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Felssturz vor Ende Jahr wahrscheinlich: Diesem Bergdorf droht die Evakuation

Der Boden im Gebiet von Brienz GR ist in Bewegung. Schon diesen Frühling könnten Häuser verschüttet zu werden.

Nun gilt es ernst. Seit Jahren steht das Bergdorf Brienz GR unter Beobachtung, weil sich Gesteinsmassen über und unter dem Dorf bewegen. Seit sechs Jahren darf im Dorf nicht mehr gebaut werden. Es steht in der roten Zone. Die Menschen leben mit dem Bewusstsein, dass sie ihre Häuser und ihr Land eines Tages zurücklassen müssen. Dieser Tag könnte nun bald kommen.

An einer gut besuchten Informationsveranstaltung in einer Schule im nahen Tiefencastel riefen die Behörden am Donnerstagabend die Brienzer dazu auf, sich für eine Evakuation bereit zu machen, die mit wenigen Wochen Vorlauf angekündigt werden könnte.

Grund dafür ist ein felsiges Gebiet hoch über dem Dorf mit dem Namen «Insel», das sich seit langer Zeit bewegt. In letzter Zeit hat diese «Rutschung» aber Fahrt aufgenommen. Zwischen Frühsommer und Ende Jahr dürfte das Gestein aus der Insel abrutschen. Geologe Reto Thöny skizzierte verschiedene Szenarien. Mit welcher Geschwindigkeit sich das Gestein bewegt, ist offen. Am wahrscheinlichsten sind mehrere Felsstürze.

Aber auch ein langsamerer Schuttstrom oder ein Bergsturz sind möglich. Pascal Porchet, Chef des kantonalen Führungsstabes, präsentierte zudem verschiedene Evakuierungspläne. Am wahrscheinlichsten ist eine Evakuation über mehrere Wochen, aber auch schnellere Szenarien sind möglich. Die Zugänge zum Dorf würden nach einer Evakuation mit Betonelementen abgesperrt. Einwohner müssten einen Wachposten passieren, um temporär nach ihren Häusern schauen zu können.

Gut besucht Veranstaltung: Informationen zum drohenden Felssturz.
Keystone

Im Jahr 1877 bewegten sich in Brienz grosse Gesteinsmassen talwärts. Das heute «Igl-Rutsch» genannte Phänomen ereignete sich aber relativ langsam über mehrere Wochen. Menschen kamen dabei keine zu Schaden. (rit)