Bundesrat: Die durchschnittlichen Prämien 2022 sinken – aber längst nicht überall

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Nach 19 Monaten Corona: Bundesrat Alain Berset tritt für einmal mit guten Neuigkeiten vor die Medien. Peter Klaunzer / KEYSTONE

Es ist Krise und die Gesundheitskosten sinken. Wie geht das zusammen? Im Schweizer Durchschnitt zahlen die Versicherten im nächsten Jahr rund 70 Rappen weniger Krankenkassenprämien pro Monat als 2021. Das entspricht einem durchschnittlichen Minus von 0,2 Prozentpunkten. Im Mittel der letzten 10 Jahre stiegen die Prämien um jährlich 2,4 Prozent, zuletzt flachte die Zunahme aber deutlich ab. Abhängig von Kanton, Alter und Versicherer verändern sich die Prämien auch 2022 sehr unterschiedlich.

1. In vierzehn Kantonen sinken die Prämien

In vierzehn Kantonen können sich die Versicherten über tiefere Prämien freuen, am meisten die Baslerinnen und Basler sowie für die Genferinnen und Genfer. In diesen Kantonen sinken die Prämien im Schnitt um mehr als acht, beziehungsweise sechs Franken im Monat. Allerdings haben die beiden Kantone mitunter die höchsten Prämien von allen. In den meisten Kantonen bleiben die Prämien indes stabil, ändern sich nur marginal um nicht einmal einen Franken mehr oder weniger im Monat (siehe Grafik unten). Einzig die Glarnerinnen und Glarner sowie die Obwaldnerinnen und Obwaldner berappen um die drei Franken mehr im Schnitt. Bei diesen Zahlen handelt es sich um einen Durchschnittswert: Je nach Krankenkasse und Versicherungsmodell ändert sich auch die Anpassung. Es lohnt sich deshalb, das Angebot der eigenen Versicherung mit anderen zu vergleichen.

2. Der Corona-Effekt ist für Versicherte schon im zweiten Jahr nicht spürbar

Noch zu Beginn der Pandemie vor sechs Monaten warnten Beobachter vor einem massiven Anstieg der Gesundheitskosten. Je nach Schwere des Krankheitsverlaufs bei einem Covid-19-Patienten kann die Behandlung mehrere zehntausend Franken kosten. Allerdings konnten die Coronakosten weitgehend über die Reserven der Versicherer gedeckt werden. Laut dem Krankenkassenverband Santésuisse sind im Jahr 2020 die Kosten zulasten der Grundversicherung mit einem Plus von 1.1 Prozent (0.2 Prozent pro versicherte Person) stärker gestiegen als es angesichts des mehrwöchigen Behandlungsstopps zu erwarten gewesen wäre. Auf der anderen Seite seien die Kosten weniger stark gestiegen, als dies bei der Prämieneingabe, im Jahr 2019, erwartet werden musste. Daraus ergaben sich Überschüsse, die Spielraum geben, um die Prämien tief zu halten.

3. Die ausgeschütteten Reserven verhindern den Prämienanstieg

Laut Bundesrat konnte über die ausgeschütteten Reserven die mittlere Prämie um 1,2 Prozent gedrückt werden. Das bedeutet im Umkehrschluss: Ohne Reserven wären die Prämien um rund einen Prozentpunkt gestiegen. Der Bundesrat führt das auf die von ihm erlassene Verordnung zurück. Diese gibt den Versicherern vor, dass sie die Prämien möglichst knapp berechnen müssen - und die Reserven in diese Berechnung einfliessen müssen. Konkret: Für 2022 hat der Bundesrat einen Reservenabbau in der Höhe von 380 Millionen Franken bewilligt. 2021 genehmigte er noch 28 Millionen.

4. Die Entwicklung der Kosten ist komplett offen

Im Grundsatz gilt: Die Prämien müssen die anstehenden Gesundheitskosten decken. Doch wie die Coronakrise sich auf das Gesundheitssystem und dessen Kosten auswirkt, ist noch komplett offen, wie der Bundesrat sagt. «Es ist noch nicht abzusehen, wie sie sich auf die Gesundheitskosten und damit auf die Prämien auswirken wird», schreibt er in der Medienmitteilung. Die derzeit vorliegenden Daten reichten noch nicht aus, um verlässliche Schlüsse zu ziehen. Der Bundesrat will bis Ende 2022 einen Bericht zu diesem Thema veröffentlichen.

5. Trotz positiver Entwicklung sind Massnahmen zur Kostendämpfung nötig

Die Kosten im Gesundheitswesen wachsen munter weiter. Das spiegelt sich aktuell weniger in den Prämien, die Spitäler tragen die grosse Last der Corona-Pandemie. Gemäss Angaben des Spitalverbands entstanden durch das Behandlungsverbot im letzten Jahr ungedeckte Kosten in der Höhe von rund 900 Millionen bis 1,1 Milliarden Franken. Bis jetzt besteht aber noch keine Lösung, wie diese Kosten gedeckt werden könnten. Gleichzeitig verweist der Bundesrat darauf, dass aufgrund der demografischen Entwicklung und des medizinisch-technischen Fortschritts die Kosten weiter steigen werden. Er hält darum an seinen Massnahmenpaketen zur Kostendämpfung fest. Eine erste Tranche wurde im Juni verabschiedet, als Nächstes ringt das Parlament um tiefere Generikakosten. Ein weiteres Paket arbeitet der Bundesrat derzeit aus. Das Einsparpotenzial dieser Massnahmen liegt bei mehreren hundert Millionen Franken.

Die Veränderungen pro Kanton:

  • AG = +0,3%
  • AI = +0,7%
  • AR = +0,6%
  • BL = -0,6%
  • BS = -2,1%
  • GL = +1,1%
  • LU = +0,6%
  • NW = +0,9%
  • OW = +1,4%
  • SG = +0,2%
  • SO = +0,4%
  • TG = + 0,6%
  • SZ = -0,3%
  • UR = +0,5%
  • ZG = -0,2%
  • ZH = -0,2%
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