Unlock statt Lockdown

Bhend_Heinz.jpg
Dr. med. Heinz Bhend (zvg)

Was eine Pandemie ist, haben inzwischen alle mitbekommen. Eine Differentialdiagnose ist eine mögliche Diagnose bei gewissen Beschwerden oder Symptomen. Wir müssen als Gesellschaft möglichst bald vom Pandemie-Modus in den Differentialdiagnose-Modus wechseln.  Covid-19 wird uns erhalten bleiben - und wohl auch in zehn Jahren noch eine Möglichkeit einer Erkrankung mit Komplikationen, Hospitalisationen und Intensivpflegebedarf sein; also eine Differentialdiagnose wie andere Krankheiten, von denen niemand mehr spricht, als ob es sie nicht mehr gäbe.

«Abflachen der Kurve» (flatten the curve, Anzahl Fälle pro Zeiteinheit) war die Devise seit Beginn der Pandemie. Konkret bedeutet dies, Massnahmen zu ergreifen, welche einen schnellen und unkontrollierten Anstieg der Infektionen ausbremsen, um damit eine Überforderung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Wir erinnern uns alle noch an die Modellrechnungen der Experten. Zum Glück ist nicht alles eingetroffen, was prophezeit wurde. Die Interpretationen waren dann schnell zur Hand, dass eben die Massnahmen gegriffen hätten, die Bevölkerung sehr diszipliniert sei usw.

Sich darüber streiten, welche Massnahme genau was bewirkt hat, können wir dann eventuell in drei Jahren. Aktuell ist nur klar, dass noch vieles unklar ist. Die Pandemie hat trotz der Massnahmen eine Eigendynamik, welche kaum im Voraus berechnet werden kann. Wir machen aktuell einen riesigen Feldversuch mit der Delta-Variante, möchten gerne wissen, wie viele der Infizierten hospitalisiert werden müssen oder sogar einen IPS-Platz beanspruchen. Das wissen wir aber erst durch kontinuierliches Monitoring, das heisst während und dann einigermassen sicher erst nach der Pandemie.

Die Pandemie wird dann vorbei sein, wenn die Infektionszahlen sich auf tiefem Niveau halten, nur wenige der Infizierten eine Spitalbehandlung nötig haben und dies, obwohl alle Massnahmen weg sind. Ja, alle Massnahmen!  Keine Masken mehr, weder drinnen noch draussen, kein Impfnachweis, keine Testpflicht vor irgendeinem Anlass oder Raum. Wenn wir an diesem Punkt sind, ist die Pandemie vorbei und Covid-19 beschäftigt «nur» noch die Ärzte und Spitäler.  Ich formuliere dies als Endpunkt der Pandemie. So weit sind wir noch nicht.

Solange wir irgendwelche Massnahmen haben, versuchen wir immer noch nichts anderes als die Kurve abzuflachen.  Dies heisst aber zwangsläufig auch: So lange Massnahmen verfügt sind, verlängert sich die Pandemie.

Irgendwann müssten wir zur Einsicht kommen, rasch normalisieren und einen – dann hoffentlich letzten - Anstieg in Kauf zu nehmen.

Eine Illustration, dass damit nicht ewig zugewartet werden kann, ist folgende Überlegung: Zweifach geimpfte Personen haben zirka 14 Tage nach der zweiten Impfung den höchsten Antikörpertiter, das heisst zumindest theoretisch dann die beste Abwehr. Ab dieser Zeit beginnt die Antikörper-Konzentration in der Blutbahn zu sinken und wird irgendwann, nach einem halben oder ganzen Jahr (allenfalls noch länger), unter den kritischen Wert sinken, an dem eine dritte, später dann vierte usw. Impfung nötig wird, um eine erneute Infektion zu vermeiden. Die wohl bessere und einfachere Möglichkeit wäre, dass geimpfte Personen immer wieder die «Chance» haben, mit Infizierten in Kontakt zu kommen und dabei (unbemerkt) ihren Antikörper-Titer wieder erhöhen. Dies ist bei anderen Infektionen als «stille Feiung» bestens bekannt. Konkret: Wenn sich die Geimpften noch lange schützen, wird die dritte Impfung zwangsläufig nötig werden. Oder etwas salopper formuliert: «Je Schutzmassnahmen, desto sicherer weitere Impfungen».  Ungeimpfte dürfen frei entscheiden, sich nicht zu impfen und damit ihr Risiko «selber in die Hand nehmen». Ich möchte als Geimpfter auch selbst entscheiden können und mein Risiko abwägen. Ab sofort würde ich zum «Normalbetrieb» zurückkehren mit dem Wissen, dass Kontakte zu Infizierten mir eher nützen als schaden. 

