Zerstörter Salat und verfaulte Kirschen: Lage in der Landwirtschaft bleibt wegen Unwettern angespannt

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Beschädigte Getreidefelder im Berner Seeland nach den starken Regenfällen Mitte Juli. Adrian Reusser / KEYSTONE

Das schlechte Wetter hinterlässt seine Spuren. Nachdem die frostigen Bedingungen im Frühling allen voran die Aprikosenernte zerstört haben, machen den Landwirten jetzt die anhaltenden Regenfälle zu schaffen. Wie erwartet macht sich das jetzt auch in den Ladenregalen bemerkbar: Schweizer Früchte und Gemüse stehen gegenüber Vorjahren spärlicher zur Verfügung.

Die Liste der betroffenen Kulturen ist lang: Bei den Früchten sind es vor allem Erdbeeren, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Äpfel. «Es gibt nur noch Erdbeeren, die unter Wetterschutz produziert wurden», sagt Beatrice Rüttimann, Sprecherin des Schweizer Obstverbandes. Bei Äpfeln und Kirschen sei das Potenzial relativ intakt, wegen Pilzkrankheiten oder Witterungsschäden seien grosse Mengen aber nicht mehr marktfähig. Bei Beeren wie Brombeeren oder Himbeeren sehe die Situation hingegen gut aus.

Auch Gemüsefelder wurden stark beschädigt. Hohe Ausfälle gibt es laut dem Schweizer Gemüseverband vor allem bei Salat, Blumenkohl, Brokkoli und Kabis. «Ich kann mich an kein so schlechtes Jahr erinnern. Was wir gerade erleben, ist ein Jahrzehntereignis», sagt Verbandspräsident und SVP-Ständerat Werner Salzmann.

Hier wird noch fleissig geerntet, hohe Ausfälle gibt es dagegen bei Salat und Brokkoli.

Hier wird noch fleissig geerntet, hohe Ausfälle gibt es dagegen bei Salat und Brokkoli.

Keystone

Mehr Importe und höhere Preise

Konsumentinnen und Konsumenten können trotzdem beruhigt bleiben. Den mengenmässigen Mangel merkt man beim Einkaufen kaum. «Von einer Verknappung kann nicht die Rede sein», betont Beatrice Rüttimann vom Obstverband. Das liegt jedoch daran, dass der Mangel durch die europäische oder sogar aussereuropäische Produktion kompensiert wird. Um den Bedarf des Marktes zu decken, greifen Händler auf Importe zurück.

Um den Bedarf zu decken, wird auf Importe zurückgegriffen.

Um den Bedarf zu decken, wird auf Importe zurückgegriffen.

Keystone

Ein Blick auf die aktuellste Importstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigt: Wurden im Juni 2020 noch rund 56'200 Tonnen Früchte importiert, waren es im Juni 2021 fast 62'000 Tonnen. Beim Gemüse stieg die Zahl von 18'800 Tonnen auf 20'000 Tonnen. Je nach Sorte fällt der Anstieg stärker ins Gewicht, beispielsweise beim Salat.

Die Detailhändler bestätigen dies auch für den laufenden Monat Juli. So heisst es etwa bei der Migros: «Aufgrund des Hagels am meisten gelitten haben die Salate. Aber auch bei Kohl müssen wir grössere Mengen importieren, was für die Jahreszeit eher ungewöhnlich ist.» Laut Migros-Sprecher Marcel Schlatter wurde in der gesamten Branche in den vergangenen Wochen ein Drittel höheres Importkontingent gesprochen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Weiter sagt Schlatter:

«Das Wetter war und ist im umliegenden Ausland aber auch nicht wirklich überall besser, was die Beschaffung nicht unbedingt einfacher gestaltet.»

Eine negative Folge des knapperen Angebots ist freilich, dass die Preise von Erdbeeren, Salaten und Co. teilweise höher ausfallen können – wenn auch nicht so stark, wie es noch im Mai schien und medial dramatisiert wurde. Beispielsweise stieg der Preis für Steinobst im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent. Im Juni ging der Preis allerdings wieder um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Dies ist dem Landesindex der Konsumentenpreise zu entnehmen.

Insgesamt spricht der Obstverband von «nahezu unveränderten Preisen» im Vergleich zum Vorjahr. Grösser scheint der Preisanstieg dafür bei einigen Gemüsekulturen wie zum Beispiel Salat auszufallen, wie der Verband bestätigt.

Alles in allem bleibt die Situation – und damit auch das Preisniveau – aber dynamisch. Wie es weitergeht, lässt sich nur schwer abschätzen. Dies auch, weil die Lage für die Bauern prekär bleibt: Da die Böden schweizweit so durchnässt sind, können sie noch kaum neue Kulturen anpflanzen. Derweil bleiben sie auf ihren Verlusten sitzen – und haben fürs Sortieren der Ernte zudem noch mehr Aufwand.

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