Schlagabtausch auf der Kleinen Bühne: Wenn Airbnb als Sprengsatz wirkt

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Wer vermietet nun wem ein Airbnb? Franziska Senn und Reto Baumgartner im heiteren Schlagabtausch. Bild: Michael Flückiger

«Aber ich habe ab heute drei Nächte hier in dieser Wohnung an der Wybärglistrasse gebucht.» Ganz aufgebracht ist sie, die selbstbewusst auftretende Mirjam Buholzer (Franziska Senn). «Nicht ab heute, sondern ab morgen. Sie sind einen Tag zu früh.» Die Gelassenheit ihres adretten Gegenübers Georg Zanetti (Reto Baumgartner) bringt die mondän gekleidete Dame nur noch mehr in Rage. Irritation pur. Der Mann mit der Ausstrahlung eines Yoga-Lehrers kostet die Situation aus und lässt sie ins Leere laufen. Als dann doch endlich klar ist, dass sein Sohn in seinem Namen die Buchung via Airbnb angenommen hat, leiht er sich ihr Handy aus. Sohn Christian bestätig: Die Buchung stimmt. Und es sei bereits Donnerstag. Ohne Erfolg telefoniert Georg Zanetti heimlich noch weitere Telefonnummern ab.

Vorspiegelungen falscher Tatsachen

Das Missverständnis sei bei seinem Sohn passiert, sagt Georg Zanetti. Notlügen dieser Art, sei es um die Fassade zu wahren, sei es um dem anderen keinen Vorteil zu gewähren, feiern im Stück «Airbnb» des Theaters Nina ein heiteres Stelldichein. Das dient der Dramaturgie des Stücks und verleiht dem Spiel des Enttarnens gegenseitiger Maskeraden Witz und Würze. Während Georg sehr viel mehr als sein Gegenüber über Illusionen und Lebensniederlagen weiss, trötzelt sich Mirjam über manche Tatsache hinweg.

Mit Entrüstung konstatiert sie die Dürftigkeit des «lichtdurchfluteten» Zimmers an bester Lage. Der Dienst Airbnb dient Georg Zanetti notgedrungen als Einkommensquelle. Unvermittelt steht er jetzt noch ohne Ersatzschlafort da. Doch auch ihr «Dream-Spirit»-Seminar vor Ort ist bezahlt. Durch ihren Noch-Ehemann Peter, von dem sie sich – selfempowered» – scheiden lassen will. Wer zahlt, befiehlt. Wenn sich da ihr Peter nur nicht als ebenso selfem­powered entpuppen würde: Die Kreditkarte ist kurzerhand gesperrt. Die Verhältnisse sind auf einmal umgekehrt und keine Ausrede kann das in Abrede stellen.

Fazit: Zu später Stunde sind die beiden Protagonisten, die so viel voreinander und vor dem Publikum zu verbergen haben, aufeinander angewiesen. Sie schlafen beide in dieser kleinen Wohnung. Ohne einander zu berühren. Was allerdings davor nur fast klar ist.

Witzige, zeitgemässeWendung mitten im Stück

Das Stück «Airbnb» von Autor und Regisseur Ueli Blum ist klug und mit viel dramaturgischem Gespür inszeniert. Die als Bühnenbild-Wände fungierenden Bilderrahmen versinnbildlichen, dass da zwei in ihrem Lebensrahmen Gefangene Sprengwirkung aufeinander entfalten. Der schmissige Schlagabtausch des sich mit viel Spielfreude aneinander abarbeitenden Duos unterhält glänzend. Und weil die gebeutelte Frau mit ihrem Drang zur Selbstinszenierung für die endgültig beglückend komödiantische Wendung sorgt. Via Instagram wird der obszöne – oder intim schöne? – Umarmungsakt in der Wohnung lawinenartig publik – und das Zimmer heiss begehrt. So was lässt sich auch zum doppelten Preis voll belegen.

Kaufangebote für das Bild müssen leider abgelehnt werden, ist es doch Teil des Gesamtpakets. Für eine Kopie oder auch weitere derartige Bilder ist der verkannte Maler Georg längst gut genug. Musse, seit 20 Jahren erstmals wieder einen Pinsel anzurühren, hat der Arbeitslose genug. Der frischgebackene Erfolgs-Airbnb-Vermieter erhält von seiner frisch erkorenen Managerin das Angebot, sich bei ihr einzumieten. Zum angemessenen Preis selbstverständlich.

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