Das Wetter spielt verrückt – und das auf der ganzen Welt: Unsere Übersicht über die aktuellen Brennpunkte

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Waldbrände in den USA: Feuerwehrleute im Flammeninferno im Lassen National Forest-Nationalpark in Nordkalifornien. (26. Juli) Noah Berger

Dieser Sommer führt in aller Deutlichkeit vor Augen: Da ist etwas aus dem Lot geraten. Und zwar nicht nur in fernen Ländern, von denen wir meinen, sie gehen uns nichts an. Sondern auch da, wo wir gerne in die Ferien gehen: In Griechenland ist es unerträglich heiss, in Sizilien und auf Sardinien brennen die Wälder. Und sogar da, wo wir leben: Die Überschwemmungen im Juli waren heftig. Dabei zeigt der Blick nach Norden, dass es um mehr als nur Sachschäden geht. Deutschland beklagt bereits 181 Todesopfer der Unwetter, mehr als 70 Menschen werden noch vermisst.

Ähnliche extreme Wetterereignisse traten und treten in diesen Wochen rund um den Globus auf. Wälder brennen von Spanien bis Russland, aber auch im Westen der USA und Kanadas. 49,6 Grad heiss war es in der kanadischen Provinz British Columbia am 29. Juli – das ist die höchste je in Kanada gemessene Temperatur. Brasilien, auf der Südhalbkugel gelegen, kriegte derweil das andere Extrem zu spüren, Ende Juli gab es ungewöhnlich viel Schnee. Überschwemmungen, wie wir sie in Mitteleuropa erlebt haben, gab es auch in China, Indien, Oman, Uganda und Nigeria.

Überraschend ist diese Häufung nicht – genau solches haben die Modelle der Klimaforschung seit Jahren vorhergesagt. Zwar kann keine einzelne Überschwemmung, ja nicht mal eine Hitzewelle als direkte Folge des Klimawandels betrachtet werden. Überschwemmungen und Hitzewellen gab es schon immer – in Griechenland war es zum Beispiel am 10. Juli 1977 noch heisser als jetzt: 48 Grad in der Stadt Eleusis.

Die hohen Temperaturen steigen besonders stark an

Und doch macht der Klimawandel die Sache schlimmer, denn Hitzewellen werden im Durchschnitt heisser als früher. Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, erklärt: «Solche Hitzeextreme sind praktisch immer eine Kombination von einer ungewöhnlichen, aber nicht unmöglichen Wetterlage und der menschgemachten Erwärmung, die das Ganze stärker macht.» Einerseits ist bereits die Durchschnittstemperatur um rund zwei Grad höher als in vorindustrieller Zeit. Andererseits steigen ausgerechnet die höchsten Temperaturen besonders stark an – ein Effekt, der unter anderem mit der Trockenheit der Böden zusammenhängt.

Doch damit nicht genug. Möglicherweise sorgt der Klimawandel auch dafür, dass Wetterlagen wie aktuell in Griechenland und kürzlich in Kanada häufiger werden. Es handelt sich um Hochdruckgebiete, die praktisch an Ort stehen bleiben. Die Klimamodelle liefern dazu aber noch keine verlässlichen Aussagen. «Die Hypothesen dazu sind plausibel, aber wie gross der Effekt ist, ist umstritten», sagt Knutti. Eine Analyse eines internationalen Forschungsteams, zu dem auch die ETH-Klimawissenschafterin Sonia Seneviratne gehört, kommt aber für die Hitzewelle in Kanada und den USA zu einem deutlichen Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis wäre ohne menschgemachten Klimawandel 150-mal kleiner.

Warme Luft transportiert mehr Feuchtigkeit

Ähnlich ist es mit den Überschwemmungen. Das Prinzip ist einfach: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen und transportieren, deshalb kommt es in einem wärmeren Klima zu mehr Starkregen. Der Einfluss des Klimawandels ist aber weniger gross als bei den Hitzewellen, laut Knutti liegt er bei ungefähr 15 bis 20 Prozent. Unklar ist auch, ob solche Wetterlagen wegen des Klimawandels länger anhalten.

Ob Starkregen auch zu Überschwemmungen führt, hängt aber von vielen Faktoren ab. Ungünstig wirken sich unter anderem versiegelte Böden aus, in denen das Wasser nicht versickern kann. Breite, natürliche oder renaturierte Flussbetten bieten hingegen Platz, um überschüssiges Wasser aufzunehmen.

Landwirtschaft anfällig für Klimaschäden

Die Schäden wiederum sind tendenziell höher, wenn ein Land dicht besiedelt ist wie die Schweiz. Andererseits haben reiche Länder die Mittel, um beispielsweise frühzeitig vor Unwettern zu warnen, technische Massnahmen gegen Hochwasser zu ergreifen und die Folgen mit Versicherungen abzudämpfen. Länder wie Nigeria und Uganda, die im Juli ebenfalls überschwemmt wurden, haben da schlechtere Karten.

Zudem ist in Entwicklungsländern ein relativ grosser Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig oder direkt davon abhängig. Und dieser Sektor ist besonders anfällig auf die Folgen des Klimawandels, sei es durch Unwetter oder Hitzeperioden. Das kriegt derzeit die Bevölkerung in Madagaskar auf brutale Weise zu spüren. Der Süden des Inselstaates leidet unter einer schlimmen Dürre. Die Welternährungsorganisation warnte schon im Mai davor, dass die Nahrung für 1,1 Millionen Menschen knapp sei, 14000 drohen zu verhungern.

Auch in Äthiopien herrscht laut den Vereinten Nationen eine Hungersnot. 400000 Menschen haben zu wenig zu essen. Nebst Dürren und Überflutungen ist es dort vor allem der bewaffnete Konflikt in der Tigray-Region, der die Landwirtschaft beeinträchtigt. Hinzu kommen wiederholte Heuschreckenplagen. Diese wiederum hängen vermutlich ebenfalls mit dem Klimawandel zusammen: Die höheren Temperaturen begünstigen Zyklone, die Regen mit sich bringen und damit den Heuschrecken gute Bedingungen für die Vermehrung bieten.

Wenigstens Tornados werden nicht häufiger

Doch nicht jedes Wetterextrem tritt wegen des Klimawandels vermehrt auf. Bei Hagel etwa ist die Lage unklar. Eine Ausnahme bilden auch Tornados wie derjenige, der Ende Juni in Tschechien wütete. Sechs Menschen kamen damals ums Leben. Doch Klimaforscher Reto Knutti sagt: «Bei Stürmen in den mittleren Breiten gibt es keine Hinweise auf Änderungen, auch bei Tornados nicht.»

Allerdings können Hitzewellen, die weniger spektakulär daherkommen als Tornados, gefährlicher für den Menschen sein. Die Hitze im Sommer 2015 zum Beispiel hatte laut dem Schweizerischen Tropeninstitut in der Schweiz 800 Todesopfer gefordert. Die meisten davon wegen Herz-Kreislauf- oder Atemproblemen. Und wie ein Team um Knutti vor drei Jahren in einem Bericht schrieb, ist die Schweiz diesbezüglich ein buchstäblicher Hotspot: Von hier bis zum Mittelmeer werden Hitze­extreme besonders stark zunehmen.

 
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