Impfskepsis während zweiter Welle angewachsen

Die neuste Umfrage zu Einstellungen und Verhalten in der Corona-Krise bringt zwei auffällige Entwicklungen an den Tag: die Bereitschaft, sich gegen das Virus zu impfen, sinkt, ebenso das Vertrauen in die Behörden und deren Informationsleistung.

Die Entwicklung bei der Impfbereitschaft sei problematisch, heisst es in der am Freitag veröffentlichten vierten Umfrage der Forschungsstelle Sotomo zur Akzeptanz und Wirksamkeit der Präventionsarbeit. Der Bericht wurde vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) bestellt und ist auf dessen Webseite einsehbar.

Zwischen dem 22. und 28. Oktober hätten nur noch 49 Prozent der insgesamt 1633 Befragten angegeben, sich impfen lassen zu wollen, dies, obwohl bereits klar war, dass das Virus nichts eingebüsst habe von seiner Gefährlichkeit. Bei den Umfragen im März und April lag der Anteil der Impfwilligen noch bei über 60 Prozent.

Wie sich die positiven Nachrichten verschiedener Impfstoffkandidaten auf die Einstellung auswirken, werde sich allerdings erst in den nächsten Befragungswellen zeigen, schreibt Sotomo.

Auffällig sei auch die Entwicklung in Bezug auf das Vertrauen in relevante Organisationen und Personengruppen hinsichtlich der Information zum neuen Coronavirus. Das Vertrauen sei im Verlauf der Pandemie laufend zurückgegangen. Sei zwischen Frühling und Sommer vor allem das Vertrauen in die Medien erodiert, so sähen sich zwischen Sommer und Herbst nun die Behörden mit schwindendem Vertrauen konfrontiert.

"Ausgezehrte emotionale Ressourcen"

Weiter beurteilten die Befragten ihr persönliches Befinden als schlechter als im Sommer und ähnlich negativ wie im März. Es würden nun "die zunehmend ausgezehrten emotionalen Ressourcen zur Bewältigung der anhaltenden Krise" im Vordergrund stehen, so die Forschungsstelle. Am wenigsten eingetrübt ist die Stimmung in der Deutschschweiz

Unterdessen sei Covid-19 mit der zweiten Welle zu einer Krankheit geworden, die eine Mehrheit von 57 Prozent der Befragten aus dem persönlichen Umfeld kenne, lautet ein weiterer Befund. Wer einen Fall im eigenen Umfeld habe, gebe häufiger an, Verantwortung dafür zu tragen, dass sich die Verbreitung des Virus verlangsame, als Menschen ohne solche Kenntnisse. Am wichtigsten sei der Schutz der Menschen aus dem eigenen Umfeld und jener mit erhöhtem Risiko.

Weiter zeigt die neuste Umfrage, dass die Hygienemasken einen "regelrechten Siegeszug" angetreten haben. Die Maske werde viel häufiger getragen, stärker unterstützt und gleichzeitig als weniger störend empfunden. Die allgemeinen Verhaltensregeln würden immer besser befolgt.

Am schwersten hat es weiterhin die Akzeptanz der generellen Maskentragpflicht im öffentlichen Aussenraum (38 Prozent sicher oder eher dafür) und am Arbeitsplatz (58 Prozent). Beinahe unbestritten ist die Tragpflicht im öffentlichen Verkehr (93 Prozent), in Einkaufsgeschäften (88 Prozent) und bei Dienstleistungsanbietern, bei denen die Mindestabstände nicht eingehalten werden können (92 Prozent).

Homeoffice weniger attraktiv

Zwei Präventionsmassnahmen würden wiederum nur teilweise umgesetzt, so weitere Erkenntnisse der Umfrage. Im Homeoffice arbeiten vermehrt auch jene nicht mehr, denen es vom Arbeitgeber möglich wäre. Auch die Vorgabe, mehrmals täglich zu lüften, hat laut Umfrage noch Luft nach oben. Grund dafür könnte das kühle Wetter sein.

Weiterhin hoch ist die Wahrnehmung der Informationskampagnen des BAG (87 Prozent). Drei von vier Befragten erachten zudem die Inhalte als richtig. Etwas mehr als ein Drittel wünschen sich allerdings klarere Handlungsanweisungen vom BAG.

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