
Die Lehrstellensuche im Aargau wird moderner: Das plant der Kanton
Er ist intuitiv zu bedienen und liefert, was er verspricht – der Lehrstellennachweis, kurz LENA, auf der Website des Kantons. Nur optisch hat die Suchanfrage Luft nach oben. Zumal die Website junge Menschen ansprechen soll, die sich von Apps und sozialen Medien an auffällige Farben, moderne Layouts und interaktive Elemente gewöhnt haben.
Dieser Meinung sind auch die beiden Grossräte Roland Haldimann (EDU) und Kurt Gehrhard (SVP). Sie wünschen sich, dass der Onlineauftritt der offenen Lehrstellen einen für Jugendliche motivierenderen Auftritt erhält. Deshalb haben die beiden Politiker im Juni einen Vorstoss eingereicht. In ihrer Interpellation stellten sie dem Regierungsrat sechs Fragen.
Diese drehten sich um den Internetauftritt des LENA, dessen Einbindung in den Schulunterricht, aber auch um die Dauer, während der Lehrbetriebe ihre Stellen ausschreiben können. Der Regierungsrat hat die Fragen nun beantwortet.
Lehrstellen werden bald national ausgeschrieben
Die Interpellanten wollten wissen, ob und wie das zuständige Departement Bildung, Kultur und Sport plant, die Website LENA attraktiver zu machen. Hierzu kündigt der Regierungsrat eine Veränderung an. Er schreibt, dass im März 2023 der Lehrstellennachweis überprüft und dabei festgestellt wurde, «dass Anpassungen sowohl technischer wie auch inhaltlicher Natur notwendig sind».
Um Kräfte zu bündeln, habe man sich dazu entschieden, die Weiterentwicklung nicht selbst in die Hand zu nehmen, sondern sich der nationalen LENA-Plattform anzuschliessen. Diese wird durch das Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung | Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung betreut, überarbeitet und inhaltlich neu aufgebaut.
Ab Mitte des nächsten Jahres soll die kantonale Plattform umgestellt werden. «Sodass ab 2026 im Kanton Aargau offene Lehrstellen und Schnupperlehrstellen einzig über das nationale LENA publiziert werden können.» Die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn hätten gemeinsam einen Anforderungskatalog erarbeitet und eingereicht, um sicherzustellen, dass die neue Plattform ihre Bedürfnisse berücksichtigt.
Frühzeitige Verträge setzen Jugendliche unter Druck
Haldimann und Gerhard fragten weiter: «Ist sich der Regierungsrat bewusst, dass ein grosser Teil der Lehrstellen durch KMUs angeboten werden und diese mit der Möglichkeit, Lehrstellen für zwei Jahre auszuschreiben, entlastet werden könnten?» Der Wunsch nach einer längerfristigen Ausschreibung sei nachvollziehbar, antwortet der Regierungsrat.
«Allerdings», ergänzt er, «ist dieser mit dem gemeinsam von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt getragenen Commitment zum Berufswahlprozess und zur Lehrstellenbesetzung nicht vereinbar.» Dieses lege fest, dass offene Lehrstellen frühestens im August des Jahrs vor Lehrbeginn zur Bewerbung ausgeschrieben und Verträge frühestens ein Jahr vor Beginn abgeschlossen werden können.

Bild: Raphaël Dupain
So hätten Jugendliche genügend Zeit, ihren Beruf sorgfältig zu wählen. «Erfahrungen aus Schule, Berufsberatung und Lehrbetrieben zeigen: Je früher Jugendliche Entscheidungen unter Druck treffen müssen, desto höher ist das Risiko, dass sie sich auf eine Lehrstelle einlassen, die nicht zu ihren Fähigkeiten, Interessen oder ihrer persönlichen Reife passt», argumentiert der Regierungsrat.
Zudem führe die Volksschule am Ende des zweitletzten Schuljahrs den Check S2 durch. Dieser helfe, das spezifische Anforderungsprofil eines Berufs und den individuellen Lernstand der Jugendlichen zu vergleichen, realistisch einzuschätzen und gezielt zu fördern. Würde ein Lehrvertrag zu früh abgeschlossen werden, lägen diese Ergebnisse noch nicht vor.
Die meistbesuchteste Website des Kantons
Zur Frage, wie der LENA an den Abschlussklassen thematisiert wird, schreibt der Regierungsrat, dieser sei ein zentraler Bestandteil der beruflichen Orientierung an den Aargauer Oberstufen. Aktuelle Zahlen belegen, dass es eine der meistbesuchten Websites des Kantons sei.
Eine Zusammenarbeit mit anderen digitalen Lehrstellenbörsen, wie sie die Interpellanten vorgeschlagen haben, plant der Kanton nicht. Eine solche sei geprüft worden, befinde sich jedoch aus finanziellen Gründen nicht im Rahmen des Möglichen.

Bild: Sandra Ardizzone