Der Vergleich lohnt sich: Vier von fünf Versicherten könnten bei einem Krankenkassenwechsel viel Geld sparen

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Die Schweizerinnen und Schweizer sind beim Wechseln der Krankenkasse besonders träge. Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Um die Krankenkassenprämien wird jedes Jahr ein grosses Geheimnis gemacht. Nicht nur darüber, wie stark der Anstieg ist, sondern vor allem auch über das Datum, an dem Gesundheitsminister Alain Berset vor die Medien tritt. Nächste oder übernächste Woche dürfte es wieder einmal so weit sein. Trotz Corona, eine negative Überraschung ist so gut wie ausgeschlossen. Es zeichnet sich ab, dass nur wenige Versicherte ihre Verträge kündigen werden. Fünf Gründe, weshalb das so ist.

Der Prämienaufschlag dürfte moderat ausfallen


Nur gerade 6,8 Prozent der Versicherten haben sich gemäss einer repräsentativen Umfrage des Beratungsunternehmens Accenture per 1. Januar 2021 für eine neue Versicherung entschieden. Die Ankündigung einer durchschnittlichen Erhöhung der Prämien von 0,5 Prozent erklärt diesen tiefen Wert.


«Die Wechselbereitschaft der Versicherten korreliert mit dem Anstieg der Prämien», sagt Accenture-Krankenversicherungsexperte Marcel Thom. Der Preis ist der mit Abstand wichtigste Grund für einen Wechsel: Steigen die Prämien stark an, so suchen viele nach einer günstigeren Kasse, ist der Anstieg moderat, gibt es für viele keinen Grund für einen Wechsel.


Auch 2022 droht trotz Corona keine «Prämienexplosion». Comparis-Krankenkassenspezialist Felix Schneuwly rechnet mit einem Anstieg von unter 1 Prozent. Zu wenig, um das grosse Krankenkassenkarussel zum Drehen zu bringen. Gemäss Schneuwly haben die Versicherten eine sehr hohe Schmerzgrenze. Die Hälfte der Versicherten würde erst bei einem Kostenanstieg ab 25 Franken pro Monat die Kasse wechseln. «Vier von fünf Versicherten schätzen ihr Sparpotenzial zu tief ein.»

Die Kassen können Reserven abbauen und haben mehr Spielraum


Die Krankenkassen sitzen auf einem riesigen Reserveberg von über 11 Milliarden Franken. Das ist doppelt so viel wie gesetzlich vorgeschrieben. Zu viel, findet der Bundesrat. Er hat zwar davon abgesehen, die Krankenkassen zu zwingen, ihre Reserven abzubauen, aber zumindest verordnet, dass die Kassen ihre Reserven mit tieferen Prämien abbauen können.

Ob viele davon Gebrauch machen, sei unklar, sagt Schneuwly. Das liege daran, dass der Bundesrat nur die Verordnung, nicht aber das Gesetz angepasst habe. Dort drin steht weiterhin, dass die Kassen dem Bund kostendeckende Prämien zur Genehmigung vorzulegen hätten. Laut Schneuwly zögerten deshalb viele Kassen, zu knapp zu kalkulieren – aus Angst, vom Bundesamt für Gesundheit zurückgepfiffen zu werden.

Da die Kassen mit den Reserven an den Börsen viel Geld verdienen, könnten sie dieses Jahr zum vierten Mal in Folge nicht kostendeckende Prämien zur Genehmigung einreichen. Der Kapitalertrag aus den Reserven hat in den letzten Jahren gereicht, um die Betriebsdefizite zu decken und weiter Reserven anzuhäufen.
Mit Rückzahlungen an die Versicherten können die Krankenversicherer schon länger Reserven abbauen. So kamen in der Vergangenheit etwa Versicherte von Concordia, Groupe Mutuel, Sympany oder Assura in den Genuss von Rückzahlungen. Noch machten davon aber nur wenige Kassen Gebrauch, moniert Schneuwly.

Die Günstigkassen verschwinden


Billigkassen mit schlankem Service, aber attraktiven Prämien für Wechselwillige verschwinden zunehmend vom Markt. Zuletzt hat die CSS angekündigt, den Billigcarrier Sanagate per 1. Januar 2022 vom Markt zu nehmen. Zudem wird auch die Marke Intras vom Markt genommen. Auch Helsana kündigte per Ende Jahr die Einstellung von Progrès an. Groupe Mutuel, die Erfinderin der Vielmarkenstrategie, hat die Zahl ihrer diversen Kassen zuletzt ebenfalls drastisch reduziert.

«Das ist eine direkte Folge der Anpassung des Risikoausgleichs», sagt Marcel Thom. Es lohne sich nicht mehr, junge, gesunde Versicherte zu bündeln. Diese Kassen müssen nun viel mehr Geld in den Risikoausgleich zahlen. Nutzniesser sind die Kassen, die ein diversifiziertes Versichertenspektrum haben. «Das Geschäftsmodell von Billigkassen ist mit den hohen Ausgleichszahlungen nicht mehr attraktiv», sagt Thom.

Alternative Versicherungsmodelle boomen


Umgekehrt boomen die alternativen Versicherungsmodelle wie Hausarztmodell oder Telemedizin. Statt auf zusätzliche Marken zu setzen, diversifizieren die Krankenversicherungen ihr Angebot innerhalb ihrer Kassen immer stärker. Gemäss einer aktuellen Umfrage von Accenture haben nur noch 16 Prozent der Versicherten das Standardmodell ohne Rabatt.

«Im Unterschied zu den Billigkassen erhalten Versicherte bei alternativen Versicherungsmodellen neben attraktiven Prämien auch den besseren Rundumservice», sagt Thom. Und preislich können diese Modelle durchaus mit den Günstiganbietern mithalten, sagt er. «Je nach Modell liegen bis zu 25 Prozent Rabatt für Versicherte drin», sagt er. Auch Schneuwly begrüsst diese Entwicklung. Allerdings findet er: «Teils sollte da noch viel mehr möglich sein.» Mit besseren alternativen Versicherungsmodellen könnte die medizinische Versorgung noch besser sowie effizienter werden und so noch günstigere Prämien ermöglichen.

Die Vermittler rufen nicht mehr an


Anfang Jahr haben die Krankenversicherer ein Gentlemen’s Agreement (aka Branchenvereinbarung) getroffen. Dabei haben sie gemeinsame Regeln für die Zusammenarbeit und Entschädigung getroffen. Dabei geht es insbesondere darum, wie der Konkurrenz Kunden abgejagt werden dürfen.

Für das breite Publikum von Bedeutung ist vor allem das Verbot der sogenannten Kaltakquise. Die ärgerlichen Telefonanrufe von Versicherungsverkäufern, die Personen vom Wechsel der Grund- und Zusatzversicherung zu einem anderen Anbieter überzeugen wollen, sind verboten. Die Krankenkassen haben sich verpflichtet, auf den Kontakt mit potenziellen Kunden zu verzichten, mit denen keine Geschäftsbeziehung besteht oder seit drei Jahren keine Beziehung mehr bestanden hat. Verstösse können hohe Bussen zur Folge haben. «Da diese Vermittler in der Vergangenheit rund 50 Prozent der Wechsel beeinflusst haben, gehe ich davon aus, dass dieses Jahr noch weniger Personen zu einer anderen Versicherung wechseln werden», sagt Thom.

Trotz allem: Der Vergleich lohnt sich

Auch wenn der Anstieg der Krankenkassenprämie dieses Jahr moderat ausfallen dürfte, Nullrunden oder gar etwas tiefere Prämien möglich sind, lohnt sich ein Vergleich der verschiedenen Angebote trotzdem. «Wenn jemand in den Genuss einer Nullrunde kommt, aber beim teuersten Anbieter seiner Prämienregion versichert ist, dann kann sich ein Wechsel durchaus auszahlen», sagt Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis. Die Unterschiede zwischen der teuersten und der günstigsten Krankenversicherung können je nach Prämienregion «ziemlich gross» sein. Versicherte könnten so schnell mehr als 25 Franken pro Monat einsparen, sagt Schneuwly.

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