Sanft im Ton, aber hart in der Sache: Dieser IT-Unternehmer ist das neue Gesicht der Covid-Opposition

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IT-Unternehmer Josef Ender in der Moränenlandschaft von Neuheim. Bild: Matthias Jurt (Neuheim, 16. September 2021)

Maske? Trägt Josef Ender nicht. Dafür hat er ein ärztliches Attest. Impfung? Ist für ihn kein Thema – «jeder soll selber entscheiden», sagt er. Zertifikat? Will er nicht. Obwohl das in der Kälte ungemütlich wird. «Wir versuchen den Humor zu behalten», sagt er. «Aber wir sind Sans-Papiers geworden.»

Josef Ender, 51, IT-Unternehmer aus Ibach (SZ), ist das neue Gesicht der Massnahmenkritiker. Der Sprecher des Aktionsbündnisses Urkantone, das 2000 Unterstützer zählt, führt die Nein-Kampagne zum revidierten Covid-19-Gesetz an. Die Abstimmung ist am 28. November. Das zweite Covid-Referendum war mit 187'239 Unterschriften zu Stande gekommen.

«Eine Landschaft wie bei den alten Eidgenossen»

Ender empfängt die Journalisten in Neuheim (ZG). Dort hat er seine Informatikfirma im Gebäude einer Autowerkstatt eingemietet. Er beschäftigt fünf Mitarbeiter. Kunden sind vor allem KMU, die IT- und Softwarelösungen benötigen.

Für ein Porträt-Bild führt er uns auf das Hochplateau von Neuheim, wo sich eine der schönsten Moränenlandschaften der Schweiz öffnet. In sanften grünen Hügeln sind einsame Bauernhöfe zu sehen. Kühe beäugen die Szene. «Eine Landschaft wie bei den alten Eidgenossen», sagt Ender.

Wie sieht aktuell die Situation in den Spitälern aus?

Zwar habe sich das Infektionsgeschehen leicht abgeschwächt, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung des Bundesamts für Gesundheit (BAG), am Point de Presse vom Dienstag. Es bestehe aber ein «starkes Risiko», dass eine weitere Infektionswelle bevorstehe.

Die Temperaturen sinken in den kommenden Wochen, weshalb sich die Menschen vermehrt in Innenräumen aufhalten. So könne das Virus wieder schneller zirkulieren, sagte Mathys.

Rückgängig sind auch die Spitaleinweisungen. «Auf sehr hohem Niveau» liegt jedoch die Belegung der Intensivpflegeplätze, betonte Mathys. Drei Viertel der verfügbaren Plätze seien belegt. 30 Prozent der betriebenen Intensivplätze seien durch Covid-19-Patienten besetzt – das sind über 250 Betten.

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«Eine Landschaft wie bei den alten Eidgenossen»: Josef Ender, beäugt von den Kühen. Bild: Matthias Jurt (Neuheim, 16. September 2021)

Er gilt nicht als Scharfmacher, er ist sanft im Ton. «Es muss ein Dialog stattfinden», sagt er. In der Sache bleibt er aber hart. Er hält es mit Michael Esfeld, dem deutschen Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Uni Lausanne, der in der NZZ schrieb: «Vom Coronavirus geht keine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung aus.» Die Infektionssterblichkeitsrate für alle unter 70 Jahren liege bei 0,05 Prozent – «im Rahmen der alltäglichen Risiken wie Autofahren oder saisonale Grippe».

Covid-19 sei für Leute unter 70 Jahren eine mittelschwere Grippe, sagt auch Ender. «Die Massnahmen sind absolut unverhältnismässig in Anbetracht der Risiken. Ihre Schäden sind grösser als die Schäden der Krankheit.»

Mit ihren Aussagen widersprechen Esfeld und Ender in der Einschätzung der Lage der überragenden Mehrheit der Wissenschaft und der Politik (siehe Infobox).

