Regionales Konzept von zofingenregio: Wo Höhere Bauten künftig Platz finden

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Das untere Wiggertal ist zusammengewachsen. Schwerpunkte fehlen. Hier könnten Höhere Bauten Abhilfe verschaffen. Bild: jam

Sie sorgen für Faszination, Erstaunen, in unserer Region aber häufig auch für Irritation und Diskussionen: Hochhäuser und sogenannte Höhere Bauten. Dabei hätten insbesondere Höhere Bauten das Potenzial, als städtebauliche Elemente «einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Siedlungskörpers und zur Weiterentwicklung der Region zu leisten. Sie vermögen Akzente zu setzen, starke Adressierungen zu bilden und wichtige Achsen zu strukturieren.» So zumindest steht es in der Einführung zum neu erstellten Regionalen Konzept Höhere Bauten des Regionalverbandes zofingenregio.

Gerade weil Höhere Bauten das Siedlungs- und Landschaftsbild grossräumig prägen und verändern, hat sich der Regionalverband entschieden, eine überkommunale Betrachtung möglicher Standorte für Hochhäuser vorzunehmen. Die Ergebnisse wurden Behördenvertretern und Verwaltungsmitarbeitenden der Gemeinden Aarburg, Oftringen, Rothrist und Zofingen am Dienstagabend im ehemaligen Garten des Jugendheim-Chefs auf der Festung Aarburg sowie im Rittersaal präsentiert.

In «luftiger Höhe», wie er es nannte, begrüsste Hans-Ruedi Hottiger die Anwesenden. Gemeinsam liessen sie den Blick über das Wiggertal schweifen. Das EO-Hochhaus und die Omya seien sicher die eindrücklichsten Bauten, sagte Hottiger. «Wenn die ganze Region eine Stadt wäre, hätte man sicher anders geplant. Jetzt ist alles relativ planlos zusammengewachsen. Das Wort Siedlungsbrei müssen wir in den Mund nehmen.» Das habe unter anderem mit der Gemeindeautonomie zu tun.

Konzept dient Gemeinden als Grundlage

Das neue Konzept soll den Gemeinden dabei helfen, zu beurteilen, wo Höhere Bauten geeignet sind und wie sie damit umgehen sollen – eine unterstützende Entscheidungsgrundlage also. In seinem Kurz-Referat erklärte Oliver Tschudin, Raumplaner und Architekt bei der Planar AG, wie das Konzept entstanden ist. «Seit einigen Jahren sind Hochhäuser und Höhere Bauten wieder ein Thema. Allerdings waren in den Gemeinden keine Konzepte dafür vorhanden.» Weil das Wiggertal ein gemeinsamer Raum sei, brauche es die Gesamtsicht. Tschudin betonte: «Ein Hochhaus oder eine Höhere Baute alleine bringt nichts, der Nutzen, der Mehrwert müssen auch gegeben sein.» Heisst: Die Bevölkerung müsse davon profitieren können. Dann werde ein solcher Bau auch akzeptiert.

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Nicht jedes Haus, das hoch ist, ist auch ein Hochhaus. So sieht die Definition von Hochhäusern und Höheren Bauten aus. Bild: zvg

 

Das Team rund um Tschudin schlägt für die Region drei Funktionen von Höheren Bauten vor: Strukturierung und Akzentuierung der Kantonsstrassen, Betonung von Ankunfts- und Rückkehrorten wie Bahnhöfe und Autobahnanschlüsse sowie Erkennbarmachung von Umstrukturierung der Industrieareale mit Clustern. Die Leitidee hält fest, dass als Schwerpunkte urbane Bereiche entlang der Kantonsstrassen K103 und K104, Verkehrsknotenpunkte mit höheren Frequenzen sowie grossflächige Umnutzungen von Gewerbearealen identifiziert wurden. Das Konzept schlägt vier Typen von Bauten vor, die über die Regelbauweise hinausgehen und zur Akzentuierung und Strukturierung des Raums beitragen.
Die Gebäudehöhe ist je nach Ort unterschiedlich

