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Blicke ins Weltall wie nie zuvor: Die ersten Bilder der Euclid-Raummission mit Aargauer Beteiligung sind da

Diesen Sommer startete das Weltraumteleskop Euclid seine Reise ins Weltall. An der Mission, dunkle Materie und dunkle Energie zu erforschen, ist auch ein Team der Fachhochschule Nordwestschweiz beteiligt. Nun wurden die ersten Bilder aus dem All veröffentlicht. Sie zeigen nie zuvor Gesehenes. 
Spiralgalaxie IC 342: Im Laufe seiner Lebensdauer wird Euclid Milliarden von Galaxien abbilden und den unsichtbaren Einfluss der dunklen Materie und der dunklen Energie auf sie enthüllen.
Bild: ESA
Unregelmässige Galaxie NGC 6822: Um eine 3D-Karte des Universums zu erstellen, wird Euclid das Licht von Galaxien in einem Umkreis von 10 Milliarden Lichtjahren beobachten.
Bild: ESA
Kugelsternhaufen NGC 6397: Dieses funkelnde Bild zeigt Euklids Blick auf einen Kugelsternhaufen namens NGC 6397. Es handelt sich um den zweitnächsten Kugelsternhaufen der Erde, der etwa 7800 Lichtjahre entfernt ist.
Bild: ESA
Der Pferdekopfnebel: Euclid zeigt uns einen spektakulären Panoramablick und eine detaillierte Ansicht des Pferdekopfnebels, auch bekannt als Barnard 33 und Teil des Sternbilds Orion.
Bild: ESA

Seit vier Monaten befindet sich die Euclid Raumsonde auf ihrer Reise zum Lagrange-Punkt 2 – rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Mit an Bord ist ein leistungsfähiges Weltraumteleskop, das eine dreidimensionale Karte des Universums anfertigen soll. Diese wird über einen Drittel des gesamten Himmels abdecken und eine Zeit von zehn Milliarden Jahren kosmischer Geschichte repräsentieren. Forschende werden die Karte nutzen, um die Eigenschaften von dunkler Energie und dunkler Materie zu messen.

Auch ein Team der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) arbeitet seit über zehn Jahren zusammen mit Forschenden aus 15 Ländern am ambitionierten Projekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Konkret sind die Spezialisten aus Brugg-Windisch für die Verarbeitung der Daten, die von der Raumsonde zur Erde geschickt werden, verantwortlich.

Und die Menge dieser Daten hat es mehr als in sich: Während der rund sechs Jahre andauernden Mission schickt Euclid rund 1 Petabyte an Daten zur Erde – dies entspricht rund einer Million Gigabytes. Hinzu kommen Daten von anderen Missionen, die mit den Eucliddaten verwoben werden. Insgesamt rechnen die Forscher darum mit rund 150 Petabytes an Daten, die es zu verarbeiten gilt – eine unvorstellbar komplexe Aufgabe.

Zahlreiche Galaxien zum ersten Mal überhaupt sichtbar gemacht

Nun wurden also die ersten Farbbilder der ESA-Mission aus dem Kosmos enthüllt, wie die FHNW-Forschenden in ihrer Mitteilung schreiben. Diese zeigen etwa den Perseus-Galaxiecluster, von dem zahlreiche einzelne Galaxien zum ersten Mal überhaupt sichtbar gemacht werden konnten. Oder die Spiralgalaxie IC 342, die als Schwesterngalaxie unserer Milchstrasse gilt.

Die Bilder seien dabei nicht nur schön anzusehen, schreibt das Forscherteam der FHNW. Sie zeigen auch auf eindrückliche Weise die Leistungsfähigkeit der Instrumente an Bord von Euclid. Das Weltraumteleskop der Sonde beobachtet nämlich nicht nur im sichtbaren, sondern auch im infraroten Bereich des elektromagnetischen Spektrums.

Mit einer einzigen Aufnahme können somit Bilder mit einer Schärfe und in einem Bildausschnitt erzeugt werden, wie es bis anhin nicht möglich war. Die Bilder zeigen daher ein riesiges Spektrum von Objekten: von sehr hellen Sternen bis hin zu sehr lichtschwachen Galaxien, in die hineingezoomt werden kann.

FHNW-Forscher stolz über Beitrag zu faszinierenden Bildern

«Wir haben noch nie zuvor solche astronomischen Bilder gesehen, die so viele Details enthalten. Sie sind sogar noch schöner und schärfer, als wir es uns erhoffen konnten, und zeigen uns viele bisher ungesehene Merkmale in bekannten Gebieten des nahen Universums», wird René Laureijs, ESA-Wissenschaftler am Euclid-Projekt, in der Mitteilung der FHNW zitiert. Man sei nun bereit, Milliarden von Galaxien zu beobachten und ihre Entwicklung im Laufe der kosmischen Zeit zu studieren.

Martin Melchior, Forscher am Institut für Data Science der FHNW.
Bild: zvg

Die Verarbeitung der riesigen Datenmengen der Euclid-Sonde laufe bisher wie erwartet. Martin Melchior, Forscher am Institut für Data Science der FHNW, wird im Schreiben wie folgt zitiert: «Wie immer in dieser Phase von solchen Projekten treten Besonderheiten hervor, die Anpassungen erforderlich machen. Einzelne Verarbeitungsschritte mussten wir noch anpassen, aber das hat alles gut geklappt und wir sind bislang sehr zufrieden.»

Auch die FHNW-Forschenden seien begeistert von den entstandenen Bildern. «Der Blick in die Tiefen und die Geschichte des Weltalls ist faszinierend und wir sind sehr stolz, dass wir einen Teil dazu beitragen konnten, diese Bilder sichtbar zu machen», heisst es im Schreiben der Forscher. (luk)