Müssen auch geimpfte Schülerinnen und Schüler in Quarantäne? Die wichtigsten Antworten zur aktuellen Coronalage an den Aargauer Schulen

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Covid-19-Ausbruchsuntersuchung an der Primarschule Dorf in Windisch am 26. Mai 2021. Bild: Severin Bigler

1. Wie viele Schulklassen befinden sich derzeit in einer vom Kanton verfügten Quarantäne?

Am Dienstag waren laut Departement Gesundheit und Soziales (DGS) 51 Aargauer Schulklassen mit rund 942 Schülerinnen und Schülern in Quarantäne. Eine Woche zuvor, am 7. September, befanden sich 62 Klassen in Quarantäne, über 1000 Kinder und Jugendliche waren betroffen. Insgesamt werden an der Aargauer Volksschule rund 80'000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

2. Wie viele Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren sind im Aargau mindestens einmal geimpft?

Am 9. September waren 31 Prozent der Aargauer Jugendlichen in dieser Alterskategorie mindestens einmal geimpft. Neue Zahlen veröffentlicht das Gesundheitsdepartement am Donnerstag. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weist für die gesamte Schweiz bei den 10- bis 19-Jährigen am 12. September 10,87 Prozent mindestens einmal Geimpfte aus.

3. Wie gefährlich ist das Coronavirus für Kinder und Jugendliche eigentlich?

Laut BAG ist das Risiko bei Kindern gering, schwer an Covid-19 zu erkranken. Gemäss dem bisherigen Wissensstand gibt es bei Kindern und Jugendlichen auch keine besonders gefährdeten Personengruppen, bei denen zusätzliche Schutzmassnahmen nötig sind. Die hochansteckende Delta-Variante trifft auch die Kinder, allerdings sind die Verläufe auch bei «Delta» in aller Regel mild.

4. Müssen geimpfte Schülerinnen und Schüler in Quarantäne, wenn sie direkten Kontakt zu Angesteckten hatten oder die ganze Klasse oder Schule in Quarantäne geschickt wird?

Nein. Geimpfte sind allgemein von der Quarantäne ausgenommen, das gilt auch für Schülerinnen und Schüler.

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Bild: Valentin Hehli / LTA

 

5. Was ist mit Kindern, die bereits einmal angesteckt waren und darum als genesen gelten?

Auch diese sind von der Quarantäne ausgenommen – für sechs Monate nach der Infektion.

6. Was passiert mit Geimpften und Genesenen, wenn ihre ganze Klasse oder Schule in Quarantäne geschickt wird?

Geimpfte und Genesene müssen auch nicht in Quarantäne, wenn ihre Klasse oder Schule unter Quarantäne gestellt wird. Aber sie nehmen wie der Rest der Klasse am Fernunterricht teil, bis wieder alle im Präsenzunterricht sind – aus organisatorischen Gründen. Ansonsten sind sie nicht betroffen, sie dürfen sich frei bewegen, nach draussen gehen und andere Leute treffen.

7. Wann wird Quarantäne für eine ganze Klasse oder Schule verordnet?

Wenn zwei oder mehr Kinder derselben Klasse in einem Abstand von weniger als zehn Tagen positiv getestet werden, oder eine Lehrperson positiv getestet wird, kann die Quarantäne einer Klasse notwendig sein. Diese Infektionsausbrüche werden aber situativ beurteilt.

8. Kann die Quarantäne für Schülerinnen und Schüler verkürzt werden, wenn sie am siebten Tag negativ getestet werden?

Grundsätzlich ist eine verkürzte Quarantäne immer möglich für Personen, die am siebten Tag der Quarantäne ein negatives Testresultat vorweisen können. Das gilt auch für Schülerinnen und Schüler. Das Gesundheitsdepartement kann aber Ausnahmen von dieser Möglichkeit verfügen.

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Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

 

9. Was wäre eine solche Ausnahme, dass die verkürzte Quarantäne Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Ansteckungen an Schulen nicht gewährt wird?

An der Schule Lenzburg hat es letzte Woche eine solche Verfügung gegeben – eine absolute Ausnahmesituation, wie das DGS festhält. Grund dafür war laut Gesundheitsdepartement die Kapazität der Testzentren. Es wäre nicht möglich gewesen, über 600 Schülerinnen und Schüler am siebten Tag gleichzeitig zu testen. Ein Teil hätte sich testen lassen können, ein anderer nicht, was ungerecht gewesen wäre. Es handle sich also um einen ausnahmsweise aufgetretenen logistischen Grund. Sprich: In aller Regel ist die verkürzte Quarantäne möglich.

10. Spielt es betreffend Massnahmen eine Rolle, ob und wie viele Kinder in einer Klasse geimpft sind?

Quarantänemassnahmen werden nicht automatisch für ganze Klassen oder Schulen verhängt, das wird von Fall zu Fall neu beurteilt. Sind in einer Klasse viele Schülerinnen und Schüler geimpft oder genesen, ist es unwahrscheinlich, dass eine Klassenquarantäne verfügt wird – insbesondere, weil Geimpfte und Genesene nicht in Quarantäne müssen.