Inzwischen haben die Kritiker ihre Kampagne gegen das revidierte Gesetz gestartet – mit drei Slogans: kein Impfzwang, keine Massenüberwachung, keine Diskriminierung.

Beim Impfen plädiert Ender für «folgenlose Freiwilligkeit». Wer sich nicht impfen lassen will, soll nicht bestraft werden. Eine Massenüberwachung ist für ihn gegeben, weil das Gesetz gemäss Artikel 3b ein «umfassendes digitales Contact-Tracing» vorsieht. Und eine Diskriminierung sieht er, weil das Zertifikat zu einer «Zweiklassengesellschaft» führe.

Das Bundesamt für Gesundheit ist für ihn eine «gute Quelle»

Ender ist gut informiert. Er argumentiert mit Fakten, unterlegt seine Ausführungen mit Gesetzeszitaten, zeigt Statistiken des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Das BAG sei eine «gute Quelle», sagt er. Auch SRF führe «keine schlechten Statistiken». Und aus lokalen Gründen hat er auch den «Boten der Urschweiz» abonniert.

Eine wichtige Referenzgrösse ist für ihn aber vor allem der deutsche Sozial- und Umweltmediziner und Politiker Wolfgang Wodarg. «Er bewahrte uns 2009 bei der Schweinegrippe vor einem Desaster wie heute», sagt Ender. Wodarg wird in Deutschland kritisiert, weil er die Pandemie verharmlose.

 

Ender selbst begann sich im Januar 2020 intensiv mit dem Coronavirus zu beschäftigen. Am 9. Mai 2020 reiste er erstmals an eine Demonstration nach Bern. Tausend Personen hätten sich auf dem Bärenplatz eingefunden, erzählt er. «Die Medien schrieben von 200. Es war wunderbar friedlich.»

«Wenn Unrecht zu Recht wird, ist Widerstand Pflicht»

Eine Woche später war er wieder in Bern, diesmal mit massiver Polizeipräsenz. «Ich trug ein T-Shirt mit einem Schweizer Kreuz und erhielt eine Wegweisung für 48 Stunden wegen Verdacht auf Teilnahme an einer verbotenen Veranstaltung.» Er ging, bog in der nächsten Gasse ab – und kehrte zurück. Das hatte eine Einvernahme in Bern zur Folge.

Am 26. Oktober muss er sich vor dem Bezirksgericht Hochdorf wegen Widerhandlung gegen das Epidemiengesetz verantworten. Es waren mehr als die erlaubten 15 Personen anwesend. Ender streamte für Bittel TV eine Demo gegen Maskenpflicht an der Primarschule. Das lokale TV wurde nicht angezeigt. Das Vorgehen der Behörden empfindet er als «massiv».

Deshalb ist für ihn klar: «Wenn Unrecht zu Recht wird, ist Widerstand Pflicht.» Dieser solle «friedlich und anständig» ablaufen. Darauf lege das Aktionsbündnis Urkantone grosses Gewicht. Auch wenn er es sich schon vorstellen könne, dass in dieser Pandemie Menschen wegen den Massnahmen «die Geduld verlieren und durchdrehen» könnten.

Die Bewegung bereitet sich für die Wahlen 2023 vor

Ziel der massnahmenkritischen Bewegung sei es, dem Volk wieder mehr Macht zu geben. «Das Volk ist der Souverän. Er bestimmt.» Dafür will sich die Bewegung, die aus vielen Organisationen und Vereinen besteht, an den Nationalratswahlen 2023 beteiligen. «Es gibt Arbeitsgruppen dazu», sagt Ender.

Die Idee der Gründung einer Partei ist vom Tisch. Die Bewegung will Bewegung bleiben. Zur Diskussion stehen Nationalratskandidaturen einzelner Gruppierungen oder der Bewegung als Ganzes. Es brauche wieder echte Volksvertreter, sagt Ender. Als man Politiker für Streitgespräche gesucht habe, sei ein einziger angetreten. «Das Parlament macht seinen Job nicht mehr.»

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