Nach dem klaren Ja zur «Ehe für alle»: Die Credit Suisse stockt den Elternurlaub auf – genderneutral und für alle

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Gut 17'000 CS-Mitarbeitende können von mehr Elternurlaub und mehr Dienstjubiläen profitieren. Bild: Patrick B. Kraemer / KEYSTONE

Rund ein Jahr ist es her: Da sagte die Schweizer Stimmbevölkerung mit gut 60 Prozent Ja zu einem bezahlten Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen – und brachte damit etliche Firmen in Zugzwang. Einige zeigten sich eher geizig, wie etwa die Schaffhauser Kantonalbank, welche die zwei Wochen für die Väter bei den Müttern abzweigte und diese wieder aufs gesetzliche Minimum von 14 Wochen setzten. Andere geben sich grosszügig, wie etwa die Credit Suisse: Sie baut ihr Elternurlaub massiv aus – und setzt damit auf dem Schweizer Bankenplatz neue Massstäbe.

Und die Grossbank formuliert neu alles ganz genderneutral: So erhält die erste Betreuungsperson stolze 26 Wochen bezahlten Urlaub – und zwar unabhängig davon, wie viele Dienstjahre sie schon bei der CS absolviert hat und ob sie das Kind selbst geboren oder adoptiert hat. Gleichzeitig wird der Urlaub für die zweite Betreuungsperson von heute 12 Tagen auf 6 Wochen angehoben. «Wir wollen mit unserem neuen Modell den verschiedenen Familienkonstellationen gerecht werden», sagt Claude Täschler, Personalchef der Credit Suisse Schweiz. «Wir wollen ein familienfreundlicher Arbeitgeber sein, und zwar für alle.»

Elternurlaube können am Stück oder als Teilzeit bezogen werden

Die CS hält sich beim Bezug der Elternurlaube an die gesetzlichen Mindestvorgaben: So müssen etwa die ersten 16 Wochen des «Mutterschaftsurlaubs» en bloc bezogen werden, danach hingegen zeigt sich die Grossbank sehr flexibel, wie Bernard Gailloz erklärt, Projektleiter für Arbeitsmarktfragen bei der CS. Demnach können die Eltern die überobligatorischen Wochen etwa auch in Teilzeit beziehen. «Das geht alles ganz unkompliziert», es müsse einzig mit den direkten Vorgesetzten abgesprochen werden.

Von der neuen Regelung können ab 2022 alle CS-Mitarbeitenden in der Schweiz profitieren, was über 17'000 Personen sind.

Neuorganisation der Dienstjubiläen

Die CS hat aber nicht nur ihren Elternurlaub neu organisiert. Sie habe auch Massnahmen getroffen, ihre Mitarbeitenden länger in der Arbeitswelt zu halten, betont Täschler und verweist dabei auf die demografische Entwicklung in der Schweiz und auch in der Bank, wonach der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung immer stärker zurückgeht. Um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, dreht die CS nun an zwei Stellschrauben: den Dienstjubiläen und dem Sabbatical für Kadermitarbeitende im Senior Management. Das Ziel ist es, dass die «älteren» Mitarbeitenden zwischendurch Pausen einlegen und sich damit besser erholen können und sich folglich später in die Pensionierung verabschieden.

Konkret: Nach 5 Dienstjahren gibt es 1 Woche «bezahlte Freizeit», nach 10 Dienstjahren sind es 2 Wochen und nach 15 Dienstjahren 3 Wochen. Danach gibt es nach dem Flatrate-System alle 5 Jahre wieder 3 Wochen. Mitarbeitende können ihre regulären Ferien, die «Jubiläumsfreizeit» und bei Bedarf sogar noch unbezahlten Urlaub nach Absprache mit den Vorgesetzten am Stück beziehen und so alle fünf Jahre kleine Sabbaticals einlegen, wie Gailloz erklärt. «Ein solcher Break kann helfen, die Batterien wieder aufzuladen.» Die Dienstjubiläumswochen könnten aber auch verteilt bezogen werden.

Zwei Monate statt drei ins Sabbatical

Mehr Flexibilität offeriert die CS auch ihren Kadern beim Sabbatical, das allen nach zehn Dienstjahren ab Stufe Vice-President einmal zwischen dem 50. und 65. Altersjahr zusteht. «Es kann schwierig sein, drei Monate am Stück zu beziehen», sagt Gailloz. «Deshalb können die Mitarbeitenden auch nur zwei Monate am Stück nehmen, dafür mit einer kleineren finanziellen Selbstbeteiligung als beim dreimonatigen Sabbatical.» Damit trage man der zum Teil schwierigen Organisation einer solch langen Auszeit Rechnung, gleichzeitig bleibe mit zwei Monaten der Erholungsfaktor erhalten.

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