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Bild: Christian Merz / KEYSTONE

 

11. Ist die verordnete Quarantäne verbindlich?

Ja. Für alle sind die Anordnungen des Kantonsärztlichen Diensts oder des Contact-Tracing-Centers Aargau sowie die Anweisungen zur Isolation und Quarantäne des BAG bindend. Der Kantonsärztliche Dienst und das Contact-Tracing-Center entscheiden auch über Klassen- oder Schulschliessungen – ebenfalls verbindlich. Ein Kind in Isolation darf keinen Kontakt zu Personen ausserhalb des Haushaltes haben, steht nur das Kind unter Isolation, so sollte der Kontakt zu anderen Haushaltsmitgliedern so weit wie möglich reduziert werden.

12. Müssen Eltern ihr Kind zur Schule schicken, wenn sie sich vor Ansteckungen fürchten?

Ja, die Schulpflicht war in der Pandemie nie aufgehoben. Ist der Präsenzunterricht erlaubt, müssen die Kinder in die Schule. Bei einem positiven Testresultat muss ein Kind daheimbleiben und sich isolieren.

13. Wie funktioniert das repetitive Testen an Schulen?

Alle Schulen können am repetitiven Testen, das vom Kanton angeboten wird, teilnehmen. Einmal wöchentlich machen die angemeldeten Schülerinnen und Schüler einen PCR-Speicheltest, der gepoolt wird. Das heisst, die einzelnen Proben werden zusammengemischt. Fällt der Pool-Test negativ aus, passiert nichts. Bei einem positiven Resultat werden Schulleitung, Eltern und Schüler informiert und die Beteiligten werden einzeln getestet. Wer infiziert ist, geht zehn Tage ab Testentnahme in Isolation. Das Gesundheitsdepartement entscheidet je nach Anzahl Fälle situativ, ob eine ganze Klasse oder Schule in Quarantäne muss.

14. Warum machen nicht alle Schulen und nicht alle Schülerinnen und Schüler beim repetitiven Testen mit?

Die Teilnahme an den Tests ist freiwillig, und zwar sowohl für die Schule als auch für die Schülerinnen und Schüler. Sie können nicht von schulischen Anlässen ausgeschlossen werden, wenn sie am repetitiven Testen nicht teilnehmen. Eltern melden ihre Kinder für das repetitive Testen an, wenn die Schule dieses anbietet. Laut Bildungsdepartement wird derzeit an 189 Schulstandorten getestet, was rund der Hälfte aller Schulstandorte im Kanton entspricht.

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Bild: Reto Martin

 

15. Nehmen geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler weiterhin am repetitiven Testen teil?

Für vollständig geimpfte Personen ist laut Gesundheitsdepartement eine Teilnahme an der repetitiven Testung nicht empfohlen, aber möglich. Für Genesene gilt, dass sie drei Monate nach der Infektion nicht am repetitiven Testen teilnehmen. Genaue Zahlen dazu werden vom DGS nicht erhoben.

16. Hat der Kanton genügend Material zur Verfügung, um alle Schülerinnen und Schüler an der Aargauer Volksschule regelmässig zu testen?

Laut DGS gibt es für alle angemeldeten Organisationen und Schulen genügend Testmaterial. Die repetitiven Tests flächendeckend und verpflichtend einzuführen, ist derzeit aber kein Thema. Falls es aktuell würde, könnte das entsprechende Material beschafft werden.

17. Müssen Schülerinnen und Schüler eine Schutzmaske tragen?

Ja, jene ab der 5. Klasse. Seit dem 1. September gilt eine Maskentragpflicht in allen Schulgebäuden der Aargauer Schulen für alle sich dort aufhaltenden Personen. Schülerinnen und Schüler bis und mit 4. Primarschulklasse sind davon ausgenommen. Ausgenommen sind auch der Sportunterricht und sportliche Aktivitäten der Schule. Wo die Maske nicht getragen werden kann – beim Essen in der Mensa oder im Instrumentalunterricht etwa – sind die Abstandsregeln wenn immer möglich einzuhalten. Zwei Aargauer Lehrer sammeln derzeit Spenden, um beim Aargauer Verwaltungsgericht gegen die Maskenpflicht für 5. und 6. Klässler Klage einzureichen.

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Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE

 

18. Werden die Schulen mit CO2-Messgeräten und Luftfiltern ausgestattet, um Ansteckungen zu vermeiden?

Das BAG hält fest, dass die Luftqualität im Schulzimmer einen grossen Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit aller Beteiligten hat. Regelmässiges Lüften sei zur Vorbeugung wichtig. Lüftungsanlagen haben einen ähnlichen Effekt wie geöffnete Fenster: Die Co2-Konzentration sinkt, weil mehr Sauerstoff in der Luft ist. Gleichzeitig wird die Luft gefiltert. Die Aargauer SP will alle Klassenzimmer mit Luftfiltern und Messgeräten ausstatten lassen, auch weil nicht alle Schulzimmer optimal gelüftet werden können. Der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband unterstützt das. Noch steht die Antwort der Regierung aus.

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