Dritter Impfstoff kommt in die Schweiz: Bei Johnson & Johnson reicht eine Dosis, doch gibt's dafür auch das Zertifikat?

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Bei der Impfung von Johnson & Johnson braucht es nur einen Piks. Sie soll Allergikern eine Alternative bieten, die sich mit den Impfstoffen von Pfizer/Biontech oder Moderna nicht impfen lassen können. Bild: Imago

1. Was ist das Spezielle am Impfstoff von Johnson & Johnson (J&J)?

Für jene, die sich mit Ad26.COV2.S – so der offizielle Name des Impfstoffs – immunisieren lassen wollen, gibt es zwei wesentliche Unterschiede: Erstens reicht eine einzige Impfung, bei Moderna und Pfizer/Biontech sind es zwei. Zweitens handelt es sich bei J&J nicht um einen Impfstoff der neuen mRNA-Methode, sondern um einen sogenannten vektorbasierten Impfstoff; das trifft auch auf AstraZeneca zu.

2. Wie wirkt der Impfstoff von Johnson & Johnson?

Der Vektorimpfstoff basiert auf einem menschlichen Adenovirus, das sonst Erkältungen verursacht, für die Impfung aber unschädlich gemacht wurde. Dafür wurde die Virushülle mit einem Stück DNA des Sars-CoV-2-Virus «beladen». Der Abschnitt codiert für das Oberflächenprotein (Spike-S-Protein) des Virus. Mit den Viren wird diese DNA in die Zellen gebracht, die dann das Protein produzieren, welches als Antigen für das Immunsystem dient. Das Immunsystem reagiert mit der Bildung von Antikörpern und T-Zellen.

3. Erhalten Geimpfte, die Johnson & Johnson verabreicht bekommen, dasselbe Zertifikat wie jene, die Moderna oder Pfizer bekamen?

Ja, es ist gleichwertig. Im Covid-Zertifikat wird die Art des Impfstoffs vermerkt.

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Auch wer sich mit der einmaligen Impfung von Johnson & Johnson impft, bekommt ein Zertifikat. Bild: Christian Beutler / KEYSTONE

 

4. Ist der Stoff von Johnson & Johnson ebenso wirksam gegen Delta wie Moderna und Pfizer?

Nein, gemäss den Impfeffizienz-Studien hat der Impfstoff Covid-19 «Vaccine Janssen» nur eine Wirkung von durchschnittlich 66,9 Prozent. Interessanterweise scheint der Stoff bei Älteren besser zu wirken – bei den mRNA-Impfstoffen ist es umgekehrt. In der Altersgruppe der 18–64-Jährigen erreicht der Stoff demnach eine Effizienz von 64,2 Prozent und bei der Gruppe 65+ einen von 82,4 Prozent. Schwere und kritische Krankheitsverläufe können mit dieser Impfung zu fast 85 Prozent verhindert werden.

5. Hat Johnson & Johnson andere Nebenwirkungen?

In den sehr seltenen Fällen vermutlich schon. Die in den klinischen Studien am häufigsten dokumentierten Nebenwirkungen sind zwar ebenfalls Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle oder Übelkeit während ein bis zweier Tage. Im Unterschied zu den mRNA-Impfstoffen trägt aber «Vaccine Janssen» wie auch der Stoff von AstraZeneca das geringe Risiko einer Sinusthrombose – einem Gerinsel in einer Gehirnvene, was meist harmlos verläuft. Und auch das Risiko der Nervenkrankheit Guillain-Barré, die zu (meist vorübergehenden) Lähmungen führen kann. Während vom Guillain-Barré-Syndrom eher Leute ab 50 betroffen sind, tritt eine Sinusthrombose eher bei jüngeren Frauen auf.

Beide Risiken treten auch bei einer Corona-Infektion auf. Warum die beiden Vektorimpfungen das Risiko ebenfalls bergen, aber die mRNA-Impfungen nicht, ist ungeklärt. Eine Möglichkeit wäre, dass die Immunreaktion bei diesen traditionellen Impfstoffen länger läuft.

6. Was ist der Unterschied zu den mRNA-Impfstoffen?

Die von den Vektorviren in die Zelle gebrachte DNA wird im Zellkern zu mRNA umgeschrieben und dient den zelleigenen Proteinfabriken (Ribosomen) als Vorlage für die Produktion des Spike-Proteins. Bei den mRNA-Impfstoffen wird direkt mRNA in die Zelle gebracht. Danach ist die Wirkung gleich. Anstelle eines «ausgehöhlten» Adenovirus ist der Wirkstoff bei den mRNA-Impfstoffen von Lipid-Partikeln (Fettkügelchen) umhüllt.

7. Braucht es auch bei Johnson & Johnson eine Booster-Impfung?

In den USA wird Johnson & Johnson seit langem verabreicht, schon 14 Millionen Personen haben ihn dort bekommen. Die Frage, ob eine Booster-Impfung nötig ist, wird in Amerika gerade kontrovers diskutiert. Gemäss Studien ist bei diesem Vektorimpfstoff eine Booster-Dosis besonders wichtig, da die Effizienz weniger gut ist als bei den mRNA-Stoffen. Die US-Gesundheitsbehörden verzichten aber bislang darauf, Menschen, die J&J erhielten, eine zweite Dosis zu empfehlen. Sie tun dies nur bei den mRNA-Impfstoffen, was Wissenschafter kritisierten.

