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Welche Aargauer Gemeinde am «alternativsten» gewählt hat – und wo Aussenseiter am meisten punkteten

Wir beantworten auch noch die letzten Fragen und widmen uns in einem weiteren Blick in die Statistik den nicht ganz so wichtigen, aber nicht minder interessanten Zahlen des Wahlsonntags im Aargau.

Bereits am Sonntagabend haben wir einen Einblick in die Statistiken zu den Wahlen im Kanton Aargau gewährt. Welche Partei wo am besten abgeschnitten hat, wie gut die Ständeratskandidaten in ihren Wohngemeinden gepunktet haben und welche Gemeinde am fleissigsten gewählt hat, finden Sie hier:

Teil 2 widmet sich nun noch einigen weiteren Zahlen und befasst sich vor allem mit den politischen Aussenseitern.

Die Nationalratskandidaten mit den wenigsten Stimmen

Die Nationalratskandidaten mit den meisten Stimmen sind bekannt – sie befinden sich allesamt auf der SVP-Hauptliste. Blicken wir auf die andere Seite der Rangliste, darf man das Positive vorweg nehmen: Niemand aus dem Aargau hat die wenigsten Stimmen geholt. Ganz unten befindet sich mit 79 Stimmen nämlich Lars Kottmann aus Gelterkinden BL. Das ist deshalb möglich, weil für die Kandidatur für den Nationalrat kein Wohnsitz im Aargau vorausgesetzt wird.

Etwas besser schnitt Peter Gilbert Schlatter aus Stein (94 Stimmen) ab. Beide kandidierten auf der EVP-Liste «engagiert für florierende KMU». Immerhin die 100 knackten noch Moufida Duc (Rheinfelden, 102) und Liora Kleinmann (Oberwil-Lieli, 105) auf jeweils einer GLP-Unterliste. Von den Hauptlisten am wenigsten Stimmen holten Michelangelo D’Anella (Liberté Egalité, 254), Cemal Kablan (Partei der Arbeit, 359) und Reto Müller (Partei der Arbeit, 383).

Prominente Aussenseiter-Kandidaturen

Für die Ständeratswahl standen mehrere streitbare wie aussichtslose Personen auf der Kandidatenliste: Nancy Holten, Theres Schöni und Pius Lischer. In ihren Wohnorten überzeugten sie dabei nicht. Nancy Holten holte in Gipf-Oberfrick gerade mal 21 Stimmen, Pius Lischer erzielte in Oberrüti mit sieben Stimmen gar das schlechteste Resultat aller Kandidierenden. Theres Schöni kam in Merenschwand auf 59 Stimmen – prozentual war sie mit 2,49 Prozent hier aber immerhin am erfolgreichsten.

Nancy Holten wird definitiv nicht Ständerätin, ein paar Schlagzeilen hat sie sich aber gesichert.
Bild: zvg

Die meisten Stimmen erhielt Holten aus Aarau (125), Zofingen (106) und Wettingen (104). Prozentual am meisten von ihr angetan war Würenlos, wo sie 1,47 Prozent der Stimmen sammelte. Lischer hat in Aarau (62 Stimmen) die meisten Fans, gefolgt von Wohlen (51) und Zofingen (45). Prozentual schnitt er aber mit 0,77 Prozent in Muri am besten ab. Und auch Theres Schöni wusste im Freiamt am besten zu überzeugen. Nebst der Wohngemeinde Merenschwand entfielen in Sins 1,45 Prozent der Stimmen auf sie. In Wettingen (95), Aarau (93) und Baden (90) konnte sie stimmenmässig am meisten punkten.

Mass-Voll und andere: Diese Gemeinden wählten am «alternativsten»

Am «alternativsten» hat Dietwil gewählt. 6,7 Prozent der Stimmen entfielen hier auf Kleinparteien, welche statistisch unter «Übrige» fallen. Bei genauerem Hinsehen, sind es exakt 440 Stimmen – fast die Hälfte davon (205) heimste Mass-Voll ein. Noch stärker ist die Sympathie für die Bewegung gar in Ammerswil, wo 170 von 270 «übrigen» Stimmen auf sie entfallen. Insgesamt 6,4 Prozent der Stimmen gingen hier an eine Kleinpartei – Platz 2 in diesem Ranking.

Auch in Mumpf haben die Kleinparteien gut Stimmen gesammelt: 6,3 Prozent waren es hier. Auf der Gemeindewebsite fehlen leider weitere Infos zur Stimmenaufteilung. Dafür ist prominent ein Hinweis auf ein Kasperlitheater zu sehen – passt ja auch hin und wieder zum politischen Geschehen auf Kantons- oder Bundesebene.

Die durchschnittlichste Gemeinde

Wie schon 2019 hat auch 2023 Untersiggenthal praktisch gleich abgestimmt wie die ganze Schweiz. Die Gemeinde hat somit die «durchschnittlichsten» Wählerinnen und Wähler. Vielleicht kann man im nächsten Wahljahr 2027 für eine erste zuverlässige Hochrechnung gleich auf das Resultat der knapp 4300 Wahlberechtigten schauen.

So durchschnittlich hat Untersiggenthal gewählt.
Grafik: watson.ch

Der (unrühmliche) Titel der schnellsten Gemeinde

Eigentlich dürften Wahlresultate jeweils erst ab 12 Uhr publiziert werden. Doch wie so oft bei Abstimmungen und Wahlen ist es eine Aargauer Gemeinde, die sich nicht an die bundesrätliche Sperrfrist hält. Letztes Mal war es Islisberg, dieses Mal ist es Killwangen, das die Wahldokumente zu früh auf die Gemeindewebsite gestellt hat. Schon ab ca. 11.30 Uhr waren die Ergebnisse einsehbar.

Und auch Buchs war schneller als erlaubt. Zwar nicht auf der Gemeinde-Website, aber per Newsletter. Dieser ging sogar schon um 11:02 Uhr raus und beinhaltete einen Link auf die Wahl- und Abstimmungsresultate.

Fast im Aargau: Die fehlerhafteste Gemeinde

Kurz schielen wir noch über die Kantonsgrenze. Direkt an den Aargau angrenzend im Kanton Baselland liegt Anwil. Hier waren von 241 eingereichten Wahlzetteln deren 22 ungültig. Somit war also fast jeder zehnte Wahlzettel fehlerhaft. Eine so hohe Fehlerquote weist sonst keine Gemeinde auf. Im Gegensatz dazu waren landesweit in 326 Gemeinden alle eingereichten Wahlzettel gültig. (pin/watson)