Hungersnot im Jemen befürchtet: UN hoffen auf Milliarden-Spenden

Die Vereinten Nationen fürchten eine grosse Hungersnot im Bürgerkriegsland Jemen. Schon jetzt seien fast 50 000 Menschen dem Hungertod nahe, berichtete das UN-Nothilfebüro (OCHA) am Montag. 400 000 Kinder unter fünf Jahren seien akut unterernährt und könnten ohne dringende Hilfe bald sterben. Um die Menschen zu retten und Millionen weitere vor einer ähnlich prekären Situation zu bewahren, brauchen die Vereinten Nationen in diesem Jahr 3,85 Milliarden Dollar (3,15 Milliarden Euro). Möglichst viel davon sollte an diesem Montag bei einer virtuellen Geberkonferenz zusammenkommen. Deutschland beteiligt sich daran.

Bundesaussenminister Heiko Maas kündigte an, dass auch Berlin die Mittel für das Land aufstocken wolle. "Heute geht es nicht nur darum, im Jemen eine akute Hungersnot abzuwenden. Neue blutige Kämpfe um Marib, Cholera- und Polio-Ausbrüche, Heuschreckenplagen - die Not der Menschen sprengt jede Vorstellungskraft", erklärte der SPD-Politiker vor der Konferenz. "Heute werden wir noch einmal mit einer substanziellen neuen Hilfszusage vorangehen und eindringlich dafür werben, dass andere es uns gleich tun." Hoffnung auf echte Besserung gebe es jedoch nur, wenn es endlich gelänge, die Kämpfe zu stoppen.

"Kindsein im Jemen ist eine besondere Hölle", sagte UN-Generalsekretär António Guterres vor dem Auftakt. "Der Krieg schluckt eine ganze Generation von Jemeniten. Wir müssen ihn jetzt beenden und uns sofort um die enormen Folgen kümmern."

Im Jemen tobt seit 2015 ein Bürgerkrieg. Ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis kämpft an Seite der Regierung gegen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen, die 2014 die Hauptstadt Sanaa überrannten und wichtige Einrichtungen besetzten. Durch Bombardierungen und Gefechte sind nach UN-Angaben 3,6 Millionen Menschen vertrieben worden. Friedensbemühungen scheitern seit Jahren.

Nach Angaben des UN-Nothilfebüros sind 2,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren von akuter Unterernährung bedroht, so viele wie nie zuvor. 16 der 29 Millionen Einwohner brauchen Nahrungsmittelhilfe. Die Situation hat sich 2020 durch neue Kämpfe und die Corona-Krise verschärft. Zusätzlich konnte mangels Geld deutlich weniger Menschen geholfen werden als nötig. Insgesamt kamen 2020 an Spenden nur 1,9 Milliarden Dollar zusammen, 56 Prozent der benötigten Bedarfs.

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