Das glückliche Händchen von FCA-Trainer Stephan Keller

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Kevin Spadanudas Führungstor in der zweiten Halbzeit war der Dosenöffner im Spiel. Hinten jubelt Captain Shkelzen Gashi mit. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Mit dem Schlusspfiff dröhnt aus den Boxen ein Mitgröl-Klassiker. «Sweet Caroline», als wäre immer noch EM und das Stadion voll mit Engländern. Feuerwerkskörper werden in den Himmel verabschiedet, der ­Nationalfeiertag vorgezogen. Im Brügglifeld ist man in Festtagslaune – und das nach dem ersten Spieltag.

Lange hat der FC Aarau warten müssen auf ein solches Ereignis, womit ein Sieg zum Saisonstart gemeint ist. Neun Jahre, um genau zu sein. Damals schlugen die Aarauer den FC Wohlen, heuer waren die Schaffhauser die Unterlegenen. 45 Minuten zuvor hätten wohl nicht viele darauf gewettet, dass heute noch «Sweet Caroline» erklingen würde. Wenig hatte da auf einen Erfolg des Heimteams hingedeutet. Und es bedurfte schon eines taktischen Kniffes des Cheftrainers, um den Ereignissen die entscheidende Richtung zu geben.

Zur Halbzeit nämlich hätte der FCA gut und gerne mit einem Tor in Rückstand liegen können. Der FC Schaffhausen besass hochkarätige Möglichkeiten. Einmal schoss Joaquin Ardaiz knapp vorbei, ein andermal zitterte die Latte nach einem Knaller von Ivan Prtajin, kurz vor der Pause vergab Danilo Del Toro freistehend. Aufseiten des FC Aarau war das Zählen  einfacher, es gab eigentlich nur eine richtige Topchance zu verzeichnen. Diese gehörte Kevin Spadanuda in der 19. Minute, als sein Kopfball rechts am Tor vorbeistrich. «Wir waren heute in der Chancenauswertung die glücklichere Mannschaft», sollte FCA-Coach Stephan Keller später sagen.

Erst Rechtsverteidiger, dann Mittelfeldspieler

Auch Olivier Jäckle erkannte nach Spielschluss an, dass sein Team den Gästen in der ersten Halbzeit zu viele Räume zubilligte. Besonders in der Mittelfeldzentrale tat sich ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Teams auf. «Schaffhausen hatte vier Spieler im Zentrum, wir waren zu zweit.» Wir – das sind Jäckle selbst und Allen Njie, über den in diesem Text noch zu sprechen sein wird. Jedenfalls blieb jene Diskrepanz im Mittelfeld auch Stephan Keller nicht verborgen. Er reagierte.

Jérôme Thiesson, der als Rechtsverteidiger begann, beorderte der Trainer im zweiten Umgang weiter nach vorne ins defensive Mittelfeld. «Nach der ersten Halbzeit mussten wir etwas verändern, weil wir wieder mehr Zugriff aufs Spiel bekommen wollten», sagte Keller, als er längst wusste, wie sich die Dinge entfaltet hatten.

Der eine Mann mehr im Mittelfeld tat dem Spiel des FC Aarau merklich gut. Die Heimmannschaft übernahm in den zweiten 45 Minuten die Regie und kam damit auch in Besitz der Deutungshoheit über den Ausgang der Partie. Wegweiser war die Szene in der 51. Minute. Flügelspieler Spadanuda bot eine Kopie der Aktion aus Durchgang eins dar, nur gelangte der Ball jetzt auch ins Tor. Es war das 1:0, ein schöner Flugkopfball nach einer ästhetisch ebenso wertvollen Flanke von Bastien Conus.

Den Schlusspunkt setzte Liridon Balaj in der 86. Minute, als er mit einem Linksschuss vollendete, nach Vorarbeit von Marco Aratore. Dass sowohl Balaj als auch Aratore als Einwechselspieler aufs Feld kamen, war für Keller eine angenehme Nebenerscheinung. «Die Bank hat den Match entschieden», sagte er.

Sich verschiedene Taktiken zurechtzulegen, auf Eventualitäten vorbereitet zu sein, ­Entwicklungen vorherzusehen, das gehört zum Job eines Fussballtrainers. Nicht immer geht der Plan auf, doch dieses Mal hat Aarau-Coach Keller eine Reihe von richtigen Entscheidungen getroffen. Im Jargon spricht man da wohl vom glücklichen Händchen.

Die Nomination von Thiesson auf der Rechtsverteidigerposition kam überraschend, Keller erklärte den Schritt damit, dass sich Stammkraft Raoul Giger in den Tagen davor mit leichten muskulären Problemen herumgeschlagen hatte. Thiesson erfüllte den Part solide, was auch für seine Minuten im Mittelfeld gilt. Umso bemerkenswerter ist das, als Thiesson in weiten Teilen der Vorbereitung verletzungsbedingt gar nicht mittun konnte. «Jérôme kam heute ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde zu seinem Startelfeinsatz», sagte Keller. «Er hat das heute sehr korrekt gemacht.»

Erstes Spiel für den FCA – und gleich der beste Mann

Die grösste Aufmerksamkeit nach Spielende gebührte aber einem, für den es das erste Mal war in einem Pflichtspiel im Stadion Brügglifeld. Allen Njie, der Neuzuzug, spielte so, als ob er schon ganz lange das Trikot des FC Aarau tragen würde. Angetrieben von seiner Physis und der umfassenden fussballerischen Qualität, schüttelte sich der Liberianer die Anfangsnervosität rasch aus den Beinen und war fortan der auffälligste Spieler. Ob Schüsse, Pässe, Kopfbälle oder Zweikämpfe – es scheint wenige Dinge zu geben, die Njie auf einem Fussballfeld nicht ­beherrscht. Mittelfeldpartner Jäckle sagte: «Es macht grossen Spass, mit ihm zu spielen.»

Ein wenig mit Sorge blickten die Verantwortlichen beim FC Aarau dann aber doch in ­Richtung des 22-Jährigen. Kurz vor Ende musste sich Njie nach einem Zusammenprall auswechseln lassen. Nach ersten Erkenntnissen soll es sich allerdings nur um einen schmerzhaften Krampf gehandelt haben, seinem Trainer jedenfalls signalisierte Njie bereits in der Kabine, dass alles wieder in Ordnung sei. Dies bestätigte sich nach weiteren Untersuchungen am Sonntag.

Schlimmer waren die Befürchtungen bei Kevin Spadanuda. Der Torschütze zum 1:0 verletzte sich ebenfalls vor Spielschluss bei einem Zweikampf und musste beim Verlassen des Feldes gestützt werden. Am Sonntagnachmittag konnte die medizinische Abteilung des FCA schliesslich auch in seinem Fall Entwarnung geben. Der 24-Jährige hat sich keine schlimmere Blessur zugezogen und dürfte am Freitag in Thun wieder einsatzbereit sein.

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