Olten-Trainer Chris Bartolone: «Man muss ein Coach mit Herz sein»

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Nach der Beförderung vom Assistenztrainer zum Headcoach will Chris Bartolone den EHC Olten in den Playoffs zum Erfolg führen. (Bild: Freshfocus)

Chris Bartolone, Sie haben sich hier in Schaffhausen aber eine schmucke Umgebung ausgesucht, um sich auf die Playoffs vorzubereiten.
Chris Bartolone: Ja, die Gegebenheiten hier sind ideal, das Stadion ist fast neu, das Hotel ist super, das Essen wunderbar. Es tut gut, mal von zu Hause wegzukommen, mal abgelenkt zu sein vom Alltag – von den Kindern, von der Partnerin, vom Hund. Es gibt in diesen Tagen nur Eishockey, damit können wir uns seriös auf unsere Aufgaben vorbereiten.

Es kann auch als Flucht aus Olten verstanden werden. Empfinden Sie das Trainingslager als zwingend?
Was ist schon zwingend im Leben? Es ist mit Bestimmtheit ein sehr guter Plan, ein sehr smarter Schritt. Wir verbringen intensive Tage, was uns auch als Team näher zusammenrücken lässt. Solche Tage schweissen zusammen, und das spüre ich als Coach.

Wo liegt der Fokus im Training so kurz vor Playoffstart?
Ganz klar in den Details. Wir arbeiten in diesen Tagen an der Beherrschung der Defensivzone sowie der neutralen Zone, dem Forechecking, den Specialteams und vielen solcher Sachen. Und wir setzen uns intensiv mit dem Gegner auseinander.

Ist es so einfach?
Das System ist platziert und intakt. Die Spieler wissen, was sie zu tun haben. Die Serie wird über die kleinen Sachen entschieden. Wer sie korrekt macht und wer weniger Fehler produziert, wird gewinnen. Ich habe den Spielern gesagt: Spielt einfaches Eishockey, macht es nicht kompliziert. Es gibt im Englischen einen treffenden Begriff: ‹Kiss› – ‹Keep it simple and smart›. Können wir die zwei blauen Linien kontrollieren, werden wir einen Schritt schneller sein. Halten sich alle an die Vorgaben, befinden wir uns auf der Erfolgsspur.

Das wird kaum möglich sein, dass sich alle daran halten werden.
Eishockeyspieler sind wie kleine Kinder. Man muss sie tagtäglich darauf hinweisen: ‹Mach es diesen Weg und nicht so.› Und das macht auch einen guten Vater aus, wenn man die Kinder immer und immer wieder daran erinnert.

Wie bringt man diese Disziplin in die Köpfe der Spieler?
Über Konsequenzen. Man muss aber unterscheiden können: Fehler darf man machen, aber nicht jene, die aufgrund von fehlendem Fokus gemacht werden. Diese Fehler dürfen nicht passieren und werden bestraft, dann sitzt man schneller auf der Bank als erwartet.

Die letzten Wochen haben stark am Selbstvertrauen genagt, die Spieler sind verunsichert. Sehen Sie sich manchmal auch als Psychologe?
Nun, als Assistenztrainer ist es ein Teil der Aufgabe, die Spieler zu motivieren, mit ihnen zu sprechen. Ich habe das nun eine Weile lang gemacht – und ich mache es auch heute noch gerne und intensiv. Genauso wie sich das Eishockey in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verbessert hat auf dem Eis – das Tempo, das Schiessen, das Stickhandling und so weiter –, hat sich das Spiel auch im mentalen Bereich entwickelt. Man muss als Trainer seine Spieler so gut kennen, wie das noch niemals zuvor der Fall war. Man muss ein Coach mit Herz sein. Und das bin ich, ich bin auch ein Mensch.

Sie waren als Assistenztrainer auch ein Freund der Spieler. Heute müssen Sie harte Entscheidungen treffen. Können Sie das?
Das ist mein Job. Die Spieler sind in einem professionellen Team und wenn sie nicht Professionalität vorleben können, sollten sie nicht hier sein. Wenn du mal diesen Wechsel zum Headcoach gemacht hast, müssen die Spieler verstehen, dass du nun Headcoach bist. Und das tun sie. Es ist auch für mich eine Umstellung und ich weiss: Es ist eine feine Linie, von der ich nicht abweichen darf. Insbesondere auf dem Eis muss ich meine strikte Linie haben, nur damit erreicht man grosse Ziele. Neben dem Eis wissen alle, dass meine Türe offen ist für Gespräche. Wenn ich hart bin und jemanden bestrafe, ist es nicht, weil ich den Spieler nicht mag. Ich will vielmehr, dass er besser wird.

Das Selbstvertrauen ist ein grosses Thema beim EHCO. Wie erlangt man dieses nach einem Tief wieder?
Jeder ist ein individueller Spieler und reagiert unterschiedlich auf negative Resultate oder Einflüsse. Als Eishockeyspieler spürt man immer Druck, mal ist es Druck, Meister zu werden, mal kämpft man gegen den Abstieg. Dieser Druck ist jedes Jahr, ja sogar jeden Tag da. Man muss als Profi damit zurechtkommen. Es mag abgedroschen klingen, aber denkt man in den Playoffs Schritt für Schritt, bekommt man das besser in den Griff. Unser Ziel muss sein, am Sonntag dieses erste Spiel zu gewinnen. Nicht mehr, nicht weniger.

Wie steht es um Sie? Spüren Sie persönlich auch Druck? Sie coachen um einen neuen Vertrag.
Ja, ich spüre den Druck, aber es ist gesunder Druck, ich würde es als Anspannung beschreiben. Ich will einen neuen Vertrag und damit einen Schritt weiterkommen in meiner Trainer-Karriere. Aber für mich stehen derzeit die Playoffs im Vordergrund. Natürlich will auch ich gewinnen. Ich habe den Job nicht angenommen, um zu scheitern.

Sie sind zum ersten Mal Headcoach eines Profi-Teams. Wo können Sie sich noch verbessern?
Ich kann mich in allen Belangen verbessern – man ist nie zu alt, um zu lernen. Auch als Coach muss man jedes Jahr seine Fortschritte machen. Bleibt man stehen, ist das ein Rückschritt.

Was macht Thurgau so gefährlich?
Sie sind schon die ganze Saison ein Stolperstein für die gesamte Liga. Thurgau arbeitet sehr hart, hat einen klaren Plan, schnelle Leute, die alle skoren können und einen guten Torhüter – sprich, sie haben das Grundrezept, um Erfolg zu haben. Und natürlich waren sie im Hoch die letzten 15 Spiele. Es geht darum, zur richtigen Zeit präsent zu sein. Wir hatten hingegen einen harten Schlussspurt, konnten nun aber die letzten Spiele gewinnen und sind zuversichtlich, erfolgreicher zu sein als der Gegner.

In wie vielen Spielen gewinnt der EHCO die Serie gegen Thurgau?
Sie sind bereit, wir sind bereit: Ich denke nicht, dass jemand dominieren wird. Es gibt eine unglaublich spannende Serie. Natürlich würde ich es lieben, in vier Spielen durch zu sein, aber ich denke, wir werden nach sechs oder sieben Spielen jubeln dürfen.

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