Kinderfest, Kadetten und Gottfried Keller

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Einmal mehr schlagen Pro und Kontra zum Gefecht am Zofinger Kinderfest hohe Wogen. Das wirft die Frage auf, was die Hintergründe des Kadettenwesens sind – was das Gemeinsame am Zofinger Kinderfest, Rutenzug (Brugg), Jugendfest (Lenzburg) und am Aarauer Maienzug ist?

Der Aargau ist eine Reissbrettkonstruktion Napoleons, mit welcher er ohne Rücksicht auf (religiöse) Befindlichkeiten aus dem Berner Aargau, dem vorderösterreichischen Fricktal, der Grafschaft Baden und dem Freiamt einen neuen Kanton zusammenfügte. Das hat bis heute Spuren hinterlassen. So bildet die Reuss auch im Jahr 2019 für Jass-Liebhaberinnen und -Liebhaber eine Grenze. Östlich des Flusses wird mit deutschen, westlich mit französischen Karten gespielt.

Die Reuss bildet auch einen Kinderfest-Limes. Östlich gibt es zwar auch Jugendfeste und die Badenfahrt – aber nur alle drei bis zehn Jahre. Und es sind Feste, die sich immer wieder neu erfinden. Anders im Westen. In Aarau, Brugg, Lenzburg und Zofingen gleichen sich die Bilder. Weisse Röcke und Kornblumen im Haar hübscher Mädchen prägen die Festzüge genauso wie Knaben im Sonntagsstaat und – in Aarau und Lenzburg – Behördenmitglieder in Frack und Zylinder.

Was ist mit den Kadetten? Die vier Städte sind Standorte von Bezirksschulen und an diesen war bis 1972 der Kadettenunterricht ein obligatorisches Schulfach. Mit einer Gesetzesreform – und grossem Volksmehr – wurde der militärische Pflichtunterricht abgeschafft.

Lenzburg und Zofingen behielten die Kadette als freiwilliges Angebot bei – wie auch Gefecht und Manöver. In Aarau verblieb eine Kadettenmusik. Brugg – hart an der Reuss gelegen – strich seine Kadetten.

Apropos Diskussionen: In Brugg laufen Bestrebungen, wieder an die alten Traditionen anzuknüpfen und die Kadetten auf freiwilliger Basis zu reanimieren. In Lenzburg dagegen stellen Neuzuzügerinnen und Migrantinnen das ganze Fest infrage. Sonntagskleidung sei nicht mehr zeitgemäss, Blumen teuer – ein Umzug ein Schaulaufen, das man den Kindern nicht zumuten kann. Die Morgenfeier in einer Kirche.

Zurück zu den Kadetten. Entstanden sind sie als patriotische und vormilitärische Jugendgruppen im noch jungen Bundesstaat Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein literarisches Denkmal hat ihnen Gottfried Keller – dessen 200. Geburtstag diesen Sommer gefeiert wird – gesetzt. Sein Grüner Heinrich besucht ein zweitägiges Kadettenfest. Die Aufgabe einer vormilitärischen Schulung verloren die Kadetten zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr und mehr. Für die körperliche Ertüchtigung wurden die Turnvereine zuständig.

Geblieben ist eine Tradition und ein Spektakel – vergleichbar mit dem Gansabhauet in Sursee oder dem Zürcher Sechseläuten.

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