«Jetzt ist Schluss» oder «Müssen gratis bleiben»: Das sagen Aargauer Nationalräte zur Schnelltest-Debatte

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Dass die Antigen-Schnelltests für alle gratis sind, ist wegen der hohen Kosten für die Steuerzahler vielen ein Dorn im Auge. Gaetan Bally/Keystone/AZ

Bundespräsident Guy Parmelin hat die Gratistest-Debatte angeheizt: Nichtgeimpfte sollen einen Antigen-Schnelltest künftig selbst bezahlen. Es geht um viel Geld: Im Aargau wurden gemäss Zahlen des BAG in den letzten vier Wochen über 32'000 Antigen-Schnelltests gemacht. Jeder davon kostet den Bund 47 Franken. Das macht über 1,5 Millionen Franken monatlich – alleine im Kanton Aargau. Die AZ hat Aargauer Nationalrätinnen und Nationalräte gefragt: Soll das weiterhin die Allgemeinheit bezahlen?

 
FDP-Nationalrätin Maja Riniker.

FDP-Nationalrätin Maja Riniker.

Peter Schneider/Keystone

Ganz klar nein, sagt FDP-Nationalrätin Maja Riniker. Sie findet: «Jetzt muss dann mal Schluss sein mit den Gratistests.» Alle hätten die Möglichkeit zur Impfung gehabt – wer das nicht wolle, müsse die Kosten eben selbst tragen. «Für mich ist es selbstverständlich, die gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und sich impfen zu lassen», sagt Riniker. Es gelte, den Impfunwilligen das Leben etwas schwerer zu machen.

Riniker war letztes Wochenende in Grindelwald am Zucchero-Konzert. Dort galt: Zugang nur mit gültigem Covid-Zertifikat. Für Riniker ist das die Lösung der Zukunft: «Alle freuten sich, keine Masken tragen zu müssen», erzählt sie. «Es war ein Stück Leben, wie wir es doch alle wieder haben wollen.» Riniker könnte sich gut vorstellen, dass auch der Restaurantzutritt schon bald nur noch mit Zertifikat möglich sein wird, sollte sich die Lage weiter verschärfen.

Unfair über höhere Kosten zur Impfung zu zwingen

Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident SVP Aargau.

Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident SVP Aargau.

Severin Bigler

Für Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident der SVP Aargau, ist dagegen klar: Die Antigen-Schnelltests müssen gratis bleiben. «Sonst öffnen wir einem indirekten Impfzwang Tür und Tor», sagt Glarner. Er sei kein Impfgegner. «Aber es ist nicht fair, die Leute über höhere Kosten zur Impfung zu zwingen», erklärt Glarner, der das Coronavirus selbst hatte und zehn Tage komplett flachlag.

Dass die Kosten für die Gratistests am Schluss an den Steuerzahlern hängen bleiben, ist für Glarner das kleinere Übel: «Wir sind in einer ausserordentlichen Lage, da zahlt der Bund sowieso sehr vieles – übrigens nicht nur für Tests, sondern auch für die Impfung», ergänzt er.

Freizeit von Beruflichem trennen

SP-Nationalrätin Yvonne Feri.

SP-Nationalrätin Yvonne Feri.

Gaetan Bally/Keystone

«Die Gratistests abzuschaffen, ähnelt einem indirekten Impfzwang», gibt auch SP-Nationalrätin Yvonne Feri zu bedenken. Dennoch findet auch sie: «Für Freizeitaktivitäten kann ich mir vorstellen, dass die Leute ihren Test künftig selbst bezahlen müssen.» Davon klar unterscheiden müsse man aber jene, die den Test beruflich brauchen: «Hier finde ich es angemessen, dass die Öffentlichkeit aufkommt», so Feri.

Wichtig wäre für Feri in der ganzen Debatte mehr Kohärenz und mehr Gerechtigkeit. Sie kritisiert etwa, dass Geimpfte einen Schnelltest selbst zahlen müssten. Ebenso ungerechtfertigt findet Feri aber Forderungen, Ungeimpfte anders zu behandeln – etwa in Bezug auf die Maskenpflicht: «Aus meiner Sicht ist es falsch, solche Unterschiede zu machen und Ungeimpfte damit an den Pranger zu stellen», meint Feri. Stattdessen sollte man noch mehr tun, um die Leute von der Impfung zu überzeugen.

Gesellschaft trägt auch Kosten für Hospitalisierungen

Mitte-Nationalrätin Marianne Binder-Keller.

Mitte-Nationalrätin Marianne Binder-Keller.

Alex Spichale

Die Mitte-Nationalrätin Marianne Binder-Keller begrüsst die Stossrichtung von Parmelins Anliegen: «Die Gratistests für alle kosten dermassen viel, dass diese Debatte sicher gerechtfertigt ist.» Schliesslich müssten die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler alles berappen. Auch Binder findet, dass man Tests für den Ferien- und Freizeitgebrauch selbst zahlen soll. Über Tests, die der Arbeitgeber fordert, könne man aber diskutieren, meint sie.

Schon die Impfung koste den Bund viel, die Tests aber noch ein Vielfaches, so Binder. Es gehe nicht um die Diskriminierung von Ungeimpften - diese seien frei in der Entscheidung. «Nach wie vor trägt die Gesellschaft auch die Kosten für ihre Hospitalisierung - diese würden sich vermindern, wenn mehr Leute geimpft wären», erklärt Binder-Keller. Auch die Testerei wäre man los. «Darum ist es die politisch logische Lösung, dass die Impfung im Gegensatz zu den Tests gratis ist», lautet Binder-Kellers Bilanz.

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