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«Uns beschäftigt die Fragestellung: Was macht ein gutes Bild aus?»

Der AARSO Fotoklub Zofingen wird 50 Jahre alt. In einer Jubiläumsausstellung geben die Mitglieder einen Einblick in ihre teils preisgekrönten Arbeiten. Toni Costanzo und Heinrich Kessler sprechen über die Faszination Fotografie.

«Heute kannst du nicht davon ausgehen, du könntest einen Fotoapparat in die Hand nehmen und das perfekte Bild schiessen», sagt Heinrich Kessler ohne Umschweife. Das Bild sei höchstens durchschnittlich – erst nachdem es bearbeitet worden sei, könne man damit einen Preis gewinnen. Kessler, der sich selber eher als Bildgestalter denn als «Augenblick-Fotografen» bezeichnet, weiss, wovon er spricht. Der 71-jährige Oftringer ist amtierender Schweizer Meister – vom Verband PhotoSuisse als «Bester Allround-­Fotograf 2023» ausgezeichnet, wie der offizielle Titel lautet – und darf sich auch mit der Auszeichnung «Artiste FIAP» (AFIAP) schmücken. Eine Auszeichnung, die Autoren verliehen wird, deren künstlerische Qualitäten, Technik und Produktion durch die Teilnahme an internationalen Salons unter dem Patronat der FIAP (Fédération Internationale de l’Art Photo­graphique), des weltweit tätigen Dachverbands für Amateur- und Profifotografen, anerkannt wurden. Er könne gut und gerne 30 bis 40 Stunden am gleichen Bild arbeiten, verrät Kessler, der während einer Amerika-Reise 1974 vom Fotovirus gepackt wurde und seit 1982 Mitglied im AARSO Fotoklub Zofingen ist.

Heinrich Kessler (links) und Toni Costanzo.
Bild: tf

Das Gestalterische sei seit eh und je das Anliegen des Zofinger Fotoklubs gewesen, betont Toni Costanzo, der dem Verein seit mittlerweile acht Jahren als Präsident vorsteht. «Uns beschäftigt die Fragestellung: Was macht ein gutes Bild aus?», präzisiert er. Und dies bereits seit 50 Jahren. Regelmässig treffen sich die aktuell 18 Mitglieder des Vereins in der Zofinger Freizeitwerkstatt Spittelhof zum intensiven Austausch über Fotografie und Gestaltung.

Einem Austausch, der den Anwesenden schon mal ein schönes Mass an Kritikfähigkeit abverlangen kann. «Dieses Bild musst du so gar nicht zeigen», sei der Kommentar des verstorbenen Gründungs- und Ehrenmitglieds Kurt Bader (AFIAP) gewesen, als er 2012 seine ersten Bilder vorgelegt habe, erinnert sich Costanzo. «Aber ich bin in den AARSO gerade darum eingetreten, weil ich etwas lernen wollte», sagt er. Offensichtlich mit Erfolg. Costanzo wurde seither mehrfach ausgezeichnet, zuletzt am PhotoSuisse-­Wettbewerb 2023. Dort wurde sein Farbbild «Der Berg» mit dem Sonderpreis für das «beste Farbbild Landschaft» ausgezeichnet. Und der AARSO Fotoklub Zofingen wurde ein weiteres Mal als bester Fotoklub der Schweiz geehrt.

Der Fotograf. 
Bild: Antonio Costanzo

Mit Anlaufschwierigkeiten gestartet

Die Gründung des AARSO Fotoklubs Zofingen (die Abkürzung AARSO steht für Aargau und Solothurn) ergab sich aus einem in Aarburg durchgeführten Fotokurs. Nach dessen Beendigung beschlossen die Teilnehmer, das Gelernte weiter zu vervollkommnen. Am 5. Februar 1974 wurde der Klub, damals noch mit Sitz in Oftringen, durch 19 Gründungsmitglieder aus der Region Zofingen/Olten aus der Taufe gehoben.

Erster Präsident des Vereins war der ehemalige Rothrister Lehrer René Gangwisch. «Doch kaum eines der damaligen Gründungsmitglieder dachte im Traum daran, dass der weite Weg so steinig sein würde», lässt sich in der Festschrift zum 10-jährigen Bestehen nachlesen. «War man bei den ersten vereinsinternen Fotowettbewerben noch einigermassen stolz auf die erreichten Resultate, so enttäuschten die Ergebnisse bei den Wett­bewerben des Schweizerischen Amateur-Photographen-Verbandes (SAPV). Hintere Ränge bei den nationalen Wertungen waren in den ersten Gründungsjahren die Regel», heisst es dort weiter.

Zahlreiche der damaligen Gründungsmitglieder ertrugen die Kritik schlecht und kündigten ihre Mitgliedschaft beim noch jungen Klub. Andere arbeiteten unverdrossen an ihrem Hobby weiter. Mit Erfolg. 1979 wurde erstmals ein Bild eines AARSO-Fotografen bei einem SAPV-Wettbewerb prämiert. 1985 wurde der AARSO Fotoklub Zofingen erstmals als bester Fotoklub der Schweiz ausgezeichnet.

Auch wenn es angesichts der schieren Masse an hervorragenden AARSO-Fotografinnen und -Fotografen schwierig sei, einzelne Namen hervorzuheben, so hätten sich doch vier Fotografen in besonderem Mass um die Entwicklung des Fotoklubs verdient gemacht, meint der heutige Präsident: die beiden verstorbenen Ehrenmitglieder Kurt Bader und Andi Brunner sowie Heinrich Kessler und Daniel Brändli.

New England.
Bild: Heinrich Kessler

Höchstes Ansehen ­gewonnen

Seither hat sich der Fotoklub aus der Thutstadt unter den ­besten Fotoklubs der Schweiz etabliert. Mehr noch: In den letzten Jahren hat der AARSO Fotoklub Zofingen den Wettbewerb des Verbands, der heute PhotoSuisse heisst, regelrecht dominiert. Seit 2014 wurde AARSO acht Mal als bester Fotoklub der Schweiz ausgezeichnet, 2015 sowie 2020 belegte der Verein den zweiten Platz. Gleichzeitig stellte AARSO mit Daniel Brändli (2015 bis 2017) sowie Heinrich Kessler (2014 und 2023) auch fünf Mal den besten Fotografen. Ernst Fretz (2020) und Daniel Brändli (2022) verpassten diese Ehre als jeweils Zweitklassierte ebenso knapp wie Heinrich Kessler (2018 und 2019) als Drittplatzierter.

Jubiläumsausstellung zum 50-jährigen Bestehen

Eine Auswahl dieser preisgekrönten Aufnahmen, aber auch neuste Arbeiten seiner Mitglieder präsentiert der AARSO Fotoklub Zofingen in einer Jubiläumsausstellung zu seinem 50-jährigen Bestehen. Vom 8. bis zum 16. Juni bietet sich im Alten Schützenhaus Zofingen die Möglichkeit, die faszinierende Welt der Fotografie zu erkunden. Ob atemberaubende Landschaften, berührende Porträts, stilvolle Aktbilder, wunderbare Stillleben oder grossartige Architektur-Aufnahmen – die Bilder erzählen Geschichten, welche ohne die künstlerische Vision und das technische Können der Fotografinnen und Fotografen nie hätten erzählt werden können. Der Eintritt ist frei.

Jubiläumsausstellung

8. bis 16. Juni Im Alten Schützenhaus Zofingen
Öffnungszeiten:
Montag und Dienstag, jeweils 17.30 bis 21 Uhr
Mittwoch, 14 bis 21 Uhr
Donnerstag und Freitag, jeweils 17.30 bis 21 Uhr
Samstag und Sonntag, jeweils 10 bis 17 Uhr