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Die finanziellen Mittel sind erschöpft: Finale Furioso der Schenk-Stiftung

Über 100 Solistinnen und Solisten hat die Zofinger Schenk-Stiftung auf die Bühne gebracht. Mit dem letzten Talentwettbewerb setzt die Stiftung im September zum Schlussakkord an. Das letzte Jahreskonzert folgt dann im November.

«Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen», schrieb Beethoven über seine Missa solemnis. Das Werk sprengte den liturgischen Rahmen und wurde zur universellen Botschaft. Auch die Schenk-Stiftung ist ein Vermächtnis, das über sich hinauswuchs und damit mehr als ein privates Engagement.

Von der Ouvertüre zu einem Miteinander der Förderung

Aus der Vision von Jmanuel (1929-1996) und Evamaria Schenk (1931-2011) erwuchs – im Zusammenspiel mit Musikhochschulen und unter den wachsamen Ohren einer Fachjury – ein Wettbewerb, der Talenten eine Bühne von Rang eröffnete. Nun treten ein letztes Mal zwölf junge Solistinnen und Solisten an. Am Wettbewerb vom 10. September qualifizieren sich drei von ihnen für das Finale furioso, das Jahreskonzert vom 28. November. Mit diesem Schlussakkord verabschiedet sich die Stiftung – und hallt zugleich als Vermächtnis nach.

Denn ihre Preisträgerinnen und Preisträger musizieren heute weltweit. Joachim Müller-Crepon ist erster Cellist bei Netherlands Philharmonic, Andrea Tenaglia ist Oboist beim Teatro dell Opera di Roma. Weitere klingende Namen: Regula Mühlemann, Opernsängerin sowie Oliver Schnyder und Piotr Alexewicz, beides Pianisten. Sie alle tragen den Preis der Schenk-Stiftung gerne in ihrem Palmares.

Ein Schlussbouquet zum Jubiläum

Dass das Schlussbouquet erst im 30. Jubiläumsjahr erklingt, hätte man sich bei der Gründung der Stiftung am 25. September 1995 nicht träumen lassen. Doch dank Umsicht und viel ehrenamtlichem Engagement reichten die Mittel. Gesichert ist die Finanzierung – dank dem Swisslos-Fonds des Kantons Aargau. Ein Restbetrag geht an eine Stiftung mit ähnlichem Zweck. So verfügte es das kinderlose Ehepaar Schenk, selbst keine Musiker, aber grosse Klassikliebhaber.

Während Jmanuel Schenk schon 1996 verstarb, erlebte Dorothee Stich – seit 2007 Geschäftsführerin – seine Frau Evamaria noch persönlich. «Sie liess sich keinen Auftritt entgehen. Bis kurz vor ihrem Tod genoss sie die Wettbewerbe im September und das Jahreskonzert im November mit Begeisterung.»

30 Jahre lang haben Musikhochschulen von der Schenk-Stiftung als Brückenbauerin profitiert, indem sie ihre besten Abschlussstudenten entsandten. Diese konnten sich mit Hörproben und drei Vorschlägen bewerben.

Hinweis

Solistenwettbewerb der Schenk- Stiftung im Stadtsaal Zofingen: Mittwoch, 10. September, ca. 9.30 bis 11.50 sowie 13.30 bis 15.50 Uhr. www.schenk-stiftung.ch/

Auftritt mit Orchester ist unbezahlbar

Der Gewinn des Wettbewerbs bringt zwar Renommée, noch wichtiger ist aber die damit verbundene einmalige Entwicklungschance, die sich keine Hochschulabsolventin oder Hochschulabsolvent kaufen kann: Denn zum Start der Karriere kann kaum jemand mit einem professionellen Orchester proben und an der öffentlichen Aufführung als Solist glänzen.

Der Fördergedanke der Schenk-Stiftung hat ihren Widerhall gefunden: Die Stadt Zofingen spendet seit 2007 einen mit 1000 Franken dotierten Sympathiepreis, den das Publikum via Onlineabstimmung verleiht. Auch argovia philharmonic belohnt die beste Zusammenarbeit und setzt damit ein Zeichen: Zwar werden manche Solisten zu Stars, sie sollen aber keine Allüren entwickeln, sondern sich stets in den Dienst der Sache stellen.

«Die Förderung der jungen Talente steht bei allen Beteiligten über allem», sagt Dorothee Stich. «Mich hat das von Anfang an überzeugt, sonst hätte ich das Mandat nicht übernommen.»

Hinter die Kulissen von Musikerkarrieren schauen

Nun also steht der letzte Talentwettbewerb bevor. Die 20-minütigen Auftritte im Stadtsaal sind am 10. September öffentlich zugänglich, Programm und Zeiten finden sich auf der Website der Schenk-Stiftung. «Wie oft habe ich schon gehört: ‹Wenn ich kann, richte ich es mir ein, sonst komme ich eben nächstes Jahr›», schmunzelt Dorothee Stich. «Wer den ganzen Prozess vom Wettbewerb bis zur Aufführung miterleben will, hat nun letztmals Gelegenheit.»

Mit dem «Finale furioso» am 28. November schliesst sich der Bogen. Und doch klingt der Geist der Musik weiter: in den Karrieren der Preisträger und in den Konzertsälen – als Nachhall eines Vermächtnisses, das Karrieren eröffnet.