8. Wie viel J&J-Impfstoff hat der Bund bestellt, und wann ist er verfügbar?

Das BAG hat dazu noch keine Details veröffentlicht. Aus den Kantonen sickert durch, dass der Bund ihnen bloss mitgeteilt hat, sie sollen sich auf eine baldige Lieferung von Johnson & Johnson vorbereiten. Es werden kleinere Mengen sein als bei Moderna und Pfizer/Biontech. Dies auch darum, weil das J&J-Produkt nicht für die breite Masse der Bevölkerung vorgesehen ist, sondern für Leute, die besser auf diesen Vektorstoff ansprechen als auf die Vakzine, die mit der neuen mRNA-Methode entwickelt wurden. Das könnten beispielsweise Allergiker sein.

Die Nachfrage könnte aber trotzdem gross sein, denn dass nur eine Impfung nötig ist, dürften viele Leute als Vorteil erachten. Bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Pfizer/Biontech treten Nebenwirkungen oft nach der zweiten Dosis auf.

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Warteschlange vor Basler Impfzentrum beim Congress Center. Auch bei der Johnson-&-Johnson-Impfung könnte die Nachfrage gross sein. Bild: Juri Junkov

 

9. Bei welchen Allergien ist Johnson & Johnson zu empfehlen?

Gemäss BAG ist J&J primär für Personen vorgesehen, die sich aus medizinischen Gründen nicht mit einem mRNA-Impfstoff schützen könnten, weil sie beispielsweise auf einen Inhaltsstoff allergisch reagierten. Allergien, die das Impfen mit den Präparaten von Pfizer oder Moderna verunmöglichen, sind allerdings sehr selten. Trotzdem ist die Verunsicherung bei Menschen mit Allergien gross.

Lukas Jörg, Spitalfacharzt an der Poliklinik für Allergologie und klinische Immunologie am Inselspital Bern, sagt: «Seit Januar 2021 haben wir zahlreiche Anfragen zu der Covid-19-Impfung und Allergien. Neben unserem regulären Tagesgeschäft behandeln wir pro Tag zusätzlich 40 bis 60 Anfragen und Zuweisungen zur Covid-19-Impfung und zu Allergien oder Nebenwirkungen.»

Meist ist eine Impfung problemlos möglich, in einigen Fällen empfehlen die Fachleute, vor der Impfung ein Antihistaminikum einzunehmen. Personen, die auf Nahrungsmittel, Pollen, Hausstaubmilben, Tiere, Insektengifte oder Latex allergisch sind, können ganz normal geimpft werden, auch mit mRNA-Vakzinen.

10. Spielt politischer Druck bei der Zulassung von Johnson & Johnson eine Rolle?

Von der Heilmittelbehörde Swissmedic ist J&J bereits seit längerem zugelassen. Doch der Bund hat bislang noch keinen Stoff eingekauft; das tut er jetzt. Politischer Druck könnte durchaus eine Rolle gespielt haben. So gelangt der St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler an den Bundesrat mit mehreren Fragen.

Er schreibt: «Ein Teil der Bevölkerung ist nicht grundsätzlich gegen Impfungen, sondern steht der neuen Technologie der mRNA-Impfstoffe skeptisch gegenüber.» Dobler erkundigt sich nach dem Stand der Verhandlungen, Zulassungen und Lieferbarkeit von Impfstoffen, die nicht auf mRNA basieren. Auch Nationalrat David Zuberbühler (SVP/AR) will Auskunft vom Bundesrat. Er fragt: «Ist der Bundesrat der Ansicht, dass ein erweitertes Impfangebot mit klassischen Impfstoffen Menschen zum Impfen motivieren könnte?» Der Bundesrat wird die Fragen am kommenden Montag beantworten.

11. Welche Vorteile hat der Johnson-&-Johnson-Impfstoff für Arztpraxen und Apotheken?

Die Lagerung ist einfacher als bei mRNA-Präparaten, die bei eisigen Temperaturen transportiert und aufbewahrt werden müssen (minus 70 Grad). Bei Johnson & Johnson sind keine speziellen Kühlvorrichtungen und Transportcontainer nötig, sie können bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad gelagert werden. Die Schwachstelle der Vektorimpfstoffe ist andererseits, dass das Immunsystem auf den Vektorvirus reagieren und verhindern kann, dass der Impfstoff überhaupt in die Zellen gebracht werden kann.

12. Welche Behauptungen im Zusammenhang mit Vektorimpfstoffen treffen nicht zu?

Es wird zwar Viren-DNA in die Zellen gebracht, durch die Impfung entstehen aber keine Viren. Es wird lediglich ein spezielles Virenprotein produziert und von den Zellen ausgestossen. Auch die Vektorviren können sich nicht vermehren.

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