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«Wetterentwicklung, die man im Auge behalten muss»: Droht dem Aargau das nächste Hochwasser?

Auf den Schnee folgt der Regen. In der Schweiz wird es in den kommenden Tagen warm und nass. Dies führt zu viel Schmelzwasser, auch im Aargau. Ist der Kanton darauf vorbereitet? Ein Experte gibt Auskunft.

Die weisse Pracht im Kanton Aargau, der Schnee, schmilzt an den ersten Orten bereits wieder. Und kälter wird es in den kommenden Tagen auch nicht. Will heissen: Aus Weiss könnte wieder Grün und Grau werden.

Dazu kommen warnende Worte von SRF Meteo. In der Sendung vom Montagabend sagt Meteorologe und Moderator Jan Eitel zunächst, dass in der Nacht auf Mittwoch «das nächste Päckchen mit Schnee und Regen» auf die Schweiz zukomme. Die Schneefallgrenze bleibe bei 400 bis 500 Metern.

Dann kommt Eitel auf das Wochenende und den Beginn der kommenden Woche zu sprechen. Er sagt, dass die Temperaturen am Sonntag und am Montag sogar in den zweistelligen Bereich ansteigen dürften. «Und das ist eine Wetterentwicklung, die mir ein bisschen Sorgen macht», sagt Eitel.

Jan Eitel, Meteorologe und Moderator bei SRF Meteo.
Screenshot: SRF

Der Meteorologe zeigt eine Strömungsanimation. Auf dieser ist ersichtlich, dass sich über der iberischen Halbinsel ein Hochdruckgebiet befindet, über Grossbritannien ein Tiefdruckgebiet. Dazwischen eine stürmische, südwestliche Höhenströmung. Diese bringe sehr milde Luft, aber eben auch feuchte Luft. Es könnte bis in eine Höhenlage von 2000 Metern Regen geben.

Das Problem dabei: Es kommt dann sehr viel Schmelzwasser zusammen, und aktuell seien die Abflüsse in den Flüssen schon «hoch bis sehr hoch», erklärt Eitel. Er ergänzt: «Das ist eine Wetterentwicklung, die man im Auge behalten muss.»

Letztes Hochwasser im Aargau Mitte November

Wirft man einen Blick auf die Website naturgefahren.ch, fällt einem auf, dass für die Aare im Kanton Bern bereits Warnstufe 2 von 5 gilt (mässige Gefahr), und zwar zwischen dem Bielersee und der Mündung Emme.

Die Flüsse im Kanton Aargau sind zuletzt vor drei Wochen teilweise über die Ufer getreten. Das war am am 15. November. Damals führte die Reuss in Mellingen in der Spitze 533 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab, am Dienstagnachmittag sind es rund 155 Kubikmeter pro Sekunde. Und auch die Limmat in Baden führte am 14. November kurz vor Mitternacht ein Vielfaches an Wasser (437 m3 pro Sekunde) als aktuell (143 m3 pro Sekunde). Ähnlich sieht das beim Rhein in Rheinfelden aus: Er führte am 15. November zu Spitzenzeiten 3233 m3 pro Sekunde, aktuell sind es rund 1800 m3 pro Sekunde.

Das sagt der Experte des Kantons

Droht erneut Hochwasser oder reicht das noch nicht? Der Puls bei Silvio Moser ist noch nicht erhöht. Er ist Leiter Pikettdienst beim Kanton Aargau und erklärt der AZ am Telefon die Lage. Aktuell beobachte man die Situation mit «leicht erhöhter Aufmerksamkeit», sagt er, und ergänzt: «Aufgrund des bis in tiefe Lagen liegenden Schnees ist Potenzial für ein Hochwasser ist da.»

Silvio Moser, Leiter Pikettdienst Kanton Aargau.
Bild: zvg / Kanton Aargau

Da die intensiveren Niederschläge und der gleichzeitige Anstieg der Nullgradgrenze erst gegen das Ende der aktuellen beziehungsweise anfangs der kommenden Woche zu erwarten sind, bricht beim Kanton noch keine Hektik aus.

Kanton Bern erhöht Abfluss aus Bielersee – für den Aargau «kein Problem»

Und dass es für die Aare vom Bielersee bis zur Mündung der Emme eine Warnung gibt, macht ihm auch keine Sorgen. Denn das ist Absicht. Moser erklärt: «Diese Woche bietet es sich an, die Seen zu entleeren.» Die Juraseen (Bielersee, Neuenburgersee und Murtensee) sind von den Niederschlägen und Zuflüssen der vergangnen Tage noch gut gefüllt.

Indem der Kanton Bern jetzt die Abflussmenge erhöht, passe er den Pegelstand wieder an das Niveau der aktuellen Jahreszeit an und schaffe so mehr Rückhaltevolumen und Platz für allfälliges Hochwasser. Silvio Moser sagt dazu: «Das ist kein Problem für uns, denn die Abflüsse im Kanton Aargau sind in den vergangenen Tagen zurückgegangen.»

Sollte es dann doch intensiver zu regnen beginnen und dies auch in höheren Lagen, ist der Kanton Aargau vorbereitet, sagt Moser.