Noch ein Gedanke: mit Blick auf die ganze Weltbevölkerung ist es beinahe unethisch uns die dritte Impfung zu «schnappen», während andere auf der Erdkugel nicht mal die Chance für eine Erstimpfung haben.

Mein Fazit: sobald die Zahlen der Spitaleintritte wegen Covid-19 wieder sinken, Normalisierungsphase durchziehen, nicht nur davon reden.  Aktuell ist diese nur ein anderes Etikett für einen unveränderten Inhalt.

Lesen Sie auch zu diesem Thema:

«Ich wünsche Ihnen eine Corona-Infektion… (08.04.2020)

Einen erneuten Lockdown darf es nicht geben (28.09.2020)

 

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

An B. Kerzenmacher

A. Bühler
schrieb am 11.09.2021 04:59
"Die, die ihre Erkrankung überleben, werden sich in Zukunft vermutlich impfen lassen.."
Öhm, nein!
WESHALB soll sich einer, der die Krankheit hatte denn noch Impfen lassen???
Nach einer Infektion hat der Körper Abwehrkräfte gebildet, das ist der Sinn eines Abwehrsystems! Und erzählen Sie jetzt bitte nichts zur xy-Variante, denn das ist genau das selbe wie mit der jährlichen Influenza-Impfung (oder anderen) die nicht an die spezielle Mutation angepasst ist und daher nicht schützen kann. Das aktuelle Mittel wurde für die ursprüngliche "Wuhan"-Version entwickelt! ;)

Wie lange noch Einschränkungen?

Esther Bärtschi
schrieb am 05.09.2021 19:37
So langsam aber sicher fühle ich mich nur noch verarscht! Im April bekam ich die zweite Impfung. Ich liess mich impfen um endlich auch wieder mehr Freiheit zu geniessen. Wo steh ich heute? Immer noch überall Maskentragepflicht. Kein auch nur annäherndes "normales" Einkaufen, ÖV geniessen, in ein Restaurant gehen ohne stehts "maskiert zu sein. Den Gipfel der Frechheit erlebte ich letzten Freitag. Ich reiste mit meiner Patentante nach Bern und im Zug sassen wir nebeneinander! Weil wir etwas früh dran waren, tranken wir im Eingangsbereich des Inselspitals noch einen Kaffee. Wir sind Beide 2x geimpft, reisten zusammen an aber durften nicht am gleichen Tisch sitzen!? Alles nur Verarschung pur oder was? Ich bin stinkesauer! Es reicht!

Vernünftige Stimme im Corona-Wahn

Heinz Fritschi
schrieb am 01.09.2021 12:59
"Nur" ein Hausarzt, aber klüger als viele "Wissenschaftler", die uns mit ihrer Propaganda bombardieren. Sehr guter Beitrag, eigenständige Meinung im Mainstream des Corona-Wahns.

Was mich an der ganzen Diskussion ärgert: Schuldzuweisungen an "Ungeimpfte", Einschränkungen und Diskriminierung führen zu einem Glaubenskrieg; auf der einen Seite die "Guten", Geimpften; auf der anderen Seite die "Bösen, Verantwortungslosen", die Ungeimpften-und-trotzdem-Gesunden. Diese Haltung darf nicht zu einer Apartheid im Gesundheitswesen und in der Gesellschaft führen. Impfung schützt nicht unbedingt vor Erkrankung und nicht vor Weitergabe des Virus. Ungeimpfte sind keine "Gefahr" für andere Menschen.

Virus

B. Kerzenmacher
schrieb am 29.08.2021 11:38
Die Gegner der Corona-Massnahmen sägen genau den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen.
Früher oder später werden sich diese Leute mit Covid infizieren.
Die, die ihre Erkrankung überleben, werden sich in Zukunft vermutlich impfen lassen,
weil langsam ersticken kein erstrebenswerter Zustand ist.
Leute, die nichts dazulernen wollen, sterben letztendlich aus. Mit der Zeit dürfte es dann etwas ruhiger werden.
Natürlich ironisch gemeint.

Unlock statt Lockdown

H.Bider
schrieb am 28.08.2021 10:55
Super guter Bericht das sollten alle Politiker denken und umsetzen. Herr Berset ist am Hebel. Der Steuerzahler ist dankbar es spart Millionen in der Staatskasse.
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Hotel Restaurant-Adelboden
Service-Aushilfe, Mitarbeiter,
Müller
Verkaufberat. Naturkosmetik, Mitarbeiter, Langendorf
Müller
Verkaufsberater Schreibwaren, Mitarbeiter, Langendorf
Home Instead
Teilzeitselle im Stundenlohn, Mitarbeiter,
Pieroth Romanet SA
Hilfe!! Ich brauche DICH, Mitarbeiter,
Restaurant Schwendi
Koch EFZ / BG 1000%, Mitarbeiter,
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner