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Glockengiesserei Rüetschi erhält Aargauer Heimatschutzpreis – Regierungsrat Attiger: «Hängen Sie diesen Preis an die grosse Glocke!»

Heutzutage ist viel von Nachhaltigkeit die Rede. Leider ist es oft mehr Fassade als Realität. Für die Glockengiesserei H. Rüetschi AG in Aarau gilt diese Einschränkung nicht. Im Gegenteil. Sie hat die Nachhaltigkeit gewissermassen erfunden. Welche andere Firma in der Schweiz kann behaupten, dass ihr erstes, im Jahr 1367 erstelltes Produkt, immer noch im Dienst steht? Die Rede ist von der Barbara-Glocke, die vor über 650 Jahren für die Kathedrale St. Niklaus in Freiburg gegossen wurde. Die Herstellerfirma, eine der fünf ältesten in der Schweiz, ist jetzt stolze Trägerin des Aargauer Heimatschutzpreises 2023.

Er assoziiere das Traditionsunternehmen H. Rüetschi AG nur schon aufgrund der Firmenbezeichnung mit dem Kunsthandwerk der Glockengiesserei, begann der Präsident des Aargauer Heimatschutzes, Christoph Brun, den Redereigen zur Preisverleihung am Standort der Glockengiesserei in Aarau.


Bild: Valentin Hehli

Neuer Sponsor Meier Schmocker AG ersetzt die Credit Suisse

Die Vorfreude sei anfänglich aber etwas getrübt gewesen, gestand Brun. Denn die bisherige Preissponsorin, Credit Suisse, entfällt. Die Nachfolgesuche war anspruchsvoll. Schliesslich fand sich eine mit einem erfolgreichen KMU, dem Malerunternehmen Meier Schmocker AG in Baden-Dättwil mit rund 30 Mitarbeitenden. Er spüre, so Brun hocherfreut, dass sich diese Firma nicht nur finanziell engagiert, «sondern auch ideell mit Herzblut dabei ist». Dieses – am Samstag von der «schlagwerkstatt beat jaggy» sehr passend musikalisch umrahmte – Engagement wurde in Aarau mit anhaltendem Applaus verdankt.


Bild: Valentin Hehli

Preis geht schon zum dritten Mal nach Aarau

Grosse Freude spürte man auch beim Aarauer Vize-Stadtpräsidenten Werner Schib. Er dankte für den Preis «für aussergewöhnliches historisches Handwerk». Wobei Aarau beim Heimatschutzpreis schon Übung hat. 2002 gab es ihn für die Integration der Markthalle Färberplatz in die historische Altstadt. Wobei die Halle heute umstrittener denn je sei, so Schib. 2016 bekam die Stadt den Preis gleich selbst – für den Um- bzw. Neubau des Stadtmuseums Schlössli. Jetzt geht er an die Glockengiesserei.

Die Werkhalle der H. Rüetschi AG, in der die Feier bei novemberlich kühlen Temperaturen vor zahlreichem Publikum stattfand, gefiel dem Aargauer Baudirektor Stephan Attiger sehr: «Hier fühle ich mich daheim, sämtliche Sinne sprechen mich da an», bekannte der Magistrat, der ursprünglich eine Berufslehre gemacht hatte.

«Hängen Sie diesen Preis an die grosse Glocke!»

Dass die eingangs erwähnte Glocke noch im Einsatz ist, sei bezeichnend, lobte Attiger. Ihn beeindruckt aber auch «der Pioniergeist und die Innovationskraft, die das Unternehmen immer wieder bewiesen hat». Für ihn steht fest, dass sie ihrer Zeit «immer wieder mindestens einen Glockenschlag voraus» war. Seine Empfehlung: «Hängen Sie diesen Preis an die grosse Glocke!»

Regierungsrat Attiger fand lobenende Worte.
Bild: Valentin Hehli

Dem kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer oblag die eigentliche Laudatio. Die Denkmalpflege beschäftige sich mit der Tradition, verschliesse sich der Innovation jedoch nicht, schickte er voraus. Das glaubten zwar viele nicht, schob er nach, es sei aber so.

Er legte den Fokus auf Tradition und Innovation. Und listete auf, was die Firma alles macht. Schon lange gehe es hier etwa um sämtliche Gusstechniken, das heisst auch um Kunstguss und all seine Fragenstellungen zur Oberflächenbehandlung, beispielsweise die Patinierung.

Darum vergab die Jury den Preis an die H. Rüetschi AG

Die Firma hat sich vom Glocken- und Geschützguss über den Kunstguss bis zur heutigen Kombination aus Handwerk und modernster Technologie entwickelt, spann Nicoletta Brentano-Motta als Obfrau der Jury den Faden weiter. Mit ihrer starken Forschungs- und Entwicklungskompetenz setze Rüetschi immer wieder neue Massstäbe in der Branche, lobte sie.

Roland Meier, mit Bernhard Schmocker Inhaber des neuen Sponsors, betonte, es sei ihnen ein Anliegen gewesen, beim Heimatschutzpreis einzusteigen. Er ist jetzt auch Jurymitglied. Als er bei einem Rundgang die Aura dieser Firma spürte, sei er überwältigt gewesen. Auch für ihn ist klar, die H. Rüetschi AG ist der richtige Preisträger 2023.

«Ausdruck höchster Wertschätzung»

Den mit 10’000 Franken dotierten Preis nahm CEO Jari Putignano namens der H. Rüetschi AG entgegen. Als er gehört habe, dass sie im Rennen sind, habe ihn das gefreut, er habe aber nicht so recht daran geglaubt, sagte er rückblickend. Dass sie ihn jetzt haben, sieht Putignano als «Ausdruck höchster Wertschätzung» für ihre Arbeit: «Das ist der schönste Lohn.»