Reiseerleichterung: Die Kantone fürchten eine Verspätung

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Wer geimpft ist, soll dies mittels Zertifikat nachweisen können. Derzeit liegt es aber noch nicht vor. Bild: Britta Gut

Es ist das Dokument, das Freiheiten zurückbringen soll: das Covid-Zertifikat. Geimpften, Getesteten und Genesenen soll es nicht nur den Zugang zu Grossveranstaltungen ermöglichen. Insbesondere für Reisen ins Ausland dürfte ein solches Zertifikat im Sommer unabdingbar sein. Der Bund hat versprochen, dass es vor den Sommerferien vorliegt. Doch derzeit sind noch viele Fragen offen. Dies zeigen vertrauliche Dokumente, die CH Media vorliegen. So seien die vom Bund vorgeschlagenen Lösungen zu wenig praxisorientiert, heisst es aus den Kantonen.

Angst hat man dort vor dem 7. Juni: Der Bund hat angekündigt, dass ab diesem Datum die ersten Zertifikate für Geimpfte ausgestellt werden können. Bis Ende Juni soll dann das System sukzessive hochgefahren werden. In den Kantonen sorgt man sich, dass das Datum 7. Juni zu hohe Erwartungen geweckt hat. Denn es dürfte länger dauern, bis alles vorbereitet ist. Es sind die Kantone, die Lösungen vorlegen müssen, wie nachträglich für all diejenigen Zertifikate ausgestellt werden können, die heute bereits geimpft oder genesen sind.

Wo muss man das Zertifikat beantragen?

Problematisch ist die Schnittstelle: Wie kommen die in den Kantonen oder bei Ärzten vorhandenen Daten an den richtigen Ort? Aus den Kantonen drängt man darauf, dass eine Lösung gefunden wird, die möglichst ohne viel Aufwand funktioniert. Mit dem derzeitigen Vorschlag müssten die Kantone Personal engagieren, dass sich einzig und alleine mit dem Ausstellen von Zertifikaten beschäftigen würden, heisst es. Dies sei teuer – und nutze die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht. Bürgerinnen und Bürger sollen das Zertifikat beispielsweise in Impf- und Testzentren, Spitälern, Arztpraxen oder Apotheken beantragen können.

In den Kantonen befürchtet man auch, dass die Apotheker und Ärzte die Covid-Zertifikate nach Schnelltest möglicherweise entschädigt werden wollen. Der Bund geht davon aus, dass der Betrag bereits mit der Entschädigung für die Impfung/Testung gedeckt ist. Der Aufwand sei gering, heisst es. Die Präsidentin der Ärztevereinigung FMH, Yvonne Gilli, sagt:

«Für uns ist entscheidend, dass keine zusätzliche Arbeit anfällt. Dies wäre inakzeptabel.»

Mit derzeit 24,50 Franken (bzw. 16,50 ab Juli) sei der vorgeschriebene Impftarif in den Praxen alles andere als kostendeckend.

Verspätung beim Zertifikat für Getestete?

Laut Angaben aus den Kantonen ist zudem zu befürchten, dass es ab dem 1. Juli noch keine IT-Lösung gibt für die Zertifikate all derjenigen, die sich testen lassen. Das wäre problematisch, denn ab Juli sollen Grossveranstaltungen stattfinden. Sollen Ungeimpfte davon nicht ausgeschlossen werden, muss ein Zertifikat vorliegen – oder es müsste rasch eine andere Lösung gefunden werden.

Beim Bundesamt für Gesundheit hält man auf Anfrage fest, dass der kommunizierte Zeitplan noch immer gelte. Sprich: Erste Zertifikate könnten ab dem 7. Juni ausgestellt werden. Bis Anfang Juli soll das System einsatzbereit sein.

Das Zertifikat der Ärztevereinigung würde schon jetzt funktionieren

Bereits in wenigen Tagen hätte ein Zertifikat vorliegen können: Die Ärztevereinigung FMH und der Apothekerverband Pharmasuisse haben dieses auf bestehender Technologie entwickelt. «Wir wären bereit», sagt FMH-Präsidentin Gilli. Doch am Freitag kam ein Nein aus Bern: Der Bund wird der Lösung kein offizielles Siegel geben; er will nur seine Lösung. «Anders als wir kann der Bund nicht auf einer bestehenden Technologie aufbauen, sondern muss eine eigene Lösung entwickeln», sagt Gilli. «Das ist anspruchsvoll.» Man werde aber den Bund so gut als möglich unterstützten.

Ihre Lösung hätte aus Gillis Sicht zwei Vorteile gehabt: Sie wäre schneller bereit gewesen. Bei 30'000 Personen, die täglich geimpft werden, wäre den Behörden so Aufwand für nachträglich auszustellende Zertifikate erspart geblieben. Zudem kennt man bei den Branchenverbänden die unterschiedlichen IT-Schnittstellen und Systeme der Leistungserbringer. Darauf hätte man aufbauen können.

 
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