Sie sind hier: Home > International > Thailands Premierministerin Shinawatra verliert ihr Amt nach umstrittenem Telefonat

Thailands Premierministerin Shinawatra verliert ihr Amt nach umstrittenem Telefonat

Thailands Verfassungsgericht hat die Entlassung der suspendierten Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra wegen Ethikverstössen angeordnet.

In einem Telefonat mit Kambodschas früherem Langzeitregierungschef und heutigen Senatspräsidenten Hun Sen habe sie den Interessen Thailands geschadet, befanden die Richter am Freitag. Damit ist Paetongtarn mit sofortiger Wirkung ihr Amt los, das sie rund ein Jahr lang inne hatte.

In ihrem Gespräch mit Hun Sen war es um Spannungen um ein von beiden Ländern beanspruchtes Grenzgebiet gegangen. Kritiker warfen ihr vor, sich zu sehr bei Hun Sen angebiedert und ihn «Onkel» genannt, zugleich aber einen thailändischen General in der Grenzregion als ihren «Gegner» bezeichnet zu haben.

Hun Sen leakte später eine Audioaufnahme des Telefonats, die in Thailand für einen Aufschrei sorgte. Der kambodschanische Ex-Premier gilt als langjähriger Freund von Thaksin Shinawatra, dem thailändischen Ex-Regierungschef und Vater von Paetongtarn. Diese entschuldigte sich, betonte jedoch, sie habe ihrer Heimat keinen Schaden zugefügt. Vielmehr habe sie in dem Gespräch mit Hun Sen eine Verhandlungstaktik angewandt.

Ende Juli eskalierte der Grenzdisput, es kam zu mehrtägigen Gefechten mit Dutzenden Toten. Mehr als 260’000 Menschen wurden vertrieben.

Die Richter am thailändischen Verfassungsgericht stimmten einstimmig dafür, eine Petition zu prüfen, in der Paetongtarn ein Verstoss gegen Ethikregeln vorgeworfen wird. Seit 1. Juli war sie suspendiert.(dpa)