Covid-Zertifikate sind im Aargau erst ab Juli verfügbar: Online-Formular für zweimal Geimpfte und Genesene geplant

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Der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati äusserte sich vor zehn Tagen kritisch zu den Plänen des Bundes mit dem Covid-Zertifikat. Bilder: BAG/ Britta Gut- Montage AZ

Noch vor zehn Tagen hatte Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati die Pläne des Bundesrats für das Covid-Zertifikat scharf kritisiert. In der Stellungnahme der Regierung zum Umsetzungsvorschlag aus Bern hiess es unter anderem, es drohe ein kantonaler Wildwuchs mit 26 verschiedenen Lösungen. Gallati monierte zudem, der Bund regle nur, dass Geimpfte, Genesene und negativ Getestete ein Zertifikat erhalten sollten – alle vor- und nachgelagerten Prozesse würden hingegen komplett vernachlässigt beziehungsweise an die Kantone abgeschoben.

Weiter befürchtete Gallati, für den Kanton könnte ein organisatorischer und finanzieller Mehraufwand entstehen. Der Bund sehe vor, dass Zertifikate beantragt werden müssten, hiess es. Dieses Vorgehen berge aber die Gefahr, «die involvierte Stellen des Gesundheitswesens durch die erwartete riesige Masse an Bürgeranfragen zu lähmen», hielt Gallati fest. «Bei einer groben Annahme, dass jeder Antrag fünf Minuten Bearbeitungszeit erfordert, würde das Antragsverfahren im Kanton Aargau bei angenommenen 500'000 Personen einen Aufwand von 41'700 Stunden oder 4,7 Jahren verursachen», rechnete er vor.

Inzwischen ist beim Covid-Zertifikat einiges klarer, am Freitag hat der Bundesrat erläutert, wie es funktioniert, seit Montag kann die App heruntergeladen werden, im Kanton Bern läuft bereits ein Pilotversuch.

Die AZ hat beim kantonalen Gesundheitsdepartement nachgefragt, wie und wann das Covid-Zertifikat im Aargau umgesetzt wird. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten knapp einen Monat vor den Sommerferien.

Der Aargauer Regierungsrat hat die Verordnung des Bundesrats zum Covid-Zertifikat scharf kritisiert, unter anderem wurde der grosse Aufwand für die Kantone bemängelt. Moniert wurden auch die offenen Fragen, wer das Zertifikat ausstellen könne und wie die Bevölkerung dieses bekomme. Sind diese Kritikpunkte und Fragen nach der Information des Bundesrats für den Regierungsrat nun ausgeräumt?

Nachdem die Kantone ihre Stellungnahmen zum Verordnungsentwurf erstattet haben, haben verschiedene Gespräche zwischen den Kantonen und der Gesundheitsdirektorenkonferenz einerseits sowie dem Bundesamt für Informatik und Telekommunikation und dem Bundesamt für Gesundheit andererseits stattgefunden. Heute haben die Bundesbehörden die von den Kantonen aufgeworfenen Fragen erfasst und sind gewillt, taugliche Lösungen zu finden. Wir sind optimistisch, dass das funktioniert.

Dirk Lindemann, der Chef des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation, war kürzlich bei SRF im Interview. Dort sagte er auf die Frage des Moderators, der Mitte Juni im Kanton Bern zum zweiten Mal geimpft wird, dieser werde sein Zertifikat wohl gleich nach der Impfung erhalten. Ich zum Beispiel werde am kommenden Sonntagabend, 13. Juni, im Kantonsspital Aarau zum zweiten Mal geimpft; bekomme ich mein Zertifikat dann auch gleich?

Nein, wie vom Bundesamt für Gesundheit kommuniziert, wird der Bund das Zertifikat ab dem 7. Juni schrittweise einführen. Das Zertifikat wird ab Juli 2021 in der ganzen Schweiz ausgerollt werden. Die aargauische Impfkampagne setzt alles daran, in Zusammenarbeit mit dem Bund den Beantragungsprozess möglichst einfach auszugestalten.

Lindemann sagte bei SRF auch, der Antrag bzw. die Vergabe des Zertifikats laufe über das System OneDoc, das auch im Aargau zur Anwendung kommt. Demnach hätten die Kantone damit gar nichts zu tun und die Vergabe wäre automatisiert, gleich wie die per E-Mail zugesandte Impfbestätigung. Ist das so?

Die Software für die Impfung (OneDoc) deckt nicht sämtliche Zertifikatsanfragen ab, sondern nur Anfragen betreffend «Geimpft-Status» derjenigen Personen, die sich über die Software «Soignez-moi/OneDoc» registriert haben. Damit sind zum Beispiel Impfungen in Hausarztpraxen, in Apotheken oder via mobile Teams nicht abgedeckt. Der Kanton Aargau strebt für alle geimpften und genesenen Personen eine zentrale, webbasierte und benutzerfreundliche Lösung an. Ausnahmen sind «Getestet-Zertifikate» nach negativen Antigen-Schnelltests oder PCR-Tests. Diese können voraussichtlich ebenfalls ab Juli direkt bei den testenden Apotheken und Arztpraxen sowie den Testcentern der Spitäler und Gesundheitszentren bestellt werden.

Wie kommen Aargauerinnen und Aargauer zum Covid-Zertifikat, die jetzt schon zweimal geimpft sind? Und wie sollen jene Leute im Aargau vorgehen, die von Corona genesen sind, um das Zertifikat zu erhalten?

Das Online-Bestellformular für «Geimpft- und Genesen-Zertifikate» wird ab Juli auf der Website www.ag.ch/covid-zertifikat bereitstehen. Vollständig immunisierte Personen werden das Zertifikat ab Juli voraussichtlich einen Tag nach der Impfung herunterladen können. Dabei ist zu beachten, dass das Zertifikat erst ab dem 15. Tag nach der zweiten Impfung gültig ist.

 
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