Es gab noch nie so viele Mountainbiker – das führt zu Konflikten in der Schweiz

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Beliebte Sportart: Ein Bergvelofahrer auf der Marbacheregg. Dominik Wunderl

Im Jahr 2020 wurde der Rekord noch einmal übertroffen. 200'000 neue Mountainbikes fanden einen Besitzer in der Schweiz. Zwar ist dieser, vom Branchenverband der Fahrradlieferanten Velosuisse erhobene, Wert nicht eins zu eins mit dem Vorjahr vergleichbar, als es noch rund 144'000 Mountainbikes waren. Dass der Sport im Coronajahr einen starken Aufschwung erlebte, ist aber unbestritten.

Mancher Veloverkäufer musste seine Kunden auf später vertrösten, weil nicht jedes Modell immer lieferbar war. Es zeigte sich zudem, dass die Nachfrage nach klassischen, mit Muskelkraft angetriebenen Geländevelos gestiegen ist. In den letzten Jahren gewannen Mountainbikes mit Elektromotor auf Kosten klassischer Modelle. Nun konnten beide Sparten zulegen.

Die Statistik zeigt auch: Mountainbikes sind um einiges beliebter als Strassenvelos für Gümmeler und etwa gleich auf mit Fahrrädern für den Stadtverkehr.

Einem Branchenkenner geht das Wachstum fast zu schnell

Thomas Giger ist Herausgeber des Mountainbike-Magazins «Ride». Er freut sich über das Interesse an seinem Sport, spricht aber auch von einem «fast schon ungesund schnellen Wachstum». Die Nachfrage sei so rasant gestiegen, dass manche Verkäufer gar nicht nachkämen. Sie stünden nun vor schwierigen Entscheidungen. Sollen sie eine grössere Filiale mieten, mehr Personal einstellen? Die Frage, welche sie dabei umtreibt, lautet: Wie nachhaltig ist der Trend?

Da Kunden zum Teil noch auf ihre Bestellung warten, dürfte die Arbeit so schnell nicht ausgehen. Und nun könnte noch ein Olympia-Effekt dazukommen. Am Dienstag gewann das Team der Schweizer Mountainbikerinnnen an den Olympischen Spielen in Japan die ersten drei Ränge. Jolanda Neff holte Gold, Sina Frei Silber und Linda Indergand Bronze.

Szenekenner Thomas Giger geht davon aus, dass dieser Erfolg dem Sport noch einmal einen Schub geben wird. So könnten etwa Mädchen motiviert werden, sich aufs Mountainbike zu schwingen. Gemäss Giger ist die Szene im Moment numerisch klar von Männern dominiert. Er schätzt den Frauenanteil auf zwanzig bis dreissig Prozent. «Es ist natürlich toll, dass nun gerade den Damen dieser unglaubliche Dreifachsieg gelungen ist», sagt er.

Für Giger ist der Sieg der drei Frauen aber kein Zufall. «Ich lebe in Davos, fahre aber auch in Österreich Mountainbike. Ich beobachte, dass die Begeisterung für den Sport hierzulande viel grösser ist. Mountainbiken ist ein regelrechter Volkssport.» Er verweist auf Schulkurse und die Tatsache, dass Städte in ihren Wäldern Mountainbike-Pfade bewirtschaften. «Es ist längst keine Freak-Sportart mehr», sagt Giger. Selbst viele Bauern, hätten im Schopf noch ein Mountainbike stehen.

Spannte ein Bike-Hasser ein Seil vor eine Schanze?

Die Begeisterung für das Velofahren auf Wald und Wiese kommt aber nicht immer überall nur gut an. Das zeigen Konflikte zwischen Mountainbikern und anderen Waldbenutzern. Wie das «Badener Tagblatt» berichtete, verletzte sich vor kurzem ein 25-jähriger Mountainbiker in Obersiggenthal, weil jemand auf der Anfahrt einer Biker-Schanze eine Schnur gespannt hatte. «Ich kann mir schwer vorstellen, dass es nicht aus böser Absicht geschah», sagte der Mountainbiker. Er hat eine Strafanzeige eingereicht. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im Herbst 2018 im Wald oberhalb von Hilterfingen BE am Thunersee. Gemäss «Blick» spannte ein «Bike-Hasser» ein Seil und brachte einen Velofahrer zu Fall. Auch Nagelbretter seien schon auf Bike-Pfaden angebracht worden.

Im Kanton Zug sorgen immer wieder illegal erstellte Schanzen im Gelände für Aufregung. Manche Orte beschränken den Geländezugang für Velofahrer. Im Waldgesetz des Kantons Bern steht zum Beispiel: «Radfahren im Wald abseits von Wegen und besonders bezeichneten Pisten ist verboten.» Die Uetlibergbahn in Zürich bringt Downhill-Fahrer schon seit Längerem nicht mehr zum Gipfel.

Mountainbike-Journalist Thomas Giger relativiert die Konflikte zwischen Velofahrern und anderen Wald- und Berggängern. Er sagt:

«Überall, wo verschiedene Interessen aufeinandertreffen, kann es Konflikte geben. Das ist im Wald nicht anders als in der Waschküche.»

Er selbst habe noch nie eine solche Konfliktsituation erlebt.

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