Die 300-Franken-Freigrenze fällt – bricht das dem Einkaufstourismus das Genick?

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Der Einkauf im grenznahen Deutschland lohnt sich für Schweizer vor allem dank der Freigrenze von 300 Franken. Bild: Hans Christof Wagner (07.11.2020)

Der Ständerat hat am Dienstag einer Motion zugestimmt, die den Einkaufstourismus einschränken soll. Eingebracht hat sie FDP-Ständerat Ruedi Noser. Um den Schweizer Detailhandel zu unterstützen, hatte er eine Absenkung der Mehrwertsteuer-Freigrenze von 300 auf 50 Franken ins Spiel gebracht.

Ob die Reduzierung in dieser Höhe kommt, bleibt abzuwarten. Tatsache aber ist: Die noch bestehende Freigrenze von 300 Franken pro Person, unter der für die eingeführten Waren keine Mehrwertsteuer entrichtet werden muss, gehört bald der Vergangenheit an.

Volle Kofferräume dank üppiger Freigrenzen

Damit dürfte sich die Fahrt nach Bad Säckingen, Rheinfelden oder Laufenburg immer weniger lohnen – gerade auch für Personen aus Kantonen mit weiten Anfahrtswegen. Für sie lohnt es sich heute noch, weil sie sich dank der üppigen Freigrenze den Kofferraum mit Waren vollpacken konnten – auch um die seit Anfang 2020 geltende Bagatellgrenze von 50 Euro bei der Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer zu umgehen.

«Vielfach hat es sich doch schon vorher nicht wirklich gelohnt, von Graubünden nach Bad Säckingen zum Einkaufen zu fahren, geschweige denn, dass es nachhaltig war», meint Franziska Bircher, Präsidentin von Gewerbe Region Frick-Laufenburg. Sie sagt: «Grundsätzlich begrüsse ich die jetzt beschlossene Freigrenzen-Absenkung. Grundsätzlich ist alles zu begrüssen, was den Einkaufstourismus einschränkt.»

Aber Bircher sagt auch: «Schade ist für mich, dass es dazu gesetzliche Initiativen braucht, dass die Leute nicht von sich aus umdenken.» Corona habe offensichtlich bei vielen zu keiner Mentalitätsveränderung geführt.

«Sicher wird diese Massnahme das Einkaufsverhalten der Schweizer verändern, aber den Einkaufstourismus wird sie nicht zusammenbrechen lassen», schätzt Yvonne Csitei, Inhaberin des Fricker Optikergeschäfts Sehkultur. Das Preisgefälle werde auch so bestehen bleiben – nicht nur im Bereich Brillen und Kontaktlinsen.

Das sieht auch Martin Schmidt, Geschäftsführer des deutschen Lebensmittelhändlers Schmidts Märkte, so. Er gibt sich auf Nachfrage noch gelassen. Er sagt: «Die Schweizer finden den Weg trotzdem zu uns, die kommen nicht nur wegen des Preises.»

Und wenn sie zu Hause 7,7 und 2,5 Prozent Mehrwertsteuer zahlten, machten sie bei den 19 und 7 Prozent, die sie im Deutschen erstattet bekommen, ja immer noch einen guten Schnitt. Und doch geht auch Schmidt davon aus: «Beflügeln wird die Absenkung der Freigrenze den Einkaufstourismus der Schweizer sicher nicht.»

Denn der ist schon jetzt am Schwächeln und hat noch nicht einmal wieder das 2020er Niveau erreicht.

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