und hatte sich damit zwei Chancen auf einen Medaillengewinn erkämpft.

Doch im Halbfinal unterlag Kocher der Französin Amandine Buchard nach gerade einmal 16 Sekunden. Und im Kampf um Bronze verlor sie gegen die Britin Chelsie Giles. Der Traum von der Medaille war geplatzt. Sie sagt: «Es ist bitter, wenn man im Halbfinal steht und dann ohne Medaille nach Hause muss. Doch es waren trotzdem wunderschöne Emotionen, auch wenn es am Ende eine Achterbahnfahrt der Gefühle war»

Bis vor wenigen Wochen schien undenkbar, dass sie sich überhaupt für die Olympischen Spiele qualifizieren würde. Doch Anfang Juni gewann Kocher in Budapest Bronze, und damit als erste Schweizerin seit Monika Kurath vor 24 Jahren eine Medaille bei Weltmeisterschaften. Sie erhielt daraufhin den Vorzug gegenüber der Baselbieterin Evelyne Tschopp, die zuvor als Nummer 13 der Weltrangliste acht Plätze vor Kocher klassiert gewesen war und die Kriterien ebenfalls erfüllt hätte. Doch im Judo ist pro Land und Gewichtsklasse nur eine Athletin bei Olympischen Spielen zugelassen.

Zwei Kreuzbandrisse und Gewichtsverlust

Die Vergangenheit, aus der die Junioren-Europameisterin von 2013 zu lernen pflegt, war schwierig. 2014 riss sich Kocher das Kreuzband. Sie nutzte die Zeit, um in einer Werbeagentur zu arbeiten und begann, zu studieren – erst Soziologie, dann Publizistik. Kocher hatte den Anschluss an die Weltspitze noch nicht geschafft, als sie sich erneut das Kreuzband riss – im Vorfeld der Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Sie verlor danach so viel Gewicht, dass sie sich dazu entschloss, künftig in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm anzutreten statt wie bisher im Limit bis 57 Kilogramm. Es sollte nicht die letzte grosse Prüfung gewesen sein.

Kontaktsportarten wie das Judo litten besonders stark unter der Coronapandemie und den behördlich auferlegten Einschränkungen. Während Monaten war kein Training erlaubt, auch an Wettkämpfe war nicht zu denken. Kocher versuchte wieder, das Beste aus der Situation zu machen. Ihr Vermieter überliess ihr einen Raum neben ihrer Wohnung, den sie als Fitnessraum nutzte, ihr Heimklub Uster stellte Trainingsgeräte zur Verfügung und ihr Freund musste als Trainingspartner herhalten.

Es fehlte der Austausch, der Vergleiche mit den Weltbesten. Bringen die neu erlernten Techniken Vorteile? Funktionieren die Kombinationen? Und kann die neu gewonnene Muskelkraft ins Judo übertragen werden? Antworten auf diese Ungewissheit erhält Kocher im letzten Herbst. Im ersten Wettkampf nach acht Monaten stand sie in Taschkent als Dritte erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier auf dem Podest.

Der Gewinn einer Medaille bei den Olympischen Spielen wäre die Krönung eines Märchens gewesen. Die Gegenwart ist eine andere. Doch schon bald wird sie Vergangenheit sein – und Ansporn für die Zukunft.

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