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Credit Suisse mit erneutem Milliarden-Verlust ++ 2700 Stellen fallen weg ++ Kapital wird um 4 Milliarden erhöht

Die ins Strudeln geratene Grossbank hat am Donnerstag ihren Rettungsplan präsentiert. Dieser fällt zwar weniger drastisch aus als befürchtet, aber hat es dennoch in sich: Die Credit Suisse baut 2700 Stellen ab und senkt die Kosten um 2,5 Milliarden Franken. Gestutzt wird auch das Investmentbanking.

Am Donnerstagfrüh hat die Credit Suisse endlich Klarheit geschaffen. Die international und in der Schweiz tätige Grossbank machte ihre Pläne publik, wie sie den ins Strudeln geratenen Konzern wieder ins richtige Fahrwasser manövrieren will. Erleichtert sein dürfte auch die neue Führungsspitze unter CEO Ulrich Körner. Damit konnte hofft sie der brodelnden Gerüchteküche ein Ende zu bereiten. Seit der Ankündigung Ende Juli, die Unternehmensstrategie auf den Prüfstand zu stellen, waren fast im Tagesrhythmus neue Spekulationen aufgekommen.

Nun zeigt sich: Die Restrukturierung bei der Credit Suisse fällt nicht so radikal aus wie von vielen Beobachtern befürchtet. Trotzdem schraubt die Bank gehörig an den Kosten. Ziel: Eine «einfachere, fokussiertere und stabilere Bank» zu schaffen, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

9000 Stellen fallen weg – 2,5 Milliarden Franken werden eingespart

Bei der Strategieüberprüfung hatte die CS angekündigt, die absolute Kostenbasis der Gruppe mittelfristig auf unter 15,5 Milliarden Franken zu senken. Das wären Einsparungen von rund 10 Prozent. Wie die Bank nun mitteilt, dass die Kostensenkung «beschleunigt» werden und noch grösser ausfallen soll. Ziel: noch 14,5 Milliarden Franken im Jahr 2025, wie die CS am Donnerstag schreibt. Auf dem Weg dorthin sollen im kommenden Jahr bereits Einsparungen von 1,2 Milliarden umgesetzt werden. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2022 sollen erste Massnahmen dazu umgesetzt werden.

Bereits im Juli war deshalb klar, dass das Unternehmen auch beim Personal den Rotstift ansetzen wird. Allerdings fällt der Stellenabbau weniger hoch aus als befürchtet. Gemäss Mitteilung baut die Credit Suisse 9000 Stellen ab und will Ende 2025 so noch 43’000 Vollzeitstellen kommen. Bereits angelaufen sei der Abbau von 2700 Stellen. Gestützt auf interne Quellen sprach die Nachrichtenagentur Reuters vor einigen Monaten noch von 5000 Stellen, die der Umstrukturierung zum Opfer fallen sollen.

Bank zieht Lehren aus Archegos-Debakel

Ins Visier nimmt die Konzernspitze auch das Investmentbanking. Zwar verzichtet sie nicht ganz auf die Sparte, die ihr zuletzt grosse Verluste eingebrockt hatte. Allerdings wird die Vermögensverwaltung zurückgebaut respektive an die Credit Suisse First Boston ausgelagert, um die Risiken zu minimieren.

Damit zieht die Bank auch einen Schlussstrich unter das Debakel mit dem Hedgefund Archegos im März 2021, bei dem die Investmentbanker sich verspekulierten und 5 Milliarden Franken in den Sand setzten. Damit nicht genug: Im gleichen Monat folgte der Kollaps des Lieferkettenfinanzierers Greensill, der für die CS ebenfalls im Debakel endete.

Zudem will die Credit Suisse ihr Aktienkapital um 4 Milliarden Franken erhöhen um an neues Geld zu kommen. Wie die CS schreibt, hat die Saudische Nationalbank bereits zugesichert, bis zu 1,5 Milliarden Franken einzuschiessen. Sie könnte damit bis zu 9,9 Prozent Anteile erreichen.

Beobachter hatten sich im Vorfeld kritisch geäussert zu einer Aktienkapitalerhöhung. Beim aktuell sehr tiefen Aktienkurs muss die CS nämlich sehr viele neue Aktien unter die Leute bringen um an Geld frisches Kapital zu kommen. Die bestehenden Aktionäre verlieren dadurch übermässig viel von ihrem Eigentum an dem Unternehmen.

Reicht dieser Befreiungsschlag?

Fraglich ist, ob die CS mit diesem Befreiungsschlag endlich zur Ruhe kommt. Bei der zweitgrössten Bank der Schweiz rumort es schon seit längerer Zeit gehörig. Die Liste der Pleiten, Pech und Pannen in den letzten Jahren ist lang. Ende Juli musste dann Konzernchef Thomas Gottstein zurücktreten, nachdem die Grossbank fürs zweite Quartal einen Vorsteuerverlust von 1,2 Milliarden Franken vermeldete.

Auch der Aktienkurs Credit Suisse ist seit Monaten gehörig unter Druck. Eine Aktie der Grossbank war beim Börsenschluss am Donnerstag weniger wert als 5 Franken. Der Börsenwert der zweitgrössten Schweizer Bank hat sich damit seit Jahresanfang halbiert und ist nun mit rund zehn Milliarden Franken kaum mehr höher als jener von mittelständischen Banken.