«Offener Geist, der Veränderungen früh erkannte»: Wie sich Gegner und Freunde an Helmut Hubacher erinnern

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Mit 94 Jahren verstorben: SP-Doyen Helmut Hubacher. (Archivbild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
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«Man hörte ihm zu, wenn er ans Rednerpult trat»: Hanspeter Thür (Grüne), alt Nationalrat Grüne (1987–1999). (Bild: Colin Frei)

«Ich wurde 1987 in den Nationalrat gewählt, als die Grüne Partei mit einer Verdoppelung ihrer Mandate einen grossen Sprung nach vorne machte. Ich erlebte Helmut Hubacher als offenen Geist, der der grünen Bewegung nicht feindlich gegenüberstand – im Gegensatz zu seinem Nachfolger Peter Bodenmann.

Man hörte ihm zu, wenn er ans Rednerpult trat. Hubacher war kein Vielredner, er sprach nur, wenn es um etwas ging, wenn er etwas zu sagen hatte. Dann gab er aber jeweilen den sozialdemokratischen Tarif durch. Er war ein hervorragender Debattierer, wurde aber auch von den Bürgerlichen respektiert, die er scharf kritisierte.

Als offener Geist hat Helmut Hubacher anstehende Veränderungen früh erkannt und konnte so rechtzeitig darauf reagieren. Deshalb war er auch in der Lage, die SP in die neue Zeit mit den grossen ökologischen Herausforderungen zu führen. Obwohl er selber als Bähnler und Gewerkschafter aus einfachen Verhältnissen ein Kind einer alten, zu Ende gehenden Welt war. Er wird sich in die Galerie der herausragenden Schweizer Sozialdemokraten einreihen, gemeinsam mit Robert Grimm oder Walther Bringolf. Und wird als Integrationsfigur in Erinnerung bleiben, der seine Partei in einer schwierigen Phase zusammengehalten hat.

Ob es in der SP nochmals eine Figur mit einer Biografie wie Hubacher geben wird, bezweifle ich. Das hat auch damit zu tun, dass sich die Umstände geändert haben: Ein derart wacher Geist und schlauer Kopf wie Hubacher würde heute an die Uni gehen und als hoch dekorierter Akademiker wirken. Für die damalige Zeit hat Hubacher angesichts der bescheidenen Verhältnisse, aus denen er stammte, eine beeindruckende politische Karriere gemacht.»

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«Er war präsenter und beliebter als viele Bundesräte»: Gerhard Pfister, Präsident CVP Schweiz. (Bild: Keystone)

«Helmut Hubacher hat in einer Zeit politisiert, als er die SP als einzig wahre Oppositionspartei anführte, die einem massiven Bürgerblock gegenüberstand. Er hat es geschafft, die SP breiter aufzustellen. Zu seiner Zeit kam die SP einer linken Volkspartei sehr nahe. Das ist später verloren gegangen.

Mir hat gefallen, wie Hubacher nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik als wacher politischer Kopf präsent geblieben ist, ohne seinen Nachfolgern an der SP-Spitze reinzureden. Seine Kolumnen in der ‹Basler Zeitung› habe ich immer mit grossem Interesse gelesen. Obwohl ich inhaltlich selten einverstanden war, gehörte das für mich zum Pflichtstoff.

Persönlich bin ich ihm nie begegnet. Aber einmal hat er sich aufgrund einer Äusserung von mir in der ‹BaZ› in einem auf seiner Schreibmaschine verfassten Brief an mich gewandt. Daraus ist eine kleine Korrespondenz entstanden. Dass wir diese auf Briefpapier geführt haben, war für mich eine erfreuliche, selten gewordene Abwechslung.

Bemerkenswert an Hubacher ist, dass er als Politiker präsenter und beliebter war in der Bevölkerung als viele Bundesräte. Er war einer der wenigen Schweizer Politiker, der einen signifikanten Einfluss hatte, ohne je Bundesrat gewesen zu sein.»

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«Er war immer ein Vorbild für mich»: Christian Levrat, Präsident SP Schweiz. (Bild: Severin Bigler)

«Helmut Hubacher war eine der prägenden Figuren der Sozialdemokratie und der Schweizer Politik des 20. Jahrhunderts. In seiner Rolle als Parteipräsident war er immer ein Vorbild für mich. Seine klare Sprache, seine Leidenschaft und seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einfach darzulegen, haben mich tief beeindruckt.»

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

@ psu

B. Hofer
schrieb am 20.08.2020 20:35
Um solche Kommentare (Halbwahrheiten) über Verstorbene zu schreiben, braucht es wahrscheinlich einen speziellen «Magen»! Missglückte Militärkarriere - oder sonst ein Trauma?
R.I.P. Helmut

so beliebt war Hubacher kaum

psu
schrieb am 20.08.2020 15:22
Bei den Armeebefürwortern war Hubacher kaum beliebt. Und das war ein Grossteil der Bevölkerung.
Jahrzehntelang hat er die Armee schlecht geredet. Für junge militärdienstpflichtige Männer war dies kaum motivierend.
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