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«Blumenfrauen» sollen nicht mehr «Blumenfrauen» heissen – was hinter der Aufregung steckt

Jede Aarauerin und jeder Aarauer weiss, was die «Blumenfrauen» sind: All die Freiwilligen, die die Stadt für den Maienzug mit Blumen schmücken. Eine rein weibliche Angelegenheit, wie der Name das suggeriert, ist das längst nicht mehr, weshalb nun eine neutrale Bezeichnung gesucht wird. Doch wann immer an Altgewohntem gerüttelt wird, ist die Aufregung gross.

Wieder sorgt eine kleine Geschichte in Aarau für grosse Aufregung. Diesmal in der Hauptrolle: der Maienzug und all die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die für den Blumen- und Girlandenschmuck an Brunnen und Stadttor verantwortlich sind, gemeinhin bekannt als «Blumenfrauen». Der Vorwurf: Silvia Dell’Aquila, Stadträtin und Präsidentin der Maienzugkommission, habe angeordnet, dass die «Blumenfrauen» nicht mehr «Blumenfrauen» heissen dürfen. Es brauche eine geschlechterneutrale Bezeichnung. Dies habe man den Blumenfrauen schriftlich mitgeteilt und um Vorschläge für neue Bezeichnungen gebeten.

Fakt ist: Anfang Woche hat Eva Lapostolle, seit 2022 oberste Blumenfrau, ihrem knapp 200-köpfigen Freiwilligen-Team per E-Mail ein Schreiben geschickt. Darin – nebst verschiedenen anderen zu diskutierenden Anpassungen – hat sie angeregt, künftig als offizielle Bezeichnung einen geschlechterneutralen Namen für die Freiwilligen zu verwenden.

Die Brunnen werden längst nicht mehr nur von Frauen geschmückt.
Fabio Baranzini

Schliesslich besteht die Gruppe nicht mehr nur aus Frauen, zusätzliche Männer werden gar explizit gesucht. Vom gesamten Werkhof-Team, das einen wesentlichen Teil der Arbeit leistet, ganz abgesehen. Um einen tollen Namen zu finden, hat Lapostolle um Vorschläge gebeten.

«Der Vorschlag zur Namensänderung stammt weder von Silvia Dell’Aquila, noch wurde er in der Maienzugkommission diskutiert oder beschlossen», sagt Lapostolle. Das Thema sei an der Schlussbesprechung zum letzten Maienzug lediglich am Rande angesprochen worden. «Der Begriff ‹Blumenfrauen› entspricht einfach nicht mehr den Tatsachen, er ist nicht mehr zeitgemäss. Und ich bin der Meinung, dass wir uns gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen sollten, zumal wir ja Teil des offiziellen Aaraus sind», sagt Lapostolle.

Schliesslich habe man auch darauf reagieren müssen, dass die allermeisten «Blumenfrauen» heute berufstätige Frauen seien, die nicht einfach so und tagelang fürs Girlandenwinden einbestellt werden können.

Vier verärgerte Rückmeldungen, 15 positive

Die nun entstandene Aufregung um diese Neuerung kann Lapostolle nicht verstehen. «Von den 180 Adressaten haben sich nur gerade vier negativ zu meinem Vorschlag geäussert», sagt sie. Hingegen hätte sie bereits von 15 Personen positive Rückmeldungen sowie verschiedenste Namensvorschläge erhalten. «Diese Zahlen sprechen für sich. Da ist viel Aufregung um nichts.» Ausserdem könne ja jede und jeder den Begriff verwenden, der ihr oder ihm genehm ist.

Auch Silvia Dell’Aquila sagt, dass die Idee nicht von ihr stamme und auch nicht von der Kommission beschlossen worden sei. «Eva Lapostolle ist völlig frei darin, die Diskussion um die Bezeichnung zu lancieren.» Aber auch aus ihrer Sicht sei es wünschenswert, zeitgemässe Begriffe einzuführen, so Dell’Aquila weiter. «Ich stehe da voll und ganz hinter ihr.»