Wenn spielerische Klasse und Arbeitseinstellung zusammen kommen

Der EV Zug ist der logische Meister. Die Leistungsträger lieferten und manch ein Mitläufer wuchs über sich hinaus. Finalverlierer Genève-Servette ist beeindruckt - und strebt Ähnliches an.

Leonardo Genoni war noch nie ein Mann der grossen Emotionen. Der Goalie des EV Zug lässt lieber Taten auf dem Eis sprechen, während der Playoffs äussert er sich grundsätzlich nie öffentlich. Nach dem gewonnen Final gegen Genève-Servette steht der 33-jährige, im Tessin geborene Zürcher wieder Red und Antwort. Doch auch vor den Kameras des Fernsehens SRF wirkt er sehr gefasst. "Es ist vor allem Freude", sagt er. "Wir haben so hart dafür gearbeitet." Natürlich lobt er die Mitspieler: "Die ganze Mannschaft hat sich stets gesteigert, und sie haben so viele Schüsse geblockt." Zwei Gegentore, beide im Powerplay, in drei Spielen, nie zuvor liess ein Team in einem Playoff-Final weniger Treffer zu.

Genoni war der Königstransfer auf dem akribisch geplanten Weg der Zuger zum zweiten Meistertitel nach 1998. In vier der letzten sechs Playoff-Finals (2015 mit Davos, 2017 und 2019 mit Bern und nun mit Zug) stand er im Tor der Siegermannschaft. Insgesamt feierte er seinen sechsten Meistertitel. Wo Genoni auf dem Eis steht, ist der Erfolg fast schon programmiert. Entsprechend hoch waren die Erwartungen. "Die Erleichterung ist schon gross", sagt er um Mitternacht in den Gängen der Eishalle in der Zuger Herti gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, als er von der Präsentation des Pokals auf dem Balkon vor den vielen aufmarschierten Zuger Fans zurückkommt. Fast scheint es, als ob er sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischt. "Es ist am Ende alles aufgegangen."

Zug war als klarer Favorit in die Saison gestiegen und hatte in der Qualifikation einen Punkterekord aufgestellt. "Wir spielten gegen die beste Mannschaft, die es je auf Schweizer Eis gab", stellte Servette-Verteidiger Arnaud Jacquemet enttäuscht, aber anerkennend fest. Es war dennoch eindrücklich, wie die Zentralschweizer mit ihrem erst 42-jährigen norwegischen Cheftrainer Dan Tangnes mit der hohen Erwartungshaltung zurecht kamen. Es passte tatsächlich alles zusammen: spielerische Klasse und Einstellung.

Mehrere grosse Figuren

Da waren zum einen die Stars wie Genoni oder Captain Raphael Diaz, die ihre Leistungen wie ein Uhrwerk ablieferten. Gerade Diaz, der mit 35 Jahren ab der nächsten Saison in Freiburg erstmals in der Schweiz nicht für den EV Zug spielen wird, stand gewaltig unter Druck und war mit seinen Schüssen am Ursprung von drei der sechs Zuger Tore bis zum 3:1 im letzten Spiel (die restlichen beiden waren nur noch Resultatkosmetik). Gregory Hofmann wurde vor zwei Jahren nach der zweiten Finalniederlage gegen den SC Bern geholt - und brillierte in der Finalserie mit drei Toren, darunter zweimal dem so wichtigen 1:0.

Daneben machten aber auch ehemalige Ergänzungsspieler wie Dario Simion (45 Punkte in der Qualifikation, mit neun Treffern bester Torschütze in den Playoffs) oder Yannick Zehnder (insgesamt 19 Tore) einen grossen Schritt nach vorne. Und schliesslich sorgten die kräftig gebauten Carl Klingberg und Justin Abdelkader für das in den Playoffs unerlässliche physische und einschüchternde Element. Kurzum: Die Zuger Mannschaft hatte keine Schwächen.

Zug als Vorbild für Servette

Das mussten zähneknirschend auch die Genfer anerkennen. "Wir waren physisch bereit und mental da", zeigte sich Servette-Captain Noah Rod überzeugt. "Aber Siegen braucht Zeit." Er erinnerte daran, wo seine Mannschaft vor zwei Jahren gestanden habe. "Nun haben wir in der zweiten Saison mit dem neuen Trainerstaff (der ehemalige Juniorencoach Patrick Emond trägt erstmals die Verantwortung für ein Profiteam) den Final erreicht. Wir haben manch einem das Maul gestopft."

Auch Tanner Richard verweist auf die grössere Erfahrung der Zuger. "Sie haben in den letzten Jahren etwas aufgebaut, das machen wir jetzt auch", verspricht der Center und Bully-König der Genfer. Eine Garantie ist das natürlich nicht. Hoffnung machen könnte den Gegnern, dass Zug in der nächsten Saison die Abgänge von Diaz und höchstwahrscheinlich Hofmann sowie den weiteren Verteidigern Tobias Geisser (beide Nordamerika) und Santeri Alatalo (Lugano) verkraften muss. Auch deshalb stand der EV Zug unter grossem Druck. Die (fast) perfekte Mannschaft wird er vielleicht nie wieder haben.

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