Typ 1 sind Solitäre, also freistehende höhere Gebäude, zur Strukturierung wichtiger Strassenachsen. Der ganze urbane funktionale Raum des unteren Wiggertals von Aarburg über Oftringen, Rothrist bis Zofingen weise eine beträchtliche Siedlungsfläche auf, heisst es im Konzept. Der Raum werde weder durch ein dominantes Zentrum noch durch einzelne Zentren pro Gemeinde gegliedert. Vielmehr präge ein Netz von «Quartierzentren» den Raum. Diese seien städtebaulich und nutzungsbezogen heute teilweise eher schwach ausgebildet. Zudem präge die Kantonsstrasse von Dagmersellen nach Olten als zusammenhängende «Lebensader» das Siedlungsgefüge. Die erwähnten Quartierzentren sollen mit einem Solitär aufgewertet werden. Wichtig dabei ist die publikumsorientierte Nutzung im Erdgeschoss mit einem öffentlich zugänglichen Freiraum. «Als adäquate architektonische Akzentuierung werden für diese Orte Höhere Bauten bis maximal 30 Meter (rund 9 Vollgeschosse) erachtet.» Typ 1 könnte gemäss Konzept im Quartier Bifang in Aarburg zu stehen kommen, wo die Artemis Immobilien AG gemäss Geschäftsführer Markus Dobnik tatsächlich auch ein solches Projekt plant. Eine alleinstehende Höhere Baute sowie eine Überbauung, welche die soziale Durchmischung fördert, wie er in seinem Kurzreferat an diesem Abend erzählte.

Typ 2 soll an gut frequentierten Bahnhofsorten zu stehen kommen. Sie sind Orte mit hohem Potenzial für Treffpunkte. Weil die Personenströme an diesen Orten zunehmen dürften, steigt auch das Platzbedürfnis. Höhere Bauten können hier Abhilfe verschaffen. «Aufgrund der erhöhten Zentralität wird gegenüber dem Typ 1 eine leicht höhere Geschossigkeit vorgeschlagen», heisst es im Konzept. Von rund 12 Vollgeschossen oder einer maximalen Höhe von 40 Metern ist die Rede. Entsprechend ist Typ 2 vor allem für die Bereiche rund um die Bahnhöfe Aarburg-Oftringen, Rothrist und Zofingen angedacht, aber auch in Oftringen im Bereich Kreuzplatz.

Typ 3 eignet sich für Gewerbeareale, die sich heute an zentralen Lagen befinden. «Die bestehenden Freiflächen sind häufig befestigt, monoton und weisen eine niedrige Aufenthaltsqualität auf», heisst es. Geht das Volumen bei der Neugestaltung in die Höhe, kann zusätzlicher Freiraum geschaffen werden, was die Quartierentwicklung unterstützt und zu neuen identitätsstiftenden Räumen führen kann. Als solches Areal wird jenes von Swissprinters in Zofingen erwähnt.

Typ 4 sind die sogenannten «Landmarks» wie es das EO-­Hochhaus mit seinen rund 70 Metern ist. Es markiert die Hauptverbindung von Norden nach Süden und von Osten nach Westen. «Heute stellt einzig der Autobahnanschluss am Kreuzpunkt mit der Kantonsstrasse K104 eine ähnliche Situation dar. Das Gebiet liegt ungefähr in der Mitte des urbanen funktionalen Raums.» Langfristig bestehe für diesen Raum ein sehr grosses Entwicklungs- und Verdichtungspotenzial.

Wer jetzt den Eindruck hat, dass das untere Wiggertal künftig als «Klein-Manhattan» daher kommt, der täuscht sich. Gemäss Hottiger geht es darum, Höhere Bauten lediglich gezielt einzusetzen.

 

Zu finden ist das Konzept Höhere Bauten auf: www.zofingenregio.ch/regionalplanung_konzepte

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