Kooperation der Stiftung azb und der Bäckerei Wälchli: «Das Miteinander tut beiden Seiten gut»

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So geht Zusammenarbeit: Ernst Waltenspül leitet die azb-Lernende Fabiana Slezinger in der Küche des Wälchli-Desserthauses Strengelbach beim Anrichten der Salate an. (Bilder: Thomas Fürst)
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Für Ruth Haab, Geschäftsführerin Bäckerei Wälchli, eine Herzensangelegenheit – der Verkauf von azb-Produkten in den Verkaufsräumen der Bäckerei Wälchli.
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Die Grittibänzen mit und ohne Beeinträchtigungen, die am 3. Dezember, dem Tag für Menschen mit Beeinträchtigungen, verkauft werden.

«Same place, same time». Gleicher Ort, gleiche Zeit also. Trotzdem ist alles anders als vor fünf Monaten. Hell und freundlich wirkt das Lokal heute, die Tische im Wälchli Desserthaus in Strengelbach sind praktisch alle besetzt. Ganz zufrieden ist Ruth Haab aber noch nicht. «Konzept und Weg stimmen, Resonanz ist durchaus da», sagt die Geschäftsführerin der Bäckerei Wälchli. In Anbetracht der erschwerten Bedingungen dürfe sie mit dem in den ersten fünf Monaten Erreichten zufrieden sein. Das ehemalige «Klöti» ist auf dem Weg zurück zu dem, was es einst war: Dorftreffpunkt und Genussoase.

Doch eigentlich will Ruth Haab heute gar nicht unbedingt über «s’Klöti» reden, sondern über etwas, das für sie eine Herzensangelegenheit ist: Die Zusammenarbeit mit der Stiftung azb. Bereits vor fünf Monaten, als sie das Desserthaus in einer Parforce-Aktion innerhalb kürzester Zeit wieder eröffnete, tönte sie an, dass sie die Zusammenarbeit mit der Strengelbacher Stiftung weiter ausbauen wolle.

Eine absolute Win-win-Situation

Die Zusammenarbeit zwischen der Rothrister Bäckerei, die an zwölf Standorten tätig ist und der Strengelbacher Stiftung azb besteht schon seit Jahren. Sie ist für beide Seiten gewinnbringend und wurde auch durch Corona-Pandemie und Lockdown nicht unterbrochen. Nach wie vor werden die in allen Wälchli-Desserthäusern angebotenen Mittagsmenus in der azb-Küche gekocht. «Über diesen Auftrag sind wir gerade in der jetzigen Zeit äusserst dankbar», betont Christine Zwahlen, Leiterin Zentrale Dienste in der Stiftung azb. Denn die azb-Gastronomie habe ihre Angebote stark reduzieren müssen, weil sie im Haus selber keine externen Gruppen mehr bewirten dürfe. «Das Wohl und der Schutz unserer Mitarbeitenden und Bewohnenden geht vor», erläutert Christine Zwahlen. Corona sei mitunter auch der Grund, wieso es momentan leider nicht möglich sei, Menschen mit Unterstützungsbedarf zu beschäftigen, bedauert auch Ruth Haab. 

Ein Praktikum für Fabiana 

Trotz all der Einschränkungen steht momentan eine azb-Lernende im Dienst des Strengelbacher Desserthauses Wälchli. Im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums kann Fabiana Slezinger ihre Erfahrungen in der Gastronomie vertiefen. Die 17-jährige Vordemwalderin steht im zweiten Lehrjahr ihrer vielfältigen Ausbildung zur Fachfrau Hauswirtschaft EFZ. «Weil der Gastronomie-Bereich im azb momentan stark reduziert ist, suchten wir für Fabiana eine Möglichkeit, damit sie anderswo vertiefte Erfahrungen in diesem Bereich sammeln konnte», erläutert ihre Ausbildnerin Tamara Christen (Leiterin Wäscherei). Die Vermittlung sei dabei ganz unkompliziert erfolgt. Ein Anruf bei Ruth Haab habe ausgereicht, verrät Christine Zwahlen. «Es ist so vieles möglich, wenn man wirklich will», sagt die Wälchli-Geschäftsführerin. 

Fabiana Slezinger ist von den Erfahrungen an ihrem temporären Arbeitsort völlig begeistert. Sie sei vom Team herzlich aufgenommen worden, sofort in den WhatsApp-Chat integriert worden und werde vom Team auch sehr gut begleitet. Zudem könne sie hier Erfahrungen sammeln, die sie so im azb nicht hätte machen können, führt sie weiter aus. Zum Beispiel im Service. «Ich arbeite gerne im Service, weil ich sehr kontaktfreudig bin», verrät Fabiana Slezinger. Etwas mehr Mühe bereite ihr noch der Verkauf an der Theke. «Es gibt gar viele Preise, die man sich merken muss und die Routine, welches Brot in welche Verpackung gehört, fehlt mir noch», sagt sie. 

Heute wird Fabiana Slezinger in der Küche eingesetzt, wo sie von einem prominenten Lehrmeister angeleitet wird. Ernst Waltenspül, der langjährige «Iselishof»-Wirt, leitet die junge Frau beim Anrichten der Salate an. «Es ist anders als im azb, aber es macht Freude», verrät Fabiana Slezinger, deren Ziel es ist, ihre dreijährige Lehre möglichst erfolgreich abzuschliessen. Die im Praktikum gesammelten Erfahrungen sind ein Mosaikstein dazu. 

Ängeli-Sirup, Kerzenlichter und Seifenwunder 

Ein neues Angebot steht mittlerweile im Eingangsbereich des Strengelbacher Desserthauses. Ein altes, sorgfältig renoviertes Holzbuffet ist gefüllt mit handgefertigten Produkten aus dem azb. «Mit dem Kauf von Adventskonfi, Ängeli-Sirup, Kerzenlichtern, Seifenwundern, Gestecken, Papierservietten oder Kartensets unterstützen Sie Menschen mit Unterstützungsbedarf ganz direkt. Denn die Bäckerei Wälchli stellt der Strengelbacher Stiftung den Platz für diese Produkte zur Verfügung. Eine Ausweitung dieser Aktion auf weitere Wälchli-Standorte ist in Vorbereitung», versichert Ruth Haab. 

Weitere Projekte sind angedacht 

Die Zusammenarbeit mit der Stiftung azb will Ruth Haab auch in Zukunft weiter ausbauen. «Es bestehen Pläne, in Zukunft auch Menschen mit Unterstützungsbedarf in unserer Backstube oder in der kalten Küche im Rothrister Desserthaus einzusetzen», gibt sie zu verstehen. Allerdings verunmögliche das Coronavirus momentan die Umsetzung dieser Absicht. Gerade die Erfahrungen, welche sie in der Vergangenheit im Rahmen eines IV-Wiedereingliederungsprojekts gemacht habe, zeige, wie bereichernd eine Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf sei. «Das Miteinander tut beiden Seiten sehr gut», betont Ruth Haab. 

«Grittibänzen» mit und ohne «Handicap» zu kaufen 

Eine Herzensangelenheit ist für Ruth Haab auch die Beteiligung an einer Pro Infirmis-Aktion am internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen vom 3. Dezember. Der Verein, der mit seinen Dienstleistungen das selbstständige und selbstbestimmte Leben der rund 1,8 Millionen in der Schweiz lebenden Menschen mit Unterstützungsbedarf fördert, will die Bevölkerung mit einer speziellen Aktion für diese Anliegen sensibilisieren. Unter dem Motto «usem gliiche Teig gemacht» verkaufen annähernd 60 Bäckereien im Aargau «Grittibänzen» mit einem «Handicap». Eine Aktion ganz nach dem Gusto von Ruth Haab. «Wir haben uns als eine der ersten Bäckereien zum Mitmachen angemeldet», sagt die umtriebige Wälchli-Geschäftsführerin, die an diesem Tag in ihren Filialen neben «normalen» auch einbeinige «Grittibänzen» anbieten wird. Eine Herzensangelegenheit eben. 

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