Cup: Interessante Abwechslung oder Pflichtveranstaltung? – MIT AUDIO

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Pascal Kamber vs. Michael Wyss

Pascal Kamber: Am Wochenende wurde im Schweizer Fussball-Cup die zweite Hauptrunde ausgetragen. Einmal mehr zogen die Affichen zwischen krassem Aussenseiter und haushohem Favoriten die Massen an: Trotz Regen und tiefen Temperaturen verfolgten fast 4000 Zuschauer in Solothurn, wie sich Meister YB mit 7:1 gegen den 2.-Ligisten Iliria durchsetzte. Das gleiche Bild präsentierte sich in der Ostschweiz, wo sogar 4300 Zuschauer dem 3:0-Erfolg des FC Basel beim 2.-Liga-inter-Klub Rorschach-Goldach beiwohnten. Einem Grossteil der anwesenden Personen im Stadion dürfte die sportliche Ausgangslage herzlich egal gewesen sein. Ihnen ging es um das Erlebnis, einmal im Leben den eigenen Dorfklub gegen einen der Grossen des Schweizer Fussballs spielen zu sehen. Genau solche Volksfeste sind es doch, die die Faszination Cup ausmachen.

Michael Wyss: Das ist schön und soll auch so bleiben. Aber ganz so einfach ist es für einen Dorfklub nicht mehr, sich auf einen solchen Event vorzubereiten. Es ist viel Herzblut und Einsatz von freiwilligen Helfern notwendig, um etwa den strengen Sicherheitsvorschriften gerecht zu werden. Die Zuschauer merken das kaum und können es geniessen, gewisse Vereine stossen aber an ihre Grenzen. Und weniger Arbeit wird es in Zukunft nicht unbedingt geben. Zudem nutzen viele grosse Vereine den Cup, um ihren Ersatzleuten einmal Auslauf und eine Bühne zu bieten. Wer wegen den Topstars mit den klingenden Namen gekommen ist, schliesslich aber nur eine aufgemotzte Juniorenauswahl zu sehen bekommt, dürfte ein wenig enttäuscht sein.

pka: Dieses Risiko besteht, wobei das nicht heissen muss, dass die zweite Garde einen schlechteren Fussball bietet. Und dem Kassier des gastgebenden Klubs dürfte dieser Umstand eine untergeordnete Rolle spielen, schliesslich winkt am Ende des Tages ein stolzer Betrag auf der Einnahmen-Seite, den die Amateurklubs in der Schweiz bis und mit der dritten Cuprunde nicht mit dem Gegner teilen müssen. Hinzu kommt, dass die Profivereine den Cup längst nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen, weil sich der Champion in den meisten Ländern für einen Europacup-Wettbewerb der Folge-Saison qualifiziert. Diese Aussicht wertet den Cup zusätzlich auf.

mwy: Eine schöne Aussicht, aber meines Erachtens nicht ganz fair. Mit etwas Losglück, auch wenn in den ersten beiden Hauptrunden die besten Teams nicht aufeinander losgelassen werden, etwas Verletzungspech bei den Gegnern oder sonstigen äusseren Einflüssen setzt sich letztlich vielleicht ein Verein durch, der es aufgrund der Leistungen gar nicht unbedingt verdient hat. Wenn du jedoch am Ende einer Meisterschaft über ungefähr zehn Monate am konstantesten warst, holst du den Titel sicher zurecht.

pka: In meinen Augen trägt genau dieser Aspekt viel zur Cup-Faszination bei. Der Cup lebt vor allem in der Anfangsphase des Turniers von den Duellen zwischen Unter- und Oberklassigen, in denen Erstere mit aller Macht versuchen, dem Favoriten ein Bein zu stellen. Ausserdem hat man in jedem Spiel die Garantie, dass mindestens ein Tor fällt – wenn nötig erst in der Verlängerung oder dann im Elfmeterschiessen. Diese Ausgangslage sorgt für eine erfrischende Abwechslung zum bisweilen öden Meisterschaftsalltag.

mwy: Es kann aber auch ins Gegenteil schwappen. Im Fussball mag es ja vorkommen, dass auch ein 2.-Ligist einmal einen Super-League-Klub eliminieren kann. Das ist in anderen Sportarten, bei denen der Cup auch eine sehr untergeordnete Rolle spielt, aber kaum möglich, weil die Grundvoraussetzungen derart unterschiedlich sind, dass eine solche Überraschung nie und nimmer zur Realität wird. Ich als Spieler hätte es auch interessant gefunden, mich mit den Besten zu messen, aber eben auch nur mit Aussicht auf ein «anständiges» Schlussresultat.

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