Beim EHC Olten stehen nach dem Saisonende entscheidende Tage bevor

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Enttäuschte Gesichter nach dem Saisonende: Wie sieht der EHC Olten, Ausgabe 2018/19, aus? (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Diese Szenen nach dem Spielende – sie gehen vielen EHCO-Fans im Gästesektor nahe. Und sie sind sinnbildlich, welch verschworene Einheit beim EHC Olten in den letzten zwei Monaten zusammengewachsen ist und welch grosses Herzblut die Spieler trotz schwieriger Qualifikation doch noch in die Playoffkampagne gesteckt haben. Captain Cédric Schneuwly bat zur Verabschiedung bei den mitgereisten EHCO-Fans den völlig aufgelösten Verteidiger Marc Grieder voran. Zuvor liefen etwa auch bei Verteidigungs-Dirigent Anthony Rouiller die Tränen der Enttäuschung.

Einen solchen Team- und Kampfgeist habe er in seiner Karriere noch nie erlebt, fasst Devin Muller danach enttäuscht zusammen. «Wir können stolz auf unsere Saison sein.» Nach der bitteren Finalniederlage – der dritten in den letzten fünf Jahren – hat das Team nun zwei sonnige Tage der Erholung ohne Gedanken an Eishockey hinter sich. Auch heute ist offiziell frei. Trotz Saisonende stehen bis Ende Woche noch verschiedenste Dinge auf dem Programm. Aufs Eis kehrt die Mannschaft aber nicht zurück, zumal das Eis im Kleinholz bereits abgetaut wurde.

Einer hat das Team bereits verlassen: Luca Zanatta stösst heute zur italienischen Nationalmannschaft, mit welcher er an der B-WM in Budapest teilnehmen wird. Die Gefühlslage sei nach wie vor schwierig, sagt Geschäftsführer Peter Rötheli mit etwas Abstand am Sonntagmittag. «Andererseits weicht langsam die Enttäuschung dem Stolz und der Dankbarkeit, ein solch kämpferisches Team in den Playoffs gesehen zu haben – mit allen anderen Mitarbeitern und Helfern, Coaches und Staff, die für den EHCO alles gegeben haben.»

Gros der Mannschaft steht
So bitter die Finalniederlage war, so intensiv werden auch die nächsten 10 bis 14 Tage werden. So stehen einige Gespräche an, in denen mitunter einschneidende Kaderentscheidungen zu fällen sind. «Wir möchten eine saubere, ruhige, professionelle und sachliche Saisonanalyse machen», so Rötheli weiter. Dabei würde jeder Spieler unter die Lupe genommen – auch jene, die weiterhin beim EHC Olten unter Vertrag stünden.

Wie lange diese Analyse konkret dauert, ist noch nicht abschätzbar. Aber: «Wir möchten in den nächsten Tagen natürlich vorankommen. Auch die Spieler wollen Gewissheit haben. Wir möchten spätestens in zwei bis drei Wochen Nägel eingeschlagen haben», so Geschäftsführer Rötheli. Klar ist bis heute: Das Gros der Mannschaft steht, 17 Spieler dieser Saison (ohne Zuzüge) haben fortlaufende Verträge. «Vieles steht und fällt mit unserem Budget für die kommende Saison. Erlauben es die Zahlen, möchten wir mit 10 Verteidigern und 15 Stürmern in die Saison starten. Und dabei sind die Jungen, die ebenfalls eine grosse Rolle spielen sollen, nicht einberechnet», lässt Rötheli durchblicken.

Mit drei Ausländern in die Saison?
Das bedeutet konkret: Der EHC Olten, Ausgabe 2018/19, soll in der Breite noch stärker besetzt sein, als das in dieser Saison der Fall war. «Man hat gerade im Playoff-Final gesehen, dass wir nicht über die genügende Breite verfügen, um bis nach ganz oben zu kommen. Fällt zum Beispiel ein Marco Truttmann aus, macht sich das in der Qualität der Mannschaft umgehend bemerkbar», so Rötheli.

Sind also die Pläne umsetzbar, wären noch drei Plätze in der Verteidigung sowie deren vier in der Offensive vakant. In diesen Kaderplätzen müssten demnach auch die Söldner, die ebenso ein grosses Thema sind, Unterschlupf finden. Interessant: Je nach Saisonbudget planen die EHCO-Verantwortlichen die komplette Saison mit drei Ausländern zu bestreiten, wovon dann jeweils zwei zum Einsatz kommen. Ob einer der drei Ausländer – Jay McClement, MacGregor Sharp oder Brian Ihnacak – dabei eine Rolle spielen wird, ist noch unklar.

Rötheli meint dazu lediglich: «Wir brauchen Ausländer, die Spielmacher-Qualitäten haben und ausgewiesene Goalgetter sind.» Er bestätigt, dass der EHCO ernsthaftes Interesse an Thurgaus Topskorer Jaedon Descheneau bekundete. Der Kanadier lag aber, insbesondere im Hinblick auf sein grosses Ziel NHL, grossen Wert auf seinen Lebenslauf und entschied sich für einen Wechsel zur Düsseldorfer EG in die deutsche Topliga DEL.

Vakanter Trainerposten
Um all diese Fragen beantworten zu können, braucht es bestenfalls zuerst eine Klärung des grössten offenen Dossiers: Wer soll in der kommenden Saison – am besten ab dem ersten Sommertrainingstag – Trainer des EHC Olten sein? So ist nämlich nicht nur entscheidend, welche Arbeit der Trainer an der Bande leistet, sondern auch im Büro.

Denn in der EHCO-Sportkommission, welche über die Zusammenstellung des Kaders entscheidet, haben nebst zwei Verwaltungsräten, Geschäftsführer und Sportchef a.i. Peter Rötheli sowie Medienchef Pierre Hagmann auch der Trainerstab um den Headcoach, Assistenz- und Athletikcoach Einsitz als gewichtige Entscheidungsträger. Und diese Sportkommission kann bei Bedarf auch auf ein erweitertes namhaftes Netzwerk mit fachkundigem Hockeywissen zählen, das im Hintergrund beratend und mitentscheidend sein kann. Gleichzeitig wird es auch Gespräche geben bezüglich eines möglichen neuen Sportchefs.

So oder so: Trainer Chris Bartolone hat in den Playoffs eine überaus starke Visitenkarte abgegeben. Er hat es geschafft, innert kürzester Zeit Einzelkämpfer zu einer Playoff-Einheit zu formen. Und dennoch geistert im Umfeld des EHC Olten das Gerücht umher, dass etwa Dan Ratushny, der bereits von 2009 bis 2011 Oltens Headcoach war, zurück ins Kleinholz kommen soll – ja sogar bereits einen Kontrakt unterschrieben haben soll.

«Wir pflegen eine sehr gute Beziehung zu ihm. Wir hatten nach der Gustafsson-Freistellung mit ihm gesprochen. Aber Dan hat andere Vorstellungen, andere Ziele, andere Träume. Er wird nicht EHCO-Trainer», sagt Rötheli, um sogleich zu bekräftigen: «Chris Bartolone arbeitet sehr strukturiert, höchst zeitintensiv. Und er hat einen guten Draht zum Team. Er und auch Assistent Michael Tobler sowie Athletiktrainer Thaddäus Schnider werden die Ersten sein, die im Büro Platz nehmen. Wir werden sehen, wie die Verhandlungen laufen.»

Es sind vielversprechende Aussichten, damit der EHC Olten in der nächsten Saison nochmals einen Schritt vorwärtskommt.

Die Kadersituation beim EHC Olten

Torhüter (2): Matthias Mischler (Vertrag bis 2018/19), Simon Rytz (2019/20)

Verteidiger (7): Chris Bagnoud (2018/19), Simon Barbero (2018/19), Tim Bucher (2018/19), Simon Lüthi (2019/20), Anthony Rouiller (2019/20), Luca Zanatta (2019/20), Daniel Eigenmann (Zuzug, 2019/20).

Stürmer (11): Jewgeni Schirjajew (2018/19), Stan Horansky (2019/20), Ueli Huber (2018/19), Devin Muller (2018/19), Stefan Mäder (2018/19), Cédric Schneuwly (2018/19), Marco Truttmann (2019/20), Martin Ulmer (2019/20), Silvan Wyss (2020/21), Alban Rexha (Zuzug, 2018/19), Diego Schwarzenbach (Zuzug, 2018/19).

Auslaufende Verträge (14): Joel Fröhlicher, Marc Grieder, Noah Matter, Cyrill Aeschlimann, Helder Duarte, Lukas Haas (Ausleihe), Stéphane Heughebaert, Remo Hirt, Brian Ihnacak, Jay McClement, MacGregor Sharp, Ryan Vesce, Marc Sahli, Joachim Vodoz.

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