1.-August-Reden: So wollen Aargauer Nationalräte das heisse Eisen Corona anfassen

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Symbolbild (Archiv ZT)

Impfen oder nicht impfen. Für oder gegen strenge Covid-Massnahmen. Fragen rund um die Pandemie polarisieren das Land, wie schon lange kein Thema mehr.

Wie also damit umgehen bei einer 1.-August-Rede, die an unterschiedlichste Menschen gerichtet ist? Klar Position beziehen und in Kauf nehmen, damit viele vor den Kopf zu stossen? Oder ausweichen, dabei aber Gefahr zu laufen, an dem vorbeizureden, was die Leute zurzeit am meisten beschäftigt?

Wir haben uns bei Aargauer Nationalrätinnen und Nationalräten umgehört, was sie sich für ihre 1.-August-Rede vornehmen.

Andreas Glarner (SVP), Rede in Seon: «Angebliche Solidarität»

Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident SVP Aargau.

Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident SVP Aargau.

Severin Bigler

Der SVP-Kantonalpräsident heizt seine Zuhörer, meistens Gleichgesinnte, gerne ein gegen den gemeinsamen politischen Gegner. An 1.-August-Feiern, wo auch Andersdenkende zuhören, schlägt aber auch Glarner generell moderatere Töne an. In Coronazeiten sowieso. «Thematisieren werde ich die Pandemie natürlich, aber mit Rücksicht auf das Publikum beide Aspekte beleuchten», sagt Glarner. Seine Meinung will der ehemalige Ammann aus Oberwil-Lieli bei seiner Ansprache deswegen aber nicht kaschieren. Er werde über die «angebliche Solidarität durch Impfung und die drohende Zweiklassengesellschaft» reden und der «Eigenverantwortung sowie dem Recht auf Unversehrtheit des eigenen Körpers» das Wort reden. Hauptthema, so betont der SVP-Politiker, werde aber Unabhängigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung sein.

Maja Riniker (FDP), Rede in Hirschtal und Würenlos: «Wieder mehr Ja sagen»

Nationalrätin Maja Riniker, FDP.

Nationalrätin Maja Riniker, FDP.

Key

«Covid hat Gräben in der Gesellschaft aufgerissen», sagt Maja Riniker. Zwischen verschiedenen Positionen, aber auch zwischen Regionen. Als das Tessin als erster Kanton von der Pandemie getroffen worden sei, habe das die Deutschschweiz anfangs ignoriert. Für die FDP-Nationalrätin aus Suhr ist es klar, dass sie bei ihren beiden 1.-August-Reden auf das heikle Thema eingeht. Sie will auch aufzeigen, wie uns die Pandemie «die globale Abhängigkeit vor Augen geführt hat» und die Lehren daraus ziehen. So müsse die Schweiz etwa besser vorsorgen, wenn es um die Beschaffung von Medikamenten und Impfstoffen gehe. Riniker will an der Bundesfeier aber vor allem an das Miteinander appellieren: «Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Ja sagen können statt aus einer generellen Protesthaltung Nein zu allem.»

Irène Kälin (Grüne), Rede in Suhr: «Ein Volk mit Differenzen»

Irène Kälin, Nationalrätin Grüne.

Irène Kälin, Nationalrätin Grüne.

Severin Bigler

Sie werde über «genau über all die Pandemiedifferenzen sprechen», kündigt Irène Kälin an. Sie hält nichts davon, das heikle Thema irgendwie zu «umbooten». Die designierte Nationalratspräsidentin aus Oberflachs wird betonen, dass «wir schon immer ein Volk mit Differenzen waren und diese bisher stolz Vielfalt nannten». Das müsse uns hier und jetzt insbesondere auch gelingen, so Kälin. Die Grüne-Nationalrätin betonte schon Anfang Jahr in einem AZ-Interview, dass es Platz haben müsse für unterschiedliche Positionen gerade beim Thema Impfen. So habe sie kein Verständnis dafür, dass man auf das Pflegepersonal Druck ausübe, sich impfen zu lassen. Sie erachte eine Impfung für sinnvoll; es widerspricht aber ihren Werten, eine derart persönliche Entscheidung zu politisieren.

Marianne Binder (CVP), Rede in Untersiggenthal: «Vorbild statt Moralapostelin»

Marianne Binder, Nationalrätin Die Mitte.

Marianne Binder, Nationalrätin Die Mitte.

Alex Spichale

Für sie stehen bei ihrer Bundesfeierrede andere Themen im Vordergrund: Generationenvertrag, Energiepolitik, die Rolle der Schweiz in Europa und Sicherheitspolitik. Aber auch die Mitte-Präsidentin will die Covid-Krise ansprechen. «Bei der Bewältigung der Pandemie steht für mich der Zusammenhalt im Vordergrund und die gegenseitige Verantwortung füreinander.» Für Marianne Binder ist klar, dass sich alle, die sich impfen lassen können, und das sei die grosse Mehrheit, das auch tun sollten. Die Nationalrätin aus Baden betont aber: «Als Politikerin bin ich anlässlich einer Rede lieber Vorbild als Moralapostelin.»

Gabriela Suter (SP), Videobotschaft auf dem Rütli: «Klima und Pandemie verbinden»

Gabriela Suter, Nationalrätin SP.

Gabriela Suter, Nationalrätin SP.

Britta Gut

Für die SP-Präsidentin steht die Bundesfeier dieses Jahr im Zeichen von 50 Jahren Frauenstimmrecht. Sie wird deshalb an der Jubiläumsfeier auf dem Rütli teilnehmen, organisiert von Frauenorganisationen unter der Leitung von alliance F. Die Aarauerin kündigt an, sie werde eine Videobotschaft als Alternative zu einer Rede aufnehmen. Im Mittelpunkt werde die Klimakrise und «unsere damit verbundene Verantwortung für die kommenden Generationen» stehen. Suter will Covid aber nicht ausklammern. Natürlich werde sie auch auf die Pandemie eingehen. «Aber ich bleibe nicht bei ihr stehen. Vielmehr werde ich auf Gemeinsamkeiten der beiden Krisen hinweisen. Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung werden die verbindenden Elemente sein zwischen den Themen Klima und Pandemie.»

Beat Flach (GLP), Gedanken zum 1. August:

Beat Flach, Nationalrat der Grünliberalen.

Beat Flach, Nationalrat der Grünliberalen.

Key

Der Grünliberale ist am 1. August in den Ferien und hält deshalb keine Rede. Würde er eine halten, würde er das «Theater ums Impfen» nicht zum Hauptthema machen. Denn für den Nationalrat aus Auenstein ist Impfen selbstverständlich. Flach würde vielmehr die Stärken der Globalisierung betonen. Nur dank der weltweit vernetzten Forschungs- und Wirtschaftsinformationen habe es keine nennenswerten Mangellagen gegeben in der Pandemie. Die Globalisierung habe zu einer ungeahnt starken globalen Resilienz geführt, die auch zukünftig helfen könne, Krisen zu bewältigen und Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. «Gerade die Schweiz hat wie kaum ein anderes Land davon profitiert», sagt Flach. «Denn ohne eigene Rohstoffe zu den ganz Oberen der Wirtschaftspyramide zu gehören, lässt sich nur mit guten Beziehungen erreichen